80 Prozent gespart dank Innendämmung in historischer Remise

Im Zuge der energetischen Sanierung erhielt das schlanke Ziegelmauerwerk einer denkmalgeschütztenRemise in Leipzig eine Innendämmung mit kapillaraktiven Mineralplatten. Simulationsrechnungen hatten zuvor gezeigt, dass dadurch eine Heizkosteneinsparung von mehr als 80 Prozent zu erwarten sei.

Im Leipziger Stadtteil Gohlis bauten die Mitarbeiter der Krietemeyer GmbH Markranstädt nach Plänen des Leipziger Architekturbüros Furchshuber & Partner ein Kutscherhaus vom Ende des 19. Jahrhunderts zu einem modernen Wohnhaus mit zeitgemäßem Komfort um. Nach einer Innendämmung des alten, schlanken Sichtklinkermauerwerks mit dem kapillaraktiven Innendämmsystem Ytong Multipor, das ohne Dampfsperre auskommt, entspricht der Bau mit einer Nutzfläche von 413 m² dem Standard eines KfW-Effizienzhauses 130. Insgesamt verlief die Sanierung so erfolgreich, dass das Kutscherhaus von der Kulturstiftung Leipzig mit einer Anerkennung des Hieronymus-Lotter-Preis ausgezeichnet wurde.  

Denkmalschutz und KfW-Förderung 

Das alte Kutscherhaus hat als einziger Zeuge eines Gebäudeensembles die Zeiten überdauert. Der Leipziger Fabrikant Hermann Traugott Fritsche hatte es zusammen mit einer repräsentativen Villa, einem Palmen- und Gewächshaus sowie einer Kegelbahn auf einem parkähnlichen Grundstück erbauen lassen. Nach dem Krieg bis zum Beginn der Sanierungsarbeiten zeitweise als Werkstatt und Garage genutzt, blieb das Kutscherhaus in seinem äußeren Erscheinungsbild und in seinen inneren Strukturen weitgehend im Originalzustand erhalten. Wenn auch die Holzbauteile des Fachwerks im Obergeschoss starke altersbedingte Schäden zeigten und das Gebäude nach heutigen Maßstäben zu Wohnzwecken insgesamt nicht nutzbar war, so war doch der Gesamtzustand des massiven Ziegelbaus relativ gut.

Im Zuge der Umnutzung zu einem Wohnhaus lag der Schwerpunkt der Sanierung neben dem Erhalt der historischen Substanz vor allem in der energetischen Ertüchtigung. Gleichzeitig mussten Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. In Kombination mit einem Gesamtpaket, das unter anderem die Bauwerksabdichtung, Bauteildämmungen, die Installation einer Brennwertheizung sowie Solarkollektoren auf dem Schieferdach und isolierverglaste Fenster vorsah, konnte mit der Innendämmung mit 120 mm dicken Ytong Multipor Mineraldämmplatten nicht nur der Auflage der Denkmalpflege nach Erhalt der historischen Außenfassade sondern auch der Forderung der Bauherren-Familie nach Förderfähigkeit durch die KfW-Bank Rechnung getragen werden.

 

Diffusionsoffenes Innendämmsystem 

Mit den Mineraldämmplatten der WLG 045 kam beim Ausbau der Leipziger Remise ein diffusionsoffenes, kapillaraktives Innendämmsystem zum Einsatz. Tauwasser, das sich in der kälteren Jahreszeit zwischen der Bestandswand und der Mineraldämmplatte bilden kann, oder von außen durch die Fassade eindringendes Wasser, wird von den Zellwänden der eingeschlossenen und wärmedämmenden Luftporen aufgenommen und durch das natürliche Austrocknungsverhalten des mineralischen Materials der Raumluft wieder zugeführt (kapillar wirksam). Gleichzeitig bleibt dabei der Wärmedämmwert erhalten. „Eine Kombination von Eigenschaften,“ so Architekt Ehser vom Büro Fuchshuber & Partner, „die für uns entscheidend war. Sie machte es möglich, die Innendämmung ohne aufwendige Dampfsperren auszuführen und gab uns gleichzeitig die Chance, den späteren Bewohnern Vorteile durch optimale klimatische Bedingungen im Rauminneren zu garantieren.“

