Vom Abstellgleis geholt
Denkmalgeschütztes Bahnhofsensemble mit Innendämmung und WDVS saniert

Als das Architekturbüro WW+ mit der Planung zur Umwandlung des alten Bahnhofs im saarländischen Wadern-Dagstuhl beauftragt wurde, lag bereits eine Abrissgenehmigung für das denkmalgeschütz­te Gebäude vor. Bis auf einen statisch unzureichenden Seitenflügel konnte das Ensemble jedoch erhalten werden.

Als die neue Eigentümerin des Bahnhofs, die Kinder- und Jugendhilfe St. Maria Weiskirchen, im Jahr 2009 die Genehmigung zum Umbau erhielt, standen der denkmalgeschützte, 1897 errichtete und in den 1950er Jahren erweiterte Bau sowie das zugehörige Vorsteherhaus bereits jahrelang leer. Nicht zuletzt deshalb, weil es lange an passenden Ideen mangelte, wie die Denkmalschutzauflagen mit einer energetischen Sanierung in Einklang gebracht werden könnten. Als das Architekturbüro WW+ mögliche Lösungen durchspielte, hatte man zwar bereits Kenntnis vom natürlichen Innendämmsys­tem TecTem Insulation Board Indoor, aber noch keinerlei Erfahrung mit dem neuen Material des Herstellers Knauf Perlite.

Systemeinweiser Dieter Ullrich erinnert sich noch gut an die Skepsis, mit der die Planer von WW+ dem gerade neu eingeführten Dämmsystem begegneten. Nicht ohne Grund gelten Innendämmungen wegen des Bauschadenrisikos durch eingeschlossenes Kondenswasser bis heute als Sanierungsvariante, die besonderer Sorgfalt bedarf. Nach wie vor kommen innen Polystyrolplatten in Kombination mit Gipskarton zur Anwendung, oder es werden Vorsatzschalen mit Dampfsperren montiert, die dauerhaft empfindlich sind gegenüber mechanischen Beschädi­gungen. Um das Risiko von Bauschäden durch nicht abgeführtes Kondenswasser zu begrenzen, galt lange die Devise, Innendämmungen nicht dicker als 40 bis 50 mm auszulegen. Knauf Perlite hingegen warb für ein Innendämmsystem mit Dicken von 50 bis 200 mm.   

 

Kombilösung aus WDVS und Innendämmung

Vom TecTem-System versprachen sich die Architekten dank sehr guter thermischer Kennwerte eine wirksame Reduzierung von Wärmeverlusten. Zudem haben die aus vulkanischem Glas (Perlite) hergestellten Dämmplatten die Eigenschaft, auftretendes Kondenswasser aufzunehmen und zeitverzögert wieder abzugeben; mögliche Feuchtespitzen werden auf diese Weise zuverlässig abgepuffert. Gleichzeitig wird aufgrund des durchgängig diffusionsoffenen, kapillaraktiven Systems das Risiko von Bauschäden erheblich reduziert. Hinzu kommt, dass TecTem mit dem alkalischen pH-Wert 10 weitestgehend unempfindlich ist gegen Schimmelpilzbildung.

Planer Lothar Gillenberg fragte daher beim Hersteller eine Wärmedurchgangs­berechnung an. Die mit dem COND-Programm des Instituts für Bauklimatik der TU Dresden durchgeführte Berechnung kam zu dem Ergebnis, dass sich in der konkreten Situation bereits mit einer 80 mm dicken TecTem-Beplankung ein feuchtigkeitsunabhängiger U‑Wert von 0,427 W/m2K erzielen ließe. So entschied man sich für eine Kombinationslösung: Die Hauptfassade des alten Bahnhofs zur Straße hin sowie das ehemalige Wohnhaus sollten mit der Innendämmung ausgestattet werden; die neueren Abschnitte des Bahnhofs sowie die Rückseite würden mit einem konventio­nellen WDVS versehen werden.

 

Sanierung von Grund auf

Der erste Bauabschnitt am alten Bahnhof beinhaltete die Sanierung, den Umbau sowie den teilweisen Neubau des Gebäudes entsprechend seiner künftigen Nutzung als Kinderkrippe. Aus statischen Gründen wurde der östliche Anbau durch einen Neubau mit Flachdach ersetzt. Instandgesetzt und baulich angepasst wurde auch der in den 1950er Jahren errichtete Westflügel, eine mit einem Flachdach versehene Betonkonstruktion. Bauabschnitt Zwei umfasste die Sanierung und den Umbau des ehemaligen Wohnhauses des Bahnhofs­vorstehers. In diesem Gebäude befindet sich heute das Familienzentrum der Kinder- und Jugendhilfe.

