Von der Flex zur Giraffe

Erfinder des Winkelschleifers bringen neuen Langhalsschleifer heraus

Schleifmaschinen sind die Spezialität der Firma Flex, die durch die Erfindung des Winkelschleifers bekannt wurde. Gestärkt durch einen chinesischen Mutterkonzern will das Traditionsunternehmen die Marke stärken, wachsen und neue Märkte erobern – unter anderem mit dem Langhalsschleifer Giraffe GE 5.

Was sagt man auf der Baustelle, wenn man sich nach dem Verbleib des Winkelschleifers erkundigt? „Wo ist die Flex?“ Egal welche Farbe der Trennschleifer hat oder welcher Markenname auf dem Gehäuse prangt, das Wort „Flex“ hat sich als Gattungsbegriff für die vielseitig einsetzbaren Elektrowerkzeuge etabliert – so wie „Tempo“ für Papiertaschentücher oder „Uhu“ für den Alleskleber. Seit 2006 wurde das Verb „flexen“ mit der Aufnahme in den Duden sogar ganz offiziell in den deutschen Wortschatz aufgenommen. Für die Firma Flex Elektrowerkzeuge ist diese Bekanntheit Segen und Fluch zugleich.

Denn einerseits steigert es den Wert der Marke Flex, wenn selbst Kinder diese vier Buchstaben mit einem ganz bestimmten Gerät verbinden und Handwerker Wert darauf legen, statt mit irgendeinem Winkelschleifer mit einer echten Flex zu arbeiten. Auf der anderen Seite möchte man als Hersteller, der eine Vielzahl unterschiedlicher Elektrowerkzeuge anbietet, nicht nur mit einer einzigen Produktgattung identifiziert werden. Darüber hinaus ist es auch schwieriger, sich gegen Produktpiraterie oder missbräuchliche Verwendung des Markennamens zu wehren, wenn dieser in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Erfinder des Winkelschleifers

Doch selbst wenn es auch Nachteile haben kann, einen so bekannten Markennamen zu führen, ist man bei Flex vor allem stolz darauf, Erfinder des Winkelschleifers zu sein. 1922 gründeten Hermann Ackermann und Hermann Schmitt in Stuttgart-Bad Cannstatt das gleichnamige Unternehmen, um die von ihnen erfundene Handschleifmaschine M6 herzustellen und zu vertreiben. Diese Handschleifmaschine wurde von einem Elektromotor angetrieben, der seine Kraft über eine flexible Welle an die Schleifscheibe übertrug. Das war der Ursprung des Namens „Flex“. Schon Ende der 1920er Jahre gelang es den beiden Ingenieuren, die flexible Welle durch ein Winkelgetriebe zu ersetzen und damit das noch heute angewandte Konstruktionsprinzip zu entwickeln, das auch alle anderen Hersteller benutzen. Obwohl die Zusammenführung von Antrieb und Schleifscheibe über ein Getriebe zu einem Winkelschleifer die flexible Welle überflüssig machte, entwickelte sich das Wort „Flex“ zum Synonym für diese Werkzeuggattung. Vielleicht deshalb, weil durch diese Bauart ein noch flexiblerer Einsatz des Schleifers möglich war.

Waren die ersten hochtourigen Winkelschleifer wie der legendäre DL9 noch klobige und schwere Werkzeuge mit Gehäusen aus Gusseisen, die, da sie weder über elektronische Anlaufstrombegrenzungen noch über Vorrichtungen zum Ausgleich der auftretenden Kräfte verfügten, ein kraftvolles Zupacken des Handwerkers erforderten, sind die modernen Geräte nicht nur handlicher, leichter und sicherer, sondern auch langlebiger und leistungsfähiger geworden. Außerdem wandelte der Württembergische Hersteller, dessen Zentrale seit 1984 in Steinheim an der Murr sitzt, das Konstruktionsprinzip für zahlreiche Spezialanwendungen wie Poliermaschinen, Maschinen zur Steinbearbeitung oder für Schleifanwendungen im Trockenbau ab. Darüber hinaus bietet das Unternehmen, dessen Maschinen an dem typischen roten Kunststoffgehäusen zu erkennen sind, von Sägen, Saugern, Rührern über Messtechnik bis hin zu Schraubern und Bohrern ein umfangreiches Maschinen-Programm an, das eine Vielzahl von handwerklichen Anwendungen abdeckt.

