Messe denkmal zeigt in Leipzig konkrete Lösungen aus Praxis, Forschung und Industrie
12.10.2026Die Messe denkmal und MUTEC bringen vom 5. bis 7. November 2026 die internationale Fachwelt in Leipzig zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Herausforderungen, neue Lösungen und der Austausch über die Zukunft von Kulturerbe und Museumsarbeit.
Die Messe denkmal findet vom 5. bis 7. November 2026 in Leipzig statt.
Foto: Tom Schulze / Leipziger Messe GmbH
Wie bleibt historisches Bauen auch unter den Bedingungen des Klimawandels zukunftsfähig? Wer übernimmt Verantwortung für das kulturelle Erbe, wenn Fachkräfte und Nachwuchs fehlen? Welche Chancen bieten Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – und wie krisenfest ist unser Kulturerbe? Die denkmal, Europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, widmet sich vom 5. bis 7. November diesen und vielen weiteren Fragen.
Entlang ihrer fünf Säulen – Denkmalvermittlung und baukulturelle Bildung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit, Bauen im Bestand, Digitalisierung und Technologien sowie Schutz des kulturellen Erbes in Notfallsituationen – zeigt die Messe konkrete Lösungen aus Praxis, Forschung, Handwerk und Industrie. Neu dabei ist 2026 ein eigener Ausstellungsbereich für Archäologie, präsentiert von CIfA, dem Berufsverband der Archäologie. Damit spannt die denkmal den Bogen von der Bau- bis zur Bodendenkmalpflege – eine Premiere für die Europäische Leitmesse.
Gastland Grönland mit Verbindung nach Sachsen
Grönland stellt sich in diesem Jahr näher vor. Fast 300 Jahre ist es her, dass Herrnhuter Missionare erstmals in Grönland auftauchten. Die heute internationale Kirche war ursprünglich aus der böhmischen Reformation hervorgegangen. Im 18. Jahrhundert ließen sich ihre Vertreter in der sächsischen Oberlausitz nieder. Sie waren für eine aktive Missionsarbeit bekannt. In Grönland haben diese Bestrebungen noch heute sichtbare Spuren hinterlassen. Inge Bisgaard, Museumskuratorin des Grönländischen Nationalmuseums und -archivs in Nuuk, erzählt: „Stand heute sind 160 Gebäude in Grönland als denkmalgeschützt gelistet. Ungefähr 20 davon sind auf das Erbe der Herrnhuter zurückzuführen. Sie verteilen sich auf 14 verschiedene Standorte auf der Insel, insbesondere an der Westküste Grönlands.“ Und tatsächlich, auf Bildern erkennt man das typische Fachwerk, das der Welt aus Herrnhut bekannt ist, inmitten der zerklüfteten Landschaft Grönlands.
Was ist Bisgaard besonders wichtig am Messeauftritt in Leipzig? Zu zeigen, dass die Grönländerinnen und Grönländer ganze 4.500 Jahre dieses Land besiedelt haben, aber erst seit 350 Jahren in europäisch geprägten Häusern leben, beginnt sie ihre Antwort. Ewig musste nichts trotz einer kargen, ressourcenarmen Landschaft importiert werden. Bisgaard fährt fort: „Wir haben ein Talent dafür, kreative Lösungen beim Hausbau zu finden. Mit genau dieser Kreativität haben wir europäische Häuser transformiert und für die grönländischen Bedingungen und unsere Bedürfnisse wie das Jagen oder das Speichern von Wärme in den Häusern angepasst.“
Goldmedaillen für herausragende Leistungen
Für herausragende Leistungen beim Erhalt des kulturellen Erbes werden fünf Aussteller gewürdigt
Foto: Tom Schulze / Leipziger Messe GmbH
Ein weiteres Highlight sind die Goldmedaillen der denkmal, mit denen seit 1996 herausragende Leistungen beim Erhalt des kulturellen Erbes ausgezeichnet werden. 2026 gibt es eine Neuerung: Fünf Aussteller werden am 6. November um 12 Uhr mit der Goldmedaille gewürdigt. Prämiert werden unter anderem innovative Technologien und Materialien, digitale Lösungen, die Weitergabe traditioneller Handwerkskompetenzen, Nachwuchsprojekte und bürgerschaftliches Engagement. Eine unabhängige Fachjury entscheidet über die Vergabe.
