Wachs als Wärmespeicher

Klimaputz mit Latenwärmespeicher aus gekapseltem Parafin

Bei sommerlicher Hitze ist nicht zwangsläufig die Anschaffung einer Klimaanlage erforderlich. Klimaputze bieten eine energieschonende Alternative, die unseren gewachsenen Ansprüchen an Wohnkomfort entsprechen: Keine überhitzten Räume im Sommer und im Winter wohlig warm.

Die Voraussetzungen für eine konstant angenehme Raumtemperatur lassen sich im Neubau bereits bei der Gebäudekonzeption schaffen. Ansatzpunkte sind die Lage des Hauses, Verschattungseinrichtungen oder Low-E-Gläser. Ebenfalls sehr effektiv – sowohl im Neubau als auch in der Sanierung – ist ein Wärmedämmverbundsystem in Verbindung mit einem wärmespeichernden Innenputz, einem so genannten Klimaputz.


Mauerwerk als Wärmespeicher

Grundsätzlich gilt: Je massiver eine Gebäudehülle ist, desto größer ist das Wärmespeichervermögen. Ein schwerer Baukörper ist also ein ausgezeichneter Wärmespeicher, der kurzfristige Klimaschwankungen der Umgebung im Rauminnern kompensiert. Dagegen heizen sich Gebäude in moderner Leichtbauweise wegen der geringeren Masse des Mauerwerks im Sommer schneller auf und kühlen im Winter schneller ab. Ein auf der Fassade aufgebrachtes WDVS erhöht die Masse der Wand und trägt so zu einem besseren Schutz vor Kälte im Winter und Hitze im Sommer bei. Dazu sorgt neben der Heizung immer häufiger eine Klimaanlage für eine über das Jahr hinweg relativ konstante Raumtemperatur.

Gerade Klimaanlagen verbrauchen allerdings im Betrieb viel Energie und sind daher auf lange Sicht eine teure Alternative. Weitaus energieschonender ist demgegenüber der Einsatz eines Klimaputzes. Durch seine temperaturregulierende Wirkung hält er selbst im Hochsommer die Temperaturen lange auf einem erträglichen Niveau und sorgt somit für eine deutliche Steigerung der Wohnqualität bei gleichzeitiger Energieeinsparung.


Putz mit klimaregulierender Wirkung

Saint-Gobain Weber hat vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Bauphysik den Klimaputz weber.mur clima in den Varianten 23 und 26 entwickelt. Es handelt sich dabei um einen Gips-Maschinenputz mit integriertem Wärmespeicher. Als Wärmespeicher fungieren Phasenwechselmaterialien, auch PCM (für phase change material) genannt. Der Klimaputz nutzt mikroverkapseltes Paraffin (Wachs) als PCM. Dieses Material schmilzt bei 23 bis 26 °C und nimmt dabei größere Mengen an Wärme aus dem Raum auf. Da dieser Vorgang keine fühlbaren Temperaturänderungen im Putz zur Folge hat, spricht man auch von „latenter Wärme“. Der latente Wärmespeicher ist erschöpft, wenn sämtliches Material in den PCM-Kapseln geschmolzen ist.

Ein solcher Klimaputz kann – je nach der gewählten Produktvariante – im Temperaturbereich über 23 beziehungsweise über 26 °C rund 4,5 Mal mehr Wärme aufnehmen als Gips oder herkömmliche Putze. Zum Vergleich: Eine 1,5 cm dicke Klimaputzschicht entspricht etwa der thermischen Masse einer 7 cm dicken Gipsdielenwand. Damit der Klimaputz seine Wirkung jeden Tag entfalten kann, muss er sich während der kühlen Nachtstunden entladen. Dann gibt das Paraffin seine gespeicherte Wärme wieder ab und erhärtet dabei erneut. Dafür sollten die Räume ausreichend belüftet sein.


Raumdecke am besten geeignet

Ein Klimaputz wie weber.mur clima 23/26 eignet sich als Grundputz in allen Räumen. Er darf auch in häuslichen Küchen und Bädern gemäß DIN V 18550 eingesetzt werden. Ausgenommen sind lediglich gewerbliche Nassräume. Da Wärme grundsätzlich nach oben steigt, ist die Raumdecke als Auftragsfläche ideal. Sollte dies – beispielsweise wegen einer Deckenvertäfelung – nicht möglich sein, können auch die Wände genutzt werden. Allerdings muss man in solchen Fällen darauf achten, dass die Putzflächen nicht durch Möbel verstellt werden.


Einfache Handhabung

Bezüglich der Verarbeitung ist der Weber Klimaputz mit einem herkömmlichen Gipsputz vergleichbar. Der Putzgrund muss sauber und tragfähig sein; Betonuntergründe werden vor Auftrag des Klimaputzes mit einem Gipshaftgrund vorbehandelt. Stark saugende Untergründe wie Porenbeton oder Kalksandstein muss der Handwerker zuvor mit einer passenden Gipsaufbrennsperre versehen.

Der Klimaputz lässt sich sowohl maschinell als auch von Hand verarbeiten. Beim Auftragen sollte man eine Mindestputzdicke von 15 mm nicht unterschreiten. Anschließend wird der Putz mit der Putzlatte plan verzogen. Um den Wärmeübergang von der Raumluft zum Klimaputz sicherzustellen, sollte der Handwerker das Oberflächenfinish in höchstens 5 mm Dicke mit einer entsprechenden Beschichtung ausführen. Silikatfarben oder -putze sind hierfür ungeeignet. Optimal ist eine Putzglätte, mit der der nachgezogene Grundputz porenfüllend oder deckend bis 3 mm Dicke vorgeglättet wird. Nach Verfestigung und vor der Trocknung werden die Oberflächen mit frisch angemischter Putzglätte abgestuckt.


Augenmerk auf den Brandschutz

Aufgrund des integrierten Phasenwechselmaterials ist der Anteil organischer Bestandteile bei einem Klimaputz relativ hoch. Daher werden Klimaputze mit einem PCM-Gehalt von über 13 Prozent in die Baustoffklasse B2 eingruppiert. Allerdings lässt sich das Brandverhalten durch eine zusätzliche feuerhemmende Beschichtung deutlich verbessern. So kann auch bei Verwendung eines Klimaputzes mit höherem PCM-Gehalt die Baustoffklasse B1 erreicht werden, wie Prüfungen durch das Otto-Graf-Institut der Universität Stuttgart belegen.

Ganzheitliches Gebäudekonzept ohne Klimaanage

Durch die Verarbeitung moderner Putze wie zum Beispiel Klimaputz kann man mit einem ganzheitlichen Gebäudekonzept auch ohne Klimaanlage im Sommer ein dauerhaft angenehmes Raumklima erzielen. Eine Kombination von Klimaputz und WDV-System ist dabei eine ausgezeichnete Basis, die dem Gebäude einen optimalen Wärme- und Kälteschutz verleiht. Zudem ist es sinnvoll, schon in der Planung ein qualifiziertes Ingenieurbüro mit einzubeziehen. So können mit Hilfe von Simulations-Software die Möglichkeiten der Klimaregulierung – wie zum Beispiel Verschattungsvarianten oder vorhandene und notwendige Wärmespeicherkapazitäten – durchgespielt werden, um schließlich die für den Bauherrn sinnvollste Lösung herauszuarbeiten.

Autor
Georg Kolbe ist Leiter des Produktmarketings für Fassade und Wand bei der Saint-Gobain Weber GmbH in Düsseldorf.

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