Dämmung folgt der Dachform

Das Zollingerdach hat im Grunde genommen einen idealen Stuhl: Es kommt ohne Balken und Stützen aus – bietet also viel Platz – und benötigt nur die Hälfte Bauholz im Vergleich zu anderen Dachstühlen. Der Nachteil: Dieses Dach ist rund und alle Schichten inklusive der Dämmung müssen – wie bei der Rekonstruktion in Schwerin – der Form folgen.

1986 zog eine junge Familie zunächst zur Miete in ein kleines Reihenendhaus wenige Gehminuten entfernt vom Schweriner Stadtzentrum nahe dem Ziegelsee. Auf einem rund 500 m2 großen Gartengrundstück waren dort 1920 drei Reihenhäuser entstanden. Vor einigen Jahren entschloss die Familie sich zunächst, vom Mieter zum Eigentümer zu werden und erwarb ihr bisheriges Mietobjekt, vor Kurzem dann auch das angrenzende Mittelhaus der Reihe. Im Zuge einer energetischen Modernisierung beider Gebäude sollte das die Häuser überspannende Zollingerdach durchgängig rekonstruiert und nach zeitgemäßen Maßstäben wärmegedämmt werden.

Die gewölbte Dachform bietet viel Raum

Das so genannte Zollingerdach erfreute sich vor allem in den 1920er Jahren großer Beliebtheit, da es kostengünstig zu erstellen war. Dabei handelt es sich um eine Konstruktion, die zunächst optisch erheblich von normalen Dachstühlen abweicht. Die Zollinger-Konstruktion wird zumeist als Kreisausschnitt (Tonnendach) von der Traufe zum First ausgebildet. Durch die Biegung der Dachflächen wird erreicht, dass der First keine Unterstützung durch separate Stützen benötigt. Dadurch kann der Dachraum freier gestaltet werden. Gegenüber dem klassischen Satteldach bietet das Zollingerdach einige Vorteile: Die gewölbte Außenform des Daches und der – auf Wunsch – mögliche Verzicht auf Balken und Stützen lässt eine bessere Raumnutzung zu. Die notwendige Menge Holz für den Dachstuhl verringert sich um über 40 Prozent. Wegen der segmentweisen Aneinanderreihung kurzer Holzstücke wird auch der Bedarf an langen Bohlen verringert.

Neuer Dachstuhl aus Bogenleimbindern mit Kehlbalken

In Schwerin entsprach jedoch leider die 1925 gewählte geringe Dicke der verarbeiteten Bretter sowie die Qualität der Verbinder nicht mehr den Anforderungen der modernen Statik. Das Dach war im Laufe seines langen Lebens nach innen eingesackt, blieb aber in sich stabil. Entsprechend verband man den Wunsch der Bauherren nach niedrigeren Energiekosten durch eine zeitgemäße Dämmung mit einer kompletten Rekonstruktion der originalen Dachgeometrie. Die Dachfläche beträgt insgesamt rund 160 m2.

Die von der Holz- und Dachbau Schuh GmbH aus Lützow erdachte Konstruktion besteht aus Bogenleimbindern mit Kehlbalken und erhielt eine komplett neue Holzverschalung aus lasierten Brettern sowie eine 160 mm dicke Steinwolle-Aufsparrendämmung. Zu diesem Zweck wurde in einem ersten Arbeitsschritt zunächst die Dampfbremse Rockfol DA von Rockwool auf der Holzschalung verlegt. Diese schützt die Konstruktion auch während der Bauphase vor Feuchteeinwirkungen und ermöglicht dank ihrer Begehbarkeit und der 30 mm breiten Selbstklebestreifen einen raschen Baufortschritt.

Zusätzliches Tageslicht dank größerer Gauben

Um die Nutzung des neuen großzügigen Dachstudios über dem linken und mittleren Gebäudeteil attraktiver zu machen, wurden auf der straßenabgewandten Seite zwei vorhandene Gauben vergrößert. Der Anschluss der Dampfbremse an die Gauben erfolgte mit Hilfe eines Dichtklebebandes. In einem zweiten Schritt wurden die Aufsparrendämmplatten mit der Wärmeleitfähigkeit λ = 0,035 W/mK doppellagig (2 x 80 mm) verlegt. Um der gebogenen Dachform auch mit der Dämmung folgen und so nahezu wärmebrückenfrei arbeiten zu können, wurden die Platten vom Hersteller in einem schmalen Sonderformat (Masterrock in 2000 x 300 mm) geliefert. Aus dem gleichen Grund wählte das Dachdecker-Team um Harald Schuh auch eine den baulichen Gegebenheiten entsprechende doppellagige Konterlattung: Sie konnte – nach der losen Verlegung der Unterspannbahn auf den Dämmplatten – gebogen und der Form des Zollingerdachs angepasst werden. Anschließend wurde die Konstruktion mit Doppelgewindeschrauben (360 mm) im Abstand von je 50 cm mechanisch befestigt. Die Dachoberlage besteht aus trocken verlegten, geklammerten Tonpfannen.

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