Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der geschichtliche und gesellschaftliche Wandel bringt auch für unseren Gebäudebestand erhebliche Veränderungen mit sich. Schwierig wird die damit verbundene Umnutzung von Bauten meist dann, wenn diese ursprünglich nicht für den Aufenthalt von Menschen erbaut wurden, sondern wie die Schuppen und Speicher der Bremer Überseestadt zur Lagerung von Stückgut gedacht waren. Nachdem 1999 die industrielle Lagernutzung dort in großen Teilen zu Ende war, hat sich durch eine Investition seitens der Stadt von rund 300 Millionen Euro in die Infrastruktur der Überseestadt, die über 1 Milliarde Euro an privaten Investitionen nach sich zog, die Zahl der dortigen Arbeitsplätze nicht etwa halbiert, sondern von einst 6000 auf 12 000 verdoppelt. Fünfzehn der ursprünglich für die Hafennutzung erbauten Gebäude konnte das Amt für Denkmalpflege unter Schutz stellen. Einige davon haben eine neue Funktion. Wie ab Seite 8 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen, haben wir auf der diesjährigen Pressereise des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz Ende April einige davon besichtigt. Darunter der Ende der 1950er erbaute Schuppen 1, dem wir ab Seite 12 in diesem Heft in aller Ausführlichkeit einen eigenen Beitrag widmen.

Aber auch militärische Veränderungen, wie der Abzug der alliierten Streitkräfte aus Deutschland, bedeuten für die zurückgelassenen Kasernen erhebliche Veränderungen. Nicht selten schon in den 1930er Jahren erbaut, wurden sie von den Siegermächten einfach übernommen. So auch die 1936 an der heutigen Berliner Clayallee als Luftgaukommando erbaute Verwaltungs- und Kasernenanlage, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Hauptquartier der US-Armee wurde. Ein Ort von geschichtlicher Bedeutung, den John F. Kennedy besuchte und von dem aus Lucius D. Clay die „Luftbrücke“ organisierte, die West-Berlin mit Nahrung versorgte. „Die Anlage ist bei den Berlinern stark mit positiver Bedeutung aufgeladen“, meint Klaus Meier-Hartmann, der mit seinem Büro KMH Architekten im Auftrag von „The Metropolitan Gardens“ für das Sanierungskonzept und die Umnutzungsplanung einzelner Häuser zuständig ist – ein Prozess, der zurzeit noch in vollem Gange ist. Wir haben uns Mitte August Haus 1, in dem die Umbauarbeiten abgeschlossen sind, und Haus 2, das zurzeit noch Baustelle ist, gemeinsam mit Bernhard Sixtus vom Büro KMH Architekten angesehen und berichten in dieser Ausgabe der bauhandwerk ab Seite 22 ausführlich von der Umwandlung der einstigen Verwaltungs- und Kasernenbauten in exklusive Wohnungen.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Der geschichtliche und gesellschaftliche Wandel bringt auch für unseren Gebäudebestand erhebliche Veränderungen mit sich

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