Schon bei früheren Objekten hatte der Leipziger Planer gute Erfahrungen mit einer Innendämmung aus Ytong Multipor gemacht. „Unser Büro,“ so Ehser, „ist relativ stark in der Altbausanierung tätig. Bei Sanierungsvorhaben gibt es keine wirkliche Alternative zur Innendämmung, speziell wenn auch Aspekte des Denkmalschutzes dazukommen.“ Im vorliegenden Fall hatte außerdem eine Simulationsrechnung, die Jens Hanschmann, Gebietsleier Ost im Ytong Multipor-Vertrieb vom Fraunhofer Institut in Holzkirchen erstellen ließ, ergeben, dass der Wandaufbau sowohl in Kombination mit dem massiven Klinkermauerwerk im Erdgeschoss als auch in Kombination mit den Fachwerk-Außenwänden im Obergeschoss zweifelsfrei funktioniert und eine Heizkostenersparnis von über 80 Prozent zu erwarten ist.

Entsprechend den Berechnungen erreichen die mit 120 mm dicken Mineralplatten gedämmten Ziegelkonstruktionen der Außenwände einen U-Wert von 0,29 W/m²K (Bestandswand 1,95 W/m²K), die ebenfalls mit den 120 mm dicken, nicht brennbaren Platten der Baustoffklasse A 1 nach EN 13501-1 gedämmte Fachwerkkonstruktion im Obergeschoss erreicht einen U-Wert von 0,30 W/m²K (Bestandswand 2,34 W/m²K). Dabei verfügte das Bestandsmauerwerk im Erdgeschoss über Dicken von 240, 300 und 365 mm. Das Klinkermauerwerk im Obergeschoss, das teilweise mit Sichtfachwerk (140/140) kombiniert war, wies Dicken von 175, 240, 365 und 380 mm auf.

 

Einfache Verarbeitung der Mineraldämmplatten 

Insgesamt verarbeiteten die Mitarbeiter des Stuckateur- und Malerbetriebs Krietemeyer GmbH aus Markranstädt für die Dämmung der Remise knapp 380 m² Mineraldämmplatten. Da im vorliegenden Fall der Altputz schadhaft und teilweise nicht tragfähig war, wurde zunächst der gesamte alte Wandbelag komplett bis auf die nackten Wände entfernt. Anschließend begradigten die Handwerker das Klinkermauerwerk mit einem 15 mm dicken Kalk-Zement-Ausgleichsputz. Mit großer Sorgfalt gelang es dabei dem Stuckateur- und Malerbetrieb, einen perfekten planebenen Untergrund herzustellen. So konnte die anschließende Verlegung der Mineraldämmplatten deutlich beschleunigt werden. Durchschnittlich waren vier Mitarbeiter vor Ort. Sie waren vor Beginn der Dämmarbeiten durch einen Vorführmeister in die Verarbeitung eingewiesen worden. Schon nach kurzer Zeit stellte sich eine hohe Ausführungssicherheit ein, so dass sehr bald die gewohnte hohe Verlegeleistung erreicht wurde. „Für die Verlegung der Mineraldämmplatten inklusive der vorbereitenden und abschließenden Putzarbeiten“, erinnert sich Peter Strauch, Niederlassungsleiter der Krietemeyer GmbH in Leipzig, „benötigten unsere Mitarbeiter ungefähr eine Stunde pro Quadratmeter Wand.“

Sobald der Ausgleichsputz ausgetrocknet war, begannen die Handwerker mit der Verklebung der Mineraldämmplatten, die im Fugenverband auf den ebenen und trockenen Untergrund kamen. Zuvor wurde der speziell auf das Produkt abgestimmte und frisch angerührte Ytong Multipor Leichtmörtel vollflächig mit einer Zahntraufel (Zahnung 10 bis 12 mm) auf der Plattenunterseite aufgetragen und anschließend mit den Zähnen der Glattkelle „durchgekämmt“. Idealerweise beträgt die Steghöhe, also die Dicke des aufgetragenen Leichtmörtels nach dem „Durchkämmen“, etwa 7 bis 8 mm.

