Vor dem Verfall bewahrt: Sanierung der Villa Schröder in Leipzig

Die Leziger „Villa Schröder“ wurde von 1881 bis 1883 für den Fabrikanten M. A. Schröder erbaut. Die Fassade bestipeht komplett aus Sandstein. Jeder Raum war vom Leipziger Architekten Carl Weichardt aufwendig gestaltet worden – mit Kassettendecken, Wandvertäfelungen, Stuckdecken sowie Treppenhausbemalungen.

Das Stadtpalais ist ein bedeutendes Zeugnis aus der Zeit des Historismus und wurde im Laufe der Zeit von unterschiedlichen Mietern genutzt, unter anderem vom Verlag Kiepenheuer & Witsch. Ab 1992 jedoch stand sie leer. Vor einigen Jahren landete die Villa schließlich ganz oben auf der Liste des Häuser-Rettungsprogramms der Stadt Leipzig. Zu DDR-Zeiten waren an diesem Gebäude nur notdürftige Reparaturen vorgenommen worden. Durch den langen Leerstand und nicht ausgeführte notwendige Sanierungsarbeiten wurden die Schäden besonders am Dach und an der Fassade immer gravierender. Zu diesem Umstand kam im Jahre 2005 noch eine Brandstiftung, bei der die gesamte Dachkonstruktion und Teile der Fassade erheblich geschädigt wurden. Aus einem Gebäudesicherungsfond wurden daraufhin fast 400 000 Euro für die Sicherung der Villa zur Verfügung gestellt. Ein Notdach schützte fortan die Ruine. Wertvolle Sandsteinteile der Fassade wurden geborgen und auf dem Hof unter einem Wellblechdach eingelagert. 2009 erwarb schließlich der Bauträger KSW GmbH das Gebäude und begann im darauffolgenden Jahr mit der Sanierung, die eine neue Aufteilung in drei Maisonettwohnungen und Büroflächen vorsah.

Prachtbau des Historismus in desolatem Zustand

Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Gebäude einschließlich des Kutscherhauses in einem sehr schlechten baulichen Zustand: Die Fenster und Eingangstüren waren nicht mehr erhaltungsfähig; die Sandsteinfassade war durch Witterungs- und Umwelteinflüsse erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine Vielzahl von Gesimsen und Fensterbrüstungen waren nicht mehr vorhanden, andere Teile der aufwendig gestalteten Fassade fehlten ebenfalls oder drohten abzustürzen. Deshalb musste ein Schutzgerüst über dem Fußweg errichtet werden.

Im Inneren der Villa hatte die Brandbekämpfung im Jahr 2005 durch die Einwirkung des Löschwassers umfassende Schäden an allen Holzbalkendecken verursacht. Diese waren zum Teil durchgebrochen, mit Hausschwamm befallen und einsturzgefährdet. Aufwendige Holzeinbauten, wie Wandvertäfelung, Türbekrönungen oder Kassettendecken, waren ebenfalls schwer lädiert oder fehlten bereits. Die Räume waren mit Parkett ausgelegt, das jedoch nicht erhalten werden konnte. Die zahlreichen Stuckdecken waren stark gerissen oder heruntergebrochen.

Das Treppenhaus hatte ursprünglich eine reichhaltige Ausmalung, die durch mehrmaliges Überstreichen an vielen Stellen nicht mehr sichtbar war. Die Stuckdecken waren ebenfalls farbig gestaltet gewesen. Bei der Brandstiftung wurde vom ehemaligen Kutscherhaus der Dachstuhl komplett zerstört. Das Innere des Hauses befand sich durch die lange Vernachlässigung und die Löschwassereinwirkung in schlechtem Zustand.

 

Umfassende Sanierung

Vor der Sanierung wurde gemeinsam mit der örtlichen Denkmalsschutzbehörde ein Konzept erarbeitet. Danach begannen die Sicherungsarbeiten an dem Gebäude. Als erstes wurden der Schutt entfernt und historisch wettvolle Bauteile geborgen. Dazu zählten die Kassettendecken, Holztüren und Wandvertäfelungen. Parallel wurden nicht mehr notwendige oder statisch nicht mehr tragfähige Wände im Gebäude abgebrochen. Aufgrund der starken Schäden an den Holzbauteilen erarbeitete ein Fachmann ein Holzschutzgutachten. Daraus ergab sich, dass alle Holzbalkendecken saniert werden mussten. Sie wurden zum Teil vollständig ausgewechselt oder einer Schwammsanierung unterzogen.