Giraffe als Zugpferd

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf spezialisierten Schleifmaschinen. Besonders stolz ist man auf die in 2014 komplett neu entwickelte „Giraffe“ GE 5/GE 5 R, ein Langhalsschleifer, der die Bearbeitung hochwertiger Oberflächen im Trockenbau erleichtert. „Das Hauptaugenmerk lag auf der Verbesserung der Ergonomie. Dazu haben wir schon im Vorfeld systematisch Handwerker befragt und diese später auch in die Praxistests einbezogen“, erläutert Flex Geschäftsführer Andreas Ditsche die Herangehensweise. Herausgekommen sei ein Produkt, das sich durch sein ein Kilogramm niedrigeres Gewicht, den Spatenhandgriff, die ausbalancierte Anordnung von Motor und Schleifkopf sowie durch zahlreiche weitere Detailverbesserungen deutlich ermüdungsfreier und flexibler einsetzen lasse, als das Vorgängermodell. Besonders erfreulich für die Geschäftsführung und die rund 250 Mitarbeiter ist, dass die 2014 vorgestellte neue Giraffe, die komplett von einem kleinen Team in Steimheim entwickelt wurde und dort auch hergestellt wird, auch wirtschaftlich ein Erfolg für Flex ist und sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Umsatzbringer gemausert hat.

Chinesischer Mutterkonzern

Dieser Erfolg ist besonders bemerkenswert vor dem Hintergrund der jüngeren Geschichte des Traditionsunternehmens, das Anfang des Jahrtausends in Schieflage geraten war. Acht Jahre lang wechselten sich in Steinheim mehrere Finanzinvestoren als Eigentümer ab, bevor 2013 mit Chervon ein strategischer Investor gefunden wurde. Das chinesische Unternehmen gehört weltweit zu den Top Ten unter den Herstellern von Elektrowerkzeugen und war mit Flex schon zuvor als Zulieferer verbunden. „Das war keine feindliche Übernahme. Im Gegenteil!“, betont Andreas Ditsche, der seit gut vier Jahren die Geschäftsführung von Flex gemeinsam mit Dr. Josef Kring innehat. Der chinesische Mutterkonzern wolle vielmehr die Marke Flex erhalten und stärken, um dadurch auf dem Markt für hochwertige Profigeräte Fuß zu fassen. Gleichzeitig erleichtere Chervon Flex den Zugang zum asiatischen Markt, helfe dabei, weltweit neue Märkte zu erschließen und finanzintensive Projekte wie den Ausbau des Akku-Sortiments zu stemmen.

Standortvorteil: motivierte Mitarbeiter

Mit der großen Konzernmutter im Rücken wird es für Flex noch leichter, die eigene Stärke als relativ kleiner und spezialisierter Hersteller auszuspielen. „Größe ist nicht immer ein Vorteil. Bei uns gibt es eine überschaubare Anzahl von Entscheidern, sehr flache Hierarchien und damit extrem schnelle innerbetriebliche Prozesse, durch die wir auf die Anforderungen des Marktes flexibel reagieren können“, erläutert Ditsche, der vor seinem Engagement bei Flex international im Projektgeschäft in der Maschinenbaubranche unterwegs war. Mit ihm hat in dem Traditionsunternehmen ein moderner Führungsstil Einzug gehalten. Das macht sich bemerkbar an Äußerlichkeiten wie dem Verzicht auf Anzug und Schlips und den offen stehenden Türen auf der Chefetage, aber auch bei der Arbeitsorganisation. „Der Mensch ist doch kein Esel, der der Möhre hinterherläuft, die man ihm vors Gesicht hält. Daher messen wir unsere Mitarbeiter auch nicht mehr an der Ausbringungsmenge“, skizziert Ditsche eine wesentliche Änderung in der Produktion. Stattdessen habe man die Mitarbeiter in die Organisation ihrer Arbeitsabläufe eingebunden, was sich nicht nur positiv auf deren Zufriedenheit ausgewirkt, sondern auch das Ergebnis verbessert habe. „Wir üben weniger Druck und Kontrolle aus und haben deshalb aber keine sinkenden Stückzahlen, sondern sogar steigende und weniger Ausschuss“. Qualifizierte, motivierte und mitdenkende Mitarbeiter seien eine große Stärke und ein entscheidender Standortvorteil von Flex. Firmeninterne Sport-, Freizeit-, und Weiterbildungsangebote sowie ein lockerer Umgangston tragen zusätzlich dazu bei, die Identifikation mit dem Unternehmen und den eigenen Produkten zu stärken. Unter diesen Voraussetzungen erscheint die von Andreas Ditsche ausgegebene Strategie für die Zukunft durchaus realistisch: „Wir wollen deutlich wachsen und dabei mehr als 30 Prozent unseres Umsatz mit neuen Produkten erwirtschaften!“

Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach + holzbau.

Von Thomas Schwarzmann

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