Um eine möglichst dünne, kraftschlüssige Verbindung zwischen Kleber, Platte und Wand zu erzeugen, haben die Handwerker die Dämmplatten nach dem Auftragen des Klebers mit leichtem Druck auf der Wandoberfläche eingeschwommen und dann in die richtige Position gerückt. Geringes Gewicht, Druckfestigkeit und Formstabilität sowie das handliche Format von 600 x 390 mm sorgen für einfache Handhabung sowie einen schnellen Arbeitsfortschritt. Die Platten liegen im Stoß fugenlos nebeneinander, die Stoßfugen werden nicht verklebt. Zur Befestigung von Lasten bis etwa 3 kg/500 mm verbauten die Handwerker in der Innendämmung die als Zubehör inklusive Schrauben zum System gehörenden Flachdübel.

Die Dämmung wurde gegen die Holzfußböden beziehungsweise Holzbalkenecken elastisch entkoppelt. Einbindende Wand- und Deckenflächen wurden zur Reduzierung von Wärmebrücken etwa in Plattenbreite (390 mm) mitgedämmt. Kleinere Eckausbrüche konnten mit dem zum System gehörenden Füllmörtel ausgebessert werden. Wichtig für den reibungslosen Arbeitsverlauf war vor allem die sorgfältige lot- und fluchtgerechte Ausführung der ersten Reihe. Ein Abstützen während des Abbindens war nicht nötig. Im Regelfall kann auch auf eine mechanische Befestigung verzichtet werden. Nur bei verminderter Tragfähigkeit des Untergrundes müssen die Dämmplatten mittig mit einem Tellerdübel Ø 60 mm je Platte gesichert werden.

Nach dem Verkleben der Mineraldämmplatten brachten die Handwerker Leichtmörtel mit Gewebeeinlage als Armierungsschicht auf. Die Schichtdicke betrug etwa 5 mm. Nach dem Erhärten wurde abschließend ein Deckputz mit Leichtmörtel aufgetragen.

 

Ausbildung von Segmentbögen 

Die Verarbeitung der großen Flächen ging insgesamt zügig voran und war unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten effizient – nicht nur weil Gerüstkosten entfielen. Daran änderten auch die zahlreichen Pass-Stücke nichts, die an den Rundbogenfenster im Erd- und Obergeschoss aufwendig zugeschnitten werden mussten. Dabei erfolgte die Ausbildung der Segmentbögen mit der speziellen Ytong Multipor Laibungsdämm-0
platte. Die 20 mm dicken Platten (Abmessungen 600 x 250 x 20) wurden anhand einer zuvor angefertigten Schablone in schmale Streifen geschnitten und anschließend wie gewohnt verklebt. Dabei war eine sehr exakte Verarbeitung gefordert, um keinen Verlust der Dämmwirkung zu riskieren. Die Zuschnitte konnten mit einer Handsäge sauber und sehr präzise in den erforderlichen Abmessungen hergestellt werden.

Der Bau entsprach anschließend dem Standard eines KfW-Effizienzhauses 130 und liegt mit einem Jahresprimärenergiebedarf von 81,6 kWh/(m²a) deutlich unter dem Anforderungswert von 90,7 kWh(m²a). Hervorragend stellt sich nach der Sanierung auch die energetische Qualität der Gebäudehülle H’T dar: Hier steht ein Ist-Wert von 0,48 W/(m²K) einem Anforderungswert von 0,70 W/(m²K) gegenüber.

 

Autor

Dipl.-Wirt.-Ing. Axel Karsch ist im Produktmanagement Ytong Multipor der Firma Xella Deutschland GmbH in Duisburg tätig.

„Bei Sanierungsvorhaben gibt es keine wirkliche Alternative zur Innendämmung“

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