Da nach der Brandstiftung nur ein Notdach die Villa vor weiterem Verfall schützte, musste ein komplett neuer Dachstuhl errichtet werden. Die Dachkonstruktion führten die Handwerker teilweise in Holz oder Stahl aus. Für die Dachdeckung wurden eigens dunkelrot glasierte Ziegel hergestellt und in der Originaltechnik verlegt. Nachdem das Notdach entfernt worden war, wurde über dem gesamten Gebäude ein Wetterschutzgerüst errichtet.

Die geborgenen Holzbauteile bereitete die Tischlerei Neltner & Rothe GbR in der Werkstatt auf, fehlende Bestandteile wurden nachgebaut. In der Villa selbst sanierten die Tischler die Holzrahmen der Innentüren und deren Verdachungen. Die restaurierten Türen, Wandtäfelungen und Kassetten wurden im sanierten Gebäude wieder montiert und mit einem neuen Anstrich versehen. Nach der Sanierung der Holzbalkendecken brachten die Handwerker einen Estrich ein, in dem sie auch eine Fußbodenheizung verlegten. Das erste und zweite Obergeschoss wurde darüber hinaus mit neuem Parkett ausgelegt.

Eine äußerst anspruchsvolle und umfangreiche Aufgabe war die Wiederherstellung der Stuckdecken. Die Stuckarbeiten führte die Firma Stuck-Lowe aus. Da die einzelnen Räume sehr individuell gestaltet waren, befand sich in den unterschiedlichen Zimmern jeweils eine andersartige Stuckdecke. Eine Reparatur oder Ergänzung von Stuckteilen der vorhandenen Decken war nicht mehr möglich. Die einzelnen Stuckdecken mussten komplett in Form und Maßhaltigkeit wieder aufgebaut werden. Auch war es notwendig die Stuckkehlen wieder neu anzubringen. An einer Decke befanden sich Zwickelplatten mit figürlichen und floralen Elementen. Auch diese Ornamente mussten anhand von Vorlagen neu angefertigt werden. Im Treppenhaus und an den ursprünglichen Stuckdecken waren zahlreiche farbige Gestaltungen und dekorative Ausmalungen vorhanden. Nach dem Einbau der neuen Stuckdecken wurden nach historischem Vorbild die unterschiedlichen Bemalungen nachempfunden. Im Treppenhaus mussten zum Teil alte Anstriche entfernt werden. Danach restaurierten die Fachleute die Ausmalungen unter Zuhilfenahme historischer Vorlagen oder trugen die völlig neu auf.

Beim Aufbau des Notdaches waren verschiedene Teile der Fassade auf dem Grundstück eingelagert worden. Die Handwerker mussten, bevor die Arbeit beginnen konnte, die Sandsteine sichten, dem Fassadenteil zuordnen und den Erhaltungszustand beurteilten. Dazu nutzten sie auch historische Bauunterlagen und Fotos. Danach wurden die wiederverwendbaren Natursteine gereinigt und geschädigte Stellen ergänzt. Beim Kutscherhaus war es notwendig, Traufgesimselemente vollständig zu demontieren und vor Ort zu überarbeiten. Die Natursteinelemente wurden nach der Herstellung eines neuen Ringankers wieder eingebaut. Die stark geschädigten Fassadenelemente aus Sandstein wurden ebenfalls überarbeitet, ergänzt und mit einem passenden eingefärbten Restaurierungsmörtel versehen. Dadurch waren weitere Oberflächenbehandlungen, wie Lasuren, Anstriche oder Hydrophobierungen, nicht mehr notwendig. Am Sockel stellten die Handwerker die schadhafte Oberfläche mit einem Restaurierungsmörtel wieder her. Der Fries wurde neu verputzt und mit der ursprünglichen Bemalung versehen.

 

Autor

Dipl.-Ing. Lutz Reinboth ist Bauingenieur in Leipzig, Fachautor und freier Autor unter anderem bei der Zeitschrift bauhandwerk.

Durch Brandstiftung waren am gesamten Dach und an

Teilen der Fassade erhebliche Schäden entstanden

Die Stuckdecken wurden komplett in Form und Maßhaltigkeit wieder aufgebaut

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