Ziegel ersetzen Holzbalkendecke im Friedenslazarett der Festung Königstein

Von der Festung Königstein hat man einen atemberaubenden Ausblick über die Sächsische Schweiz. Die ursprünglichen Holzbalkendecken des Friedenslazaretts der Festung baute man bei der Sanierung aus. Ersetzt wurden sie durch Ziegeldecken mit aufgegossenem Beton.

Das Friedenslazarett auf der sächsischen Festung Königstein wurde 1878 errichtet. Gedacht war es für die medizinische Versorgung der Festungs-Besatzung und zivilen Bewohner in Friedenszeiten. Es bietet einen atemberaubenden Ausblick über die Sächsische Schweiz. Als Teil des Ensembles der Festung Königstein steht es unter Denkmalschutz.

Die Sanierung und behutsame Modernisierung des Friedenslazaretts übernahm der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) als Bauherr im Auftrag des Freistaats Sachsen. Bereits 2002/03 gab es erste Erhaltungsarbeiten an der Gebäudehülle: eine Rekonstruktion des Daches, neue Fenster sowie eine Schwammsanierung und Trockenlegung des Mauerwerks. In einer zweiten Etappe folgten im letzten Jahr die Innenarbeiten, mit denen das Friedenslazarett für den vorübergehenden Einzug der Verwaltung hergerichtet wurde. Der Umbau berücksichtigt auch, dass die Räume künftig als hochwertige Ferienwohnungen genutzt werden sollen.

Mauerwerksbau mit Holzbalkendecken

Das zweigeschossige Friedenslazarett entstand – für die damalige Zeit typisch – als reiner Mauerwerksbau aus Ziegeln mit Holzbalkendecken. Nach den Er­hal­tungsarbeiten von 2002/03 zeigte sich das Ge­bäude in einem guten Zustand. Jedoch hatten die damals nicht erneuerten Holzbalkendecken einen Schwammbefall und mussten komplett ausgebaut werden.

Moderner Schallschutz

Aus der Geschichte des Bauwerks heraus hätte vielleicht der Einbau neuer Holzbalkendecken nahe gelegen. Allerdings haben sich in den über 100 Jahren seit der Erbauung des Friedenslazaretts die Vorstellungen von gutem Schallschutz erheblich gewandelt. Holzdecken können heutige Schallschutzanforderungen nur mit einem aufwendigen Funktionsaufbau erfüllen. Der erfordert entweder in der Decke selbst oder in der darauf liegenden Fußbodenkonstruktion zusätzliche Höhe im Vergleich zur historischen Holzbalkendecke.

Diese zusätzliche Aufbauhöhe hätte jedoch die verfügbaren Raumhöhen im Friedenslazarett reduziert. Das sollte unbedingt vermieden werden. In den beiden Obergeschossen wären sonst Höhenanpassungen für Türöffnungen oder Fensterbrüstungen notwendig geworden.

Durch die Fenster ins Gebäude transportiert

Die Architekten vom Büro F29 Architekten aus Dresden entschieden sich deshalb für eine radikal andere Lösung: eine Filigran-Ziegeldecke von Wienerberger. Sie sorgt heute für den Schall- und Brandschutz zwischen den Etagen. Die Decke besteht aus 18 cm hohen Einhängeziegeln aus gebranntem Ton und hat als Rohdecke eine Gesamthöhe von 25 cm. Zusammen mit dem darauf liegenden Fußbodenaufbau von etwa 12 cm ergaben sich ähnliche Maße wie bei den früheren Holzbalkendecken, so dass sich die Raumhöhen wenig geändert haben. Bei den Anschlusshöhen der Fenster und Türen traten kaum Probleme auf. Die Deckenträger und Einhängeziegel konnten angesichts des geschlossenen Daches nur durch die Fenster in das Gebäude transportiert werden.

Querversteifung und Ringanker

Trotz des vergleichsweise einfachen Transports wurde das Team der Reko-Bau Löbau GmbH aus Meusegast in Dohna gefordert. Denn zunächst mussten alle Einzelteile mit einem Autokran von der unteren Baustelleneinrichtung zur rund 240 m über dem Ort Königstein liegenden Festung gehoben werden. Von dort gelangten die schweren Deckenträger dann teils mit Hubgeräten, teils per Hand durch die Fenster in die Einbaulage.

