Große Formate auf Trockenestrich

Die Verlegung großformatiger Fliesen und Platten stellt besonders hohe Anforderungen an die Qualität des Untergrundes. Auf Trockenestrichen hatte dies bisher eine Größenbeschränkung zur Folge. Sopro und Fermacell haben gemeinsam Lösungsansätze für die sichere Verlegung von Großformaten entwickelt.

Trockenestriche werden – wie der Name schon sagt – trocken eingebaut und tragen systembedingt keine Baufeuchte in das Gebäude ein. Sie können vom Fliesenleger nahezu unmittelbar nach dem Einbau belegt werden, somit entstehen keine längeren Wartezeiten infolge von Trocknung oder Aushärtung. Die Festigkeit kann zielsicher garantiert werden, da es keine Einflüsse aus Anmischen, Verdichten oder Ähnlichem gibt. Zudem weisen sie eine geringere Aufbauhöhe auf und sind in der Regel auch deutlich leichter als Nassestriche, was speziell beim Bauen im Bestand, zum Beispiel auf  Holzbalkendecken, zu einem bedeutenden Faktor werden kann.

Neue Lösungsansätze entwickelt

Bei dem nachfolgend beschriebenen Aufbau haben die Trockenestriche – basierend auf den 30 mm dicken Fermacell Estrich-Elementen mit Holzweichfaserplatte einschließlich einer 10 mm dicken Fermacell Gipsfaserplatte als dritte Lage – ein Flächengewicht von knapp 37 kg/m². Ein üblicher Zementestrich von 5 cm Dicke bringt es da schon auf rund 110 kg/m², also gut 70 kg/m² mehr. In Zusammenarbeit haben die Unternehmen Fermacell und Sopro im Rahmen umfangreicher Untersuchungen und Versuche spezielle Lösungen zur Verlegung von keramischen Großformaten auf Trockenestrichen entwickelt. Hierbei wurden zwei Ansätze näher verfolgt und zusammengeführt: Zum Einen wurde der Trockenestrich zusätzlich ausgesteift, um dessen Formstabilität weiter zu erhöhen. Zum Anderen wurde ein hochflexibles, zementäres Klebersystem gewählt, das auftretende Restspannungen zwischen Oberbelag und Trockenestrich zielsicher kompensieren kann.

Einschränkung bei der Plattendicke

Grundsätzlich muss man bei Flächen mit Wohnraumcharakter nur eine Einschränkung beachten: Die Feinsteinzeugkeramik muss mindestens eine Dicke von 9 mm aufweisen. Kantenlängen oder ähnliches spielen keine Rolle. Holzoptikkeramik vom Format 120 cm auf 15 cm oder massive Platten vom Format 180 cm auf 120 cm sind kein Problem, der beschriebene Aufbau ist dafür bestens geeignet. Dabei kann die Verlegung durchaus auch im Verband erfolgen.

Auch dort, wo die Belastungen über die übliche Wohnnutzung hinausgehen, wie beispielsweise bei Büroflächen, kann noch mit Keramiken mit einer Kantenlänge von bis zu 120 cm gearbeitet werden. Und das auch hier gerne im Verband. Sollte Bedarf an der Verlegung größerer Keramiken bestehen, kann hier durch die jeweiligen technischen Abteilungen der beiden Unternehmen eine individuelle Beratung erfolgen, um entsprechende weitere Möglichkeiten zu sondieren. Auch bei der Verwendung von Natursteinbelägen ist die Verlegung im Großformat auf  Fermacell Trockenestrichen möglich. Vor dem Hintergrund der individuellen Charakteristika unterschiedlicher Natursteine, ist hier jedoch stets eine objektspezifische Beratung erforderlich.

Bewegungsfugen unverzichtbar

Speziell bei der Verwendung von Großformaten im Verband ist es häufig Wunsch der Bauherren, auf die Anordnung von geradlinig durchlaufenden Bewegungsfugen zu verzichten. Dieser Wunsch läuft leider konträr zu den bauphysikalischen Notwendigkeiten. Innerhalb einer Bewegungsfuge können Spannungen abgebaut werden, die beispielsweise aus thermischen oder klimatischen Schwankungen, aus Bauteilbewegungen oder aus unterschiedlichen materialspezifischen Eigenschaften resultieren können.

Bewegungsfugen müssen dabei deckungsgleich in Oberbelag und Unterbau angelegt werden. Einzelne Felder dürfen maximal 64 m² groß sein, bei Feldlängen von maximal 8 m.

Sachgerechte Untergrundvorbereitung

Wichtigste Voraussetzung für die Verlegung von kera­mischen Großformaten auf Trockenestrichen ist ein Untergrund, der ein vollflächiges Aufliegen der Fermacell Trockenestrich-Elemente sicherstellt. Das heißt, die Rohdecke muss über eine ausreichende Biege­steifigkeit verfügen. Ideal sind Massivdecken beziehungsweise Brettstapeldecken. Bei Holzdecken muss eine Begrenzung der Durchbiegung der Deckenbalken und der oberen, tragenden Beplankung auf maximal L/500 gegeben sein.

