Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kaum ein Baustoff erlaubt dem Handwerker eine so vielfältige Oberflächengestaltung wie Putz. In Abhängigkeit vom Material (Zement, Kalkzement, Kalk oder Lehm) und den vom Handwerker zum Strukturieren eingesetzten Werkzeugen (Traufel, Glätter, Schwammbrett, Besen, Kamm und dergleichen) kommen dabei sehr unterschiedliche Ergebnisse heraus. So sind zurzeit vor allem die so genannten historischen Putztechniken wie der Besen- oder Kammzugputz wieder groß im Kommen, wie der Beitrag auf  Seite 34 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zeigt.

Je nach Anwendungsgebiet und Geschmack bevorzugt der eine Handwerker beziehungsweise Bauherr extrem glatte Oberflächen wie Stuccolustro oder Tadelakt, der andere Handwerker beziehungsweise Bauherr braucht oder mag sehr raue Oberflächen wie Kratz- oder Kellenwurfputz. In einem Fall ist ein sehr hartes Material gefragt wie Zementputz, in einem anderen ein besonders weiches wie Lehmputz.

Viele Putztechniken wie Tadelakt oder die Herstellung einer Schieferoptik mit Putz haben wir in der Redaktion der bauhandwerk selbst ausprobiert. Das können Sie sich in bewegten Bildern unter www.youtube.com/bauhandwerk anschauen. Bei anderen Putztechniken haben wir den Handwerkern bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

So zeigte uns Michel Souren, Maurer bei der Firma Kramp & Kramp, im September in Bielefeld den Umgang mit Ober- und Designputz aus Lehm. Wie ab Seite 26 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen, wird der Designputz „Yosima“ von Claytec mit der 4er Zahntraufel nur 2 mm dünn aufgezogen und final mit dem Schwammbrett gefilzt. Dabei entsteht eine feine Oberfläche mit optischer Tiefe.

Ein anderes Verfahren stellte uns Mirko Rossmann von der Firma Baumit auf der Mega Messe im April in Hamburg vor: Er zeigte uns, wie man mit einer Luftpolsterfolie in den „Klima Dekor“ Putz von Baumit eine eigenwillige Oberflächenstruktur prägen kann. Welche weiteren Oberflächen mit so fantasievollen Werkzeugen wie einem Kugelbrett noch möglich sind, sehen Sie ab Seite 30.

Und dass man nicht nur mit Luftpolsterfolie oder Kugelbrett bizarre Oberflächenstrukturen zaubern, sondern mit Putz auch geschalten Beton imitieren kann, zeigten uns Stefan Meyer und Horst Vogel von der Firma Knauf im März auf den Knauf Werktagen in Nürnberg. Wie die beiden mit dem Schalbrett die Holzstruktur in den Putz „Knauf SM700 Pro“ prägen, sehen Sie ab Seite 32 in diesem Heft. Auch von diesen Putztechniken finden Sie Videos auf unserem YouTube-Kanal.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Kaum ein Baustoff erlaubt eine so vielfältige
Oberflächengestaltung wie Putz

Thematisch passende Artikel:

7-8/2012

Historische Putztechniken Vom Rapp-, Besen-, Kamm- und Spritzputz bis zum Kellenwurfputz

Das Verputzen von Steinwänden hat in der Menschheit eine lange Tradition. Schon in der Antike versah man die Wände aus unterschiedlichem Baumaterial mit Kalkputzen und gestaltete die Oberfläche mit...

mehr
11/2016

Fachmesse Lehmbau auf der denkmal in Leipzig

Lehm besitzt als Baustoff eine lange Tradition. Aufgrund seiner Eigenschaften eignet er sich für eine ressourcen- und umweltschonende Bauweise, weshalb Lehmprodukte insbesondere in der Denkmalpflege...

mehr
10/2012

Das blitzt und blinkt

Zu Beginn wird der organische Modellierputz Stolit Effect mit einer Traufel etwas dicker als das Führungskorn aufgezogen, um mögliche Fehlstellen bei der nachfolgenden Strukturierung zu vermeiden....

mehr
04/2010

Einprägsamer Putz

Für Putzoberflächen gibt es jetzt eine neue Prägetechnik von Volimea, die auf alte Vorbilder zurückgreift und mit der man faszinierende Oberflächen von klassischer bis zu puristischer Anmutung...

mehr
7-8/2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Putz bot von jeher die Möglichkeit, Oberflächen gestalterisch zu bearbeiten. Alfred Bohnhagen schrieb in seinem 1913 erschienenen Standardwerk „Der Stukkateur und Gipser“ gar von „Kunstputz“ und...

mehr