Parallel findet am 5. und 6. November die MUTEC , die Internationale Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik, statt. Sie zeigt Lösungen für alle erdenklichen Aufgaben moderner Museen – von Ausstellungsgestaltung und Szenografie über Gebäude- und Museumstechnik bis zu Digitalisierung, Vermittlung, Sicherheit und Dienstleistungen. Das Fachprogramm liefert Wissen und Best Practices zu Themen wie KI, Bewahren und Sichern, Besucherorientierung, Museumsmanagement sowie Marketing und Kommunikation. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung der internationalen Museumswelt.
Zum zweiten Mal wird der MUTEC-Award verliehen. Ausgezeichnet werden drei herausragende Ausstellungsprojekte, die zwischen 2024 und 2026 realisiert wurden. Die Gewinner erhalten 2.000, 1.500 beziehungsweise 1.000 Euro. Vergeben wird der Award von der Leipziger Messe gemeinsam mit VerA – Verband für Ausstellungsgestaltung e. V. und ICOM Deutschland.
Aussteller auf der denkmal
Zu den Ausstellern gehört Fineo by AGC (Stand B08 /Halle2). Im Mittelpunkt steht der Tausch von Einfachglas gegen Fineo-Vakuumglas, mit dem sich bestehende Fensterkonstruktionen erhalten und die Wärmedämmwerte verbessern lassen. Für die Ertüchtigung von historischen Fenstern ist Vakuumisolierglas seit geraumer Zeit eine naheliegende Lösung, der Einsatz musste jedoch im Einzelfall geklärt werden. „Mit der Anfang 2025 erteilten allgemeinen Bauartgenehmigung (aBG) bieten wir Restauratoren, Fensterbauern und Auftraggebern frühzeitig Planungssicherheit“, erklärt Roland Skomda, Fineo-Vertriebsleiter in der DACH-Region. Fineo ist laut Herstellerangaben derzeit das einzige Vakuumisolierglas mit allgemeiner Bauartgenehmigung (Z-70.4-304) für den Einsatz als linienförmig gelagerte Vertikalverglasung.
Historische Fensterrahmen sind häufig für Einfachglas ausgelegt; für moderne Mehrfachverglasungen fehlt daher oft die erforderliche Falztiefe. Mit Gesamtdicken ab 6,7 Millimetern kann Fineo dagegen in viele historische Fensterkonstruktionen aus Holz, Stahl oder Gusseisen integriert werden. Während klassisches Einfachglas einen Ug-Wert von rund 5 W/(m²K) aufweist, erreiche Fineo Werte von 0,7 W/(m²K) und biete damit eine mit moderner Dreifachverglasung vergleichbare Wärmedämmung.
Am Stand C02 zeigt Xella die Multipor-Innendämmung. Es werden drei Systeme vorgestellt:
1. Das Innendämmsystem WI (Wand-Innen). Es besteht aus der Multipor- Mineraldämmplatte „TIPwall M4“, dem Leichtmörtel „FIX X710“ und Zubehör.
2. Das Innendämmsystem „WI Lehm“ für lehmhaltige Wandkonstruktionen, wie z.B. Fachwerkwände. Es besteht aus Mineraldämmplatte „TIPwall M4“, dem Lehmmörtel „FIX I900“ und Zubehör.
3. Das „ExSal Therm“- Sanier- und Dämmsystem. Es wird zur Entsalzung und gleichzeitiger Dämmung von feuchtem, salzbelastetem Mauerwerk eingesetzt.
Wie sich historische Bausubstanz erhalten und gleichzeitig energetisch verbessern lässt, zeigt Xella auch im Fachprogramm der Messe. Am Donnerstag, 5. November, stellt Multipor-Experte Dipl.-Bauingenieur Jacob Kowol von 13.45 bis 14.15 Uhr das „ExSal Therm“- Sanier- und Dämmsystem vor. Im Mittelpunkt stehen der kapillare Feuchtigkeitstransport, die hohe Salzrückhaltefähigkeit des Systems und die gleichzeitige Verbesserung des Wärmeschutzes. Der Vortrag richtet sich insbesondere an Architekten, Denkmalschützer und ausführende Unternehmen und findet im Ausstellertreff auf der Mehrzweckfläche 4, Ebene 0, statt. (bhw/ela)