Unebenheiten im Untergrund müssen ausgeglichen werden. Hier bieten sich mehrere Möglichkeiten an:

Die Verwendung der gebundenen Schüttung von Fermacell zum Ausgleich von Unebenheiten bis zu einer Schütthöhe von 2000 mm.
Eine Ebenheitsspachtelung mit einer fließfähigen Bodenausgleichsmasse wie „Sopro FS 15 plus 550“ oder der Fermacell Boden-Nivelliermasse.
Ungebundene Schüttungen können die notwendige Stabilität nicht sicherstellen, sind daher nicht geeignet.

Der stabile Trockenestrich

Geeignet für die Belegung mit großformatigen Platten in unbeschränkter Größe sind die Fermacell Gipsfaser-Estrich-Elemente ohne Dämmstoff beziehungsweise mit unterseitig kaschierter 10 mm Holzweichfaserplatte sowie der zementbasierte Trockenestrich „Power­panel TE“. Zur Erhöhung der Steifigkeit der Tragschicht wird zusätzlich eine dritte Lage Gipsfaserplatten in 10 mm Dicke auf den Gipsfaser-Estrich-Elementen verklebt und verschraubt oder verklammert. Im Fall der Verwendung von „Powerpanel TE“ wird als dritte Lage eine „Powerpanel H2O Platte“ in 12,5 mm Dicke eingesetzt.

Grundierung

Grundiert wird der Trockenestrich vor der Verlegung der keramischen Fliesen mit „Sopro MultiGrund MGR 637“. Dies verhindert zielsicher, dass Anmachwasser aus dem Kleberbett in die Oberfläche der Trockenestrichelemente einzieht. Speziell bei großformatigen Feinsteinzeugplatten besteht die Problematik, dass überschüssiges Anmachwasser aus dem Fliesenkleber nur sehr langsam abtrocknen kann. Um keine negativen Effekte hervor zu rufen, ist es unbedingt notwendig, mit der beschriebenen Grundierung ein Eindringen dieses Anmachwassers in den Untergrund zu vermeiden.

Die besondere Herausforderung des Großformats

Flächen mit großformatigen Fliesen besitzen im Vergleich zu Flächen mit kleinformatigen Belägen ein deutlich geringeres Potential zum Spannungsabbau. Entscheidend hierfür ist der geringere Fugenanteil. Einerseits ist ein Fugenmörtel weicher als eine Keramikplatte, andererseits erlauben Mikrorisse im Fugenmörtel ein Bewegungsverhalten des Belags. Reduziert sich aber der Fugenanteil durch die Wahl eines Großformats, reduziert sich in der Folge auch das Potential zum Spannungsabbau. Andere Belagskomponenten müssen nun dieses Potential aufbauen. Besonderes Bedeutung kommt hier dem Fliesenkleber zu. „Sopro MG-Flex MicroGum Flexkleber S2 MG 669“ und „megaFlex S2 MEG 665“ sind zementäre Kleberprodukte, die auf höchste Flexibilität ausgerichtet wurden. Es handelt sich bei beiden Produkten um zementäre Kleber, die nach DIN EN 12 004 in die höchste Flexibilitätsklasse S2 eingestuft werden.

Bei Großformatplatten erfolgt die Verarbeitung des Fliesenklebers immer im kombinierten Verfahren, das heißt, sowohl der Verlegeuntergrund als auch die Fliesenrückseite werden im Kammbett mit dem Kleber bestrichen. Ziel ist eine möglichst vollflächige Bettung. Vorteilhaft ist es, die Kammzahnung auf  dem Untergrund und der Fliese parallel herzustellen.

Besondere Vorteile bieten die schnellen Versionen der beiden Kleber, der „megaFlex S2 turbo MEG 666“ und „MG-Flex MicroGum Flexkleber S2 schnell MG 679“, da sie aufgrund der schnellen Rezeptureinstellung deutlich früher belastbar und früher nutzbar sind. In diesem Rahmen muss bedacht werden, dass Fliesenkleber unterhalb großformatiger Feinsteinzeugfliesen langsamer abtrocknen. Sie entwickeln daher auch deutlich langsamer ihre übliche Festigkeitsstruktur. Diesem Vorgang wird durch die Verwendung der Schnellkleber zielsicher entgegengesteuert.

Der richtige Fugenmörtel

Bei der „Sopro DF 10 DesignFuge Flex“ handelt es sich um einen universell einsetzbaren Fugenmörtel der neuesten Generation. Neben seiner hochwertigen Optik zeichnet er sich durch seine guten Flexeigenschaften aus. Diese bieten nochmals zusätzliches Potential zur Spannungsreduktion.

Autor
Thomas-Ken Ziegler ist Gruppenleiter der Anwendungstechnik bei der Sopro Bauchemie GmbH in Wiesbaden.

Web-Service

Zulässige Fliesenformate auf fermacell Estrich-Elementen im Wohnbereich

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