Trockene Füße

Bei der Ausführung eines WDVS kommt es immer wieder zu ähnlichen Beanstandungen, deren Ursprung meistens im Planungsprozess liegt. Dieser Beitrag handelt von Problempunkten an unteren Abschlüssen wie Sockel, Dachrandanschlüsse sowie Terrassen und Balkone innerhalb der Fassadenfläche.

Abdichtungsaufkantungen an WDVS-Fassaden werden oft falsch, das heißt auf der Wärmedämmung und nicht auf der Rohwand geführt. Das grundsätzliche Problem solcher Konstruktionen besteht darin, dass eine Hinterläufigkeit über die Fassadenfläche unter die Abdichtungsebene besteht. Insbesondere wenn es sich um wärmegedämmte Dachbereiche handelt, kommt es bei eindringendem Wasser zu massiven Feuchtigkeitsschäden, die in den meisten Fällen nur mit einem totalen Rückbau des Dachaufbaus behoben werden können. Aufgrund des großen Schadenspotentials bedarf es einer besonderen Sorgfalt bei der Bauausführung solcher Detailpunkte.

Auch die Verwendung von Klemmschienen löst nicht das Problem der Hinterläufigkeit. Dies liegt daran, dass auf der relativ weichen Wärmedämmung (auch bei Hartschaum!) die notwendige Klemmpressung für einen dichten Anschluss im Sinne der DIN 18 195-9 nicht erreicht werden kann. Unabhängig von der fehlenden Dichtheit der verbauten Klemmleisten auf dem WDVS zeigen sich in an Eckpunkten weitere Fehlstellen, durch die Feuchtigkeit unter die Abdichtungsbahn dringen kann.

Vermeidung von Hinterläufigkeit

Um das zu vermeiden ist es notwendig, einen Abdichtungsanschluss auf der Rohbauebene (gemauerte Außenwand, Betonwand) auszuführen. Erst nach diesem Schritt kann die Montage des Dämmsystems erfolgen.

Auch wenn die Abdichtungsaufkantung im baukonstruktiven Sinne „richtig“ auf die Rohwand geführt wird, gibt es nicht selten Probleme mit den seitlichen Anschlüssen zur WDVS-Fassade.

Im dargestellten Fall wurde die Abdichtung auf die Wärmedämmung geführt. Es fehlt die Rohbauwand oder alternativ ein Winkelblech zur Aufnahme der Abdichtung. Außerdem muss ein ausreichendes Gefälle hergestellt und ein für den Sockelbereich zulässiges Fassadensystem verarbeitet werden.

In unserem Fall wurde durch die erhöhte Wasserbelastung im Sockelbereich das WDVS stark geschädigt. Die Feuchtigkeitsschäden wurden aufgrund der saugenden Wirkung des Dämmmaterials und des Putzes sowie der ungünstigen Gefälleausbildung verstärkt.

Abdichtungsebene = Rohbauebene!

In der Ausführungsplanung der Architekten wird die Abdichtungsführung in der Regel nur zweidimensional dargestellt. Da es hierbei häufig zu wenige Schnittdarstellungen gibt, können viele seitliche Anschlüsse nicht ausreichend dargestellt werden.

Zum besseren Verständnis sollte dort eine dreidimensionale Darstellungen gewählt werden, die oft mehrere zweidimensionale Schnittdarstellungen ersetzen kann. Dies vereinfacht zudem die praktische Umsetzung der Planung für die Handwerker. Es gilt der Satz: Ausführungszeichnungen sind Bauzeichnungen mit zeichnerischen Darstellungen mit allen für die Ausführung notwendigen Einzelangaben.

Im Nachfolgenden wird eine mögliche Ausführungsart der Abdichtungsführung im Sockelbereich vom WDV-System gezeigt.

Im Hinblick der vorangegangenen beschriebenen fehlerhaften Befestigung der Abdichtungsbahn mit Klemmschiene sei ergänzend erwähnt, dass in den nachfolgenden Ausführungsbeispielen die Klemmschiene mit einer Unterkonstruktion verbunden wurde, welche eine zulässige Fest-/Losflansch-Konstruktion darstellt. Das dargestellte Beispiel (oben) bietet neben der Dichtheit der Abdichtungsebene ohne mögliche Hinterläufigkeit den Vorteil, dass der spritzwasserbeanspruchte Sockel einen ausreichenden Schutz erfährt.

Im Sockelbereich muss die Abdichtungsaufkantung auf der Rohwand, das heißt unter der WDVS-Fassade, geführt werden. Alternativ: Sockeldämmung mit einem Z-Profil abdecken, damit keine Hinterläufigkeit unter der Abdichtung entsteht. Darauf kann dann das eigentliche WDVS fachgerecht angearbeitet werden.

Autor

Dipl.-Ing. Joachim Schulz ist geschäftsführender Gesellschafter der IGS Ingenieur-Gesellschaft Schulz und als Architekt, beratender Ingenieur und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK tätig. Als Lehrbeauftragter unterrichtete er an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin in den Bereichen Baustoffe/Bauchemie und Sichtbeton. Er ist europaweit als Bausachverständiger tätig.
Literaturhinweis von Joachim Schulz: Architektur der Bauschäden, Springer Vieweg Verlag, Wiesbaden.