Um das Einfädeln der Träger zu vereinfachen, wurde der Auflagerbereich im Mauerwerk großzügig freigelegt. Mit einer Mörtelschicht und einer Lage unbesandeter Bitumenpappe wurde der Bereich vorbereitet. Nach dem Ausgießen mit Beton mauerten die Handwerker den Auflagerbereich wieder auf. Die Decken benötigten bis zur endgültigen Fertigstellung etwa alle 2 m Montagestützen. Die Stützen wurden unter der Decke und quer zur Spannrichtung positioniert.

Deckenziegel zwischen Trägern eingehängt

Zwischen den parallel und mit einem Achsabstand von 64 cm verlegten Deckenträgern wurden die Deckenziegel eingehängt. Anpassungen an die jeweilige Raumbreite waren mit Ausgleichsziegeln im Rastermaß 51,5 cm möglich, so dass in vielen Fällen keine Ziegel geschnitten werden mussten. Mit den Einhänge­ziegeln entstand eine sofort begehbare Arbeitsebene, von der aus sich die Bewehrung des Ringankers und der Querrippen montieren ließ.

Maximale Spannweiten von bis zu 7,30 m

Der Ringanker sorgt für die Scheibenwirkung der Decke. Die Rippen dienen der Querstabilisierung und Lastverteilung. Position und Ausbildung ergeben sich aus der statischen Berechnung und dem darauf  beruhenden Verlegeplan. Beide Dokumente stellte Wienerberger nach den Vorgaben der Architekten zur Verfügung. Für die Vorbemessung des Deckensystems können außerdem Traglasttabellen genutzt werden, aus denen sich je nach Nutzlast maximale Spannweiten der Filigran-Ziegeldecken von bis zu 7,30 m ergeben. Im Friedenslazarett lag die größte Spannweite der Ziegeldecke bei 5,55 m. Verwendet wurde die Ziegeldecke „18+7“: Die 18 cm hohen Einhängeziegel erhielten einen Auf- und Vergussbeton C25/30 mit 7 cm Höhe. Die vergossene Decke war nach etwa 12 Stunden begehbar und hatte nach 28 Tagen ihre volle Tragfähigkeit erreicht, so dass die Montagestützen entfernt werden konnten.

Dielenaufbau mit Fußbodenheizung

Auf der Rohdecke können alle gängigen Fußbodenaufbauten verwirklicht werden, die den erreichbaren Schallschutz mitbestimmen. Mit einem schwimmenden Estrich und der Putzschicht auf der Deckenunterseite lassen sich je nach Deckenhöhe Normtrittschallpegel von bis zu 43 dB erreichen. In Vorbereitung auf den späteren Umbau zu Ferienwohnungen wurde im Friedenslazarett jedoch ein Dielenaufbau vorbereitet. Der enthält neben dem Trittschallschutz auch die Höhenreserve für eine künftig zu verlegende Fußbodenheizung.

Fünf Wohnungen sollen entstehen

Nach den Plänen vom Büro F29 Architekten sollen in den vorhandenen Strukturen fünf  Wohnungen entstehen – eine davon barrierefrei. Sie werden durch einen kleinen Aufenthaltsraum mit Bibliothek, einem Raum für das Servicepersonal und verschiedene Lager- und Abstellmöglichkeiten ergänzt. Vor allem aber wird dann in den historischen Abmessungen der früheren Veranda, wie sie auf einem Bild von 1929 noch zu erkennen ist, wieder ein witterungsgeschützter Freibereich entstehen. Von dort genießen die Gäste dann den beeindruckenden Blick über die Sächsische Schweiz – und die Festung Königstein wird zu einem einmaligen Urlaubsort.

Autor

Roger Schmidt ist Produktmanager und Teamleiter Poroton-Ziegelzubehör und Ziegeldecken bei der Wienerberger Ziegelindustrie GmbH.

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