Zu Beginn wurde das Bahnhofsgebäude vollständig entkernt und gesäubert. Von der ursprünglichen Substanz erhalten werden konnten die Außenwände, die Kellerdecken und das Stahlbetondach der Bahnhofshalle. Das Satteldach wurde neu aufgebaut; der Bahnhof bekam neue isolierverglaste Kunststofffenster, zur Straße hin in Schallschutzausführung. Innen brachten die Handwerker auf die von sämtlichen Altputzen befreiten Wände Vorspritz-Mörtel sowie einen Grund- und einen Egalisierungsputz auf. Die zur Straße hin gelegene Außenwand wurde mit einer 80 mm dicken Schicht TecTem Insulation Board Indoor gedämmt.

 

Vorbereitungen zur Innendämmung

Besonderes Augenmerk richtete der leitende Stuckateurmeister Walter Stephany auf die normgerechte, gleichmäßig ebene Vorbereitung des Untergrunds. Nach vollständiger Durchtrocknung des Ausgleichsputzes wurden die TecTem-Platten mit dem systemeigenen diffusionsoffenen Klebe­spachtel an Wänden und Laibungen befestigt – waagerecht, im Verbund, mit mindestens 20 cm Versatz. Die Ecken an den Fensterlaibungen wurden verzahnt ausgeführt, in den Laibungen kamen die 25 mm dicken Laibungsplatten zum Einsatz. Um eine gleichmäßig ebene Oberfläche zu erzielen, egalisierten die Handwerker Versatzstellen nach der Verlegung mit dem Schleifbrett und schlossen Fugen von mehr als 2 mm Breite mit speziellem Füllmörtel. Nach vollständiger Trocknung einer Grundierung wurde in zwei Arbeitsschritten gewebearmierter Flächenspachtel appliziert und geglättet (Einbettung des TecTem Gewebes im oberen Drittel der Armierungsschicht; Verlegungt in Bahnen mit 10 cm Überlappung in den Stoßbereichen).

 

Natürliche Werkstoffe, moderne Technik

Die Bevorzugung natürlicher, umweltfreundlicher und das Wohlbefinden fördernder Werkstoffe und Technologien kommt in verschiedenen weiteren Details zum Ausdruck: Innen in der Verwendung von Hochkant-Lammellenparkett und Kautschuk für die Bodenbeläge, außen in der Holzterrasse und in den aus naturbelassenem Holz hergestellten Spielgeräten. Beheizt wird das Gebäude über eine moderne Gastherme.

 

Sanierung des Vorsteherhauses

Parallel zum Umbau des Bahnhofs begann im Juni 2010 die Sanierung des ehemaligen Vorsteherhauses. Im Ober- und Dachgeschoss des Backsteinbaus ist die Verwaltung der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht.

Nach Entkernung und Säuberung des Gebäudes erfolgte auch hier zunächst der Neuaufbau eines isolierten Satteldaches. Im Gegensatz zum kalt gelassenen Dach des Bahnhofs wurde hier die oberste Zwischendecke gedämmt. Zudem wurden isolierverglaste Kunststofffenster eingebaut. Anschließend begann die Innensanierung mit dem Auftrag des Vorspritzmörtels, des Grund- und des Ausgleichsputzes.

Sämtliche Außenwände wurden mit der Innendämmung TecTem Insulation Board Indoor ausgestattet. Eine Besonderheit bestand in der Anbringung umlaufender Kabelkanäle in fast allen Räumen des Vorsteherhauses. Um die Stabilität der auf Höhe der Fensterbänke verlegten Kanäle zu gewährleisten, wurden diese nach der Dämmplatten-Montage wie geplant mit langen Schrauben beziehungsweise Gewindestangen im tragenden Mauerwerk verankert.


Autorin

Dipl.-Ing. Architektin Andrea Grond ist verantwortliche Produktmanagerin mit dem Schwerpunkt technische Beratung von Architekten und Handwerkern bei der Firma Knauf Perlite in Dortmund.

Innendämmplatten aus Perlite nehmen Kondenswasser auf und geben es zeitverzögert wieder ab

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