Fotoreportage Breslau, Teil 4: Nationales Musikforum von Stefan Kuryłowicz

Bei der letzten Station der Pressereise des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz nach Breslau Ende Oktober vergangenen Jahres handelte es sich ausnahmsweise um einen Neubau, aber der hatte es in sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Anfang September 2015 eröffnete Nationale Musikforum ist eines der größten und prestigeträchtigsten Kulturneubauten Polens und braucht den Vergleich mit der Elbphilharmonie nicht zu scheuen. Etwas „günstiger“ war die Breslauer Philharmonie allerdings schon: Für rund 110 Millionen Euro schloss die Stadt eine Baulücke in ihrem kulturellen Zentrum zwischen dem klassizistischen Gebäude der Oper und dem heute als Historisches Museum genutzten ehemaligen Königsschloss.

Das an ein riesiges Musikinstrument erinnernde Gebäude nach Plänen des bekannten polnischen Architekten Stefan Kuryłowicz besitzt eine Fassade, die in Teilen mit edlem Holz verkleidet wurde. Innen erinnert das Gebäude mit seinen mit schwarzem Corian-Acrylstein bekleideten Wänden und den weißen Balkonen eher an ein Klavier. Für die Akustik des Konzertsaals war in Breslau die Firma Artec aus den USA verantwortlich, die ähnlich viel Erfahrung in der Akustikplanung mit in das Gebäude brachte, wie in Hamburg der Japaner Toyota Yasuhisa. Durch das Box-in-box-System von Artec wird der Konzertsaal von den Geräuschen der Außen­welt vollkommen abgeschirmt. Im großen Konzertsaal gibt es spezielle Akustikkammern mit Toren, um den Klang zu verstärken oder zu dämpfen. Die Akustikdecke kann im Raum nach Bedarf gesenkt oder angehoben werden und beeinflusst so ebenfalls den Klang. Der große Saal bietet Platz für bis zu 1820 Zuhörer und zählt damit zu den größten des Landes. Hinzu kommen drei weitere Räume, die zusammen rund 1000 Zuhörern Platz bieten. So kann man mehrere Veranstaltungen im Haus gleichzeitig durchführen.