Teil 9: Kunststoffuntergründe prüfen

Für eine Prüfung von Kunststoffuntergründen, ist eine vorherige Bestimmung der Art des Kunststoffes unerlässlich. Der neunte und letzte Teil der Beitragsserie beschäftigt sich mit den am Bau vorkommenden Kunststoffarten und der Prüfung von pulverlackbeschichteten Untergründen.

Für die Erkennung des Kunststoffs ist es nützlich zu wissen, welche Kunststoffarten es gibt. Allgemein sind Kunststoffe Polymere – organische Verbindungen, die in einer chemischen Verknüpfung (Polymerisation/Polyaddition/Polykondensation) ein Makromolekül (Polymer) bilden. Kunststoffe werden in die drei Hauptgruppen Plastomere (Thermoplaste), Duromere (Duroplaste) und Elastomere (Elaste) unterteilt. 

Eigenschaften und Einsatzgebiet der Kunststoffarten

Bei den Plastomeren (Thermoplaste) handelt es sich um Kunststoffe, die sich beim Erwärmen verformen. Zu den Plastomeren zählt der Kunststoff Hart-PVC (Hartes Polyvinylchlorid), der einen großen Anteil der am Bau verarbeiteten Kunststoffe in Deutschland hat. So werden unter anderem Tür- und Fensterrahmen, Verkleidungen und Dachrinnen aus Hart-PVC-Kunststoffen hergestellt. Die Duromere sind dagegen nicht schmelzbar und sehr hart, wie zum Beispiel Melaminharz. Elastomere zeichnen sich, wie ihre Name schon vermuten lässt, durch eine hohe Elastizität aus. Sie lassen eine Überarbeitung mit für den Maler üblichen Bautenfarben und -lacken in der Regel nicht zu. Beispiele für Elastomere sind elastische Dichtungsmassen oder Dichtungsprofile in Türen und Fenstern, die für Beschichtungen nicht geeignet sind.

 

Kunststoffuntergründe erkennen und prüfen

Ein Kunststoff kann nur dann sicher identifiziert werden, wenn eine Kennzeichnung (Kurzzeichen) vorhanden ist. Im BFS Merkblatt Nr. 22 sind diese Kurzzeichen mit Bedeutung aufgelistet. Ist eine solche Kennzeichnung nicht vorhanden, wird es schwierig, da die Kunststoffart mit baustellenüblichen Mitteln nicht definierbar ist. In diesen Fällen empfiehlt sich eine Nachfrage beim Bauteilhersteller, der Montagefirma oder beim Auftraggeber. Gegebenenfalls sollte man zusätzlich eine Probefläche mit dem vorgesehenen Beschichtungsaufbau zur Verfügung stellen können.

Zahlreiche Kunststoffe sind nicht für eine Beschichtung geeignet oder es kommt bei der Beschichtung zu ungewünschten Reaktionen. Hand in Hand mit der Erkennung des Kunststoffs geht es um die Prüfung des zu beschichtenden Untergrundes auf Verschmutzungen, Trennmittel, Verwitterungsprodukte und die Tragfähigkeit bereits vorhandener Beschichtungen.

Verschmutzungen lassen sich per Augenschein feststellen und können mit einem geeigneten Reiniger und Schleifvlies entfernt werden. Öle und Trennmittel dagegen werden durch das Abreiben mit einem saugfähigen Tuch beziehungsweise durch eine Benetzungsprobe mit Wasser ermittelt. Verwitterungsprodukte lassen sich durch Abreiben mit der Hand oder mit einem Tuch erkennen. Um die Tragfähigkeit vorhandener Altanstriche zu prüfen, müssen eine Kratzprobe und ein Klebebandtest durchgeführt werden. Gibt die Prüfung oder die Erkennung der Kunststoffart Anlass zu Bedenken, sollte man diese in jedem Fall beim Auftraggeber unverzüglich schriftlich geltend machen (VOB Teil B, DIN 1961 § 4 Abs. 3).

Bei der Herstellung von Kunststoffen werden in der Regel Formtrennmittel wie Silikone oder Wachse eingesetzt. Daher muss die zu beschichtende Kunststoffoberfläche zuvor grundsätzlich gründlich gereinigt und mit einem geeigneten Schleifvlies angeschliffen werden. Beim Schleifen kann es zur elektrostatischen Aufladungen des Kunststoffteils kommen. Dadurch angezogener Staub wird mit einem feuchten Tuch entfernt damit er sich nicht nachteilig auf die Beschichtung auswirken kann.

Ist das Kunststoffbauteil zur Beschichtung geeignet, sollte dies nur mit einem vom Beschichtungsstoffhersteller für diesen Kunststoff empfohlenen Beschichtungssystem erfolgen. Bei der Auswahl des passenden Beschichtungssystems spielt neben der Art des Kunststoffs auch die zu erwartende Beanspruchung eine entscheidende Rolle.

 

Pulverlackbeschichtungen

Auch bei pulverlackierten Bauteilen, wie sie etwa bei industriell beschichteten Oberflächen zu finden sind (zum Beispiel bei Tür- und Fensterzargen oder Garagentoren und Fassadenelementen), ist die Erkennung der Beschichtung der erste Schritt. Pulverlacke werden überwiegend durch elektrostatische Applikationsverfahren auf die geerdeten Bauteile aufgesprüht und verfließen unter Wärmeeinwirkung. Im BFS Merkblatt Nr. 24 „Beschichtungen auf pulverlackierten Bauteilen“ finden Sie nützliche Informationen über Bindemittelart und Applikationsverfahren.

Bei normalerweise gut überlackierbaren Pulverlacken kann durch den Gehalt wachshaltiger Additive die Haftung einer nachfolgenden Beschichtung beeinträchtigt werden. Unter Umständen sind durch Art oder Menge dieser Additive die Antihafteigenschaften des Pulverlacks so ausgeprägt, dass eine Überholungsbeschichtung nicht möglich ist. Um Anhaftungsprobleme zu vermeiden, sollte man, soweit vorhanden, die Angaben und Empfehlungen der Hersteller beachten. Es empfiehlt sich immer eine Probebeschichtung auszuführen, die nach der Aushärtung einer Kratzprobe oder einer Gitterschnittprüfung unterzogen werden kann.

Die Prüfung von pulverlackbeschichteten Untergründen erfolgt weitgehend visuell: Verschmutzungen sind per Augenschein erkennbar, Verwitterungsprodukte zeigen sich beim Abreiben mit einem Baumwolltuch. Eine Kratzprobe und anschließender Gitterschnitt geben Aufschluss über die Tragfähigkeit der Pulverbeschichtung. Die Anlösbarkeit des Pulverlacks wird mit Hilfe eines lösemittelgetränkten Lappens (Nitroverdünnung) geprüft.


Elastomere lassen sich mit üblichen Bautenfarben und -lacken in der Regel nicht überarbeiten

Kunststoffe und ihre Eigenschaften

Hier finden Sie eine tabellarische Auflistung gängiger Kunststoffe mit Informationen zur Kunststoffart (Plastomer, Duomer oder Elastomer), zu ihrer Verwendungsmöglichkeit für verschiedene Bauteile sowie ihrer Überstreichbarkeit.

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