Akustikdecke mit Engel
Sanierungsarbeiten in der St. Michaelkirche in Viernheim

Die neue Akustikdecke der St. Michaelkirche in Viernheim sorgt nicht nur für eine gute Verständlichkeit der Sprache und eine verzerrungsfreie Hörsamkeit der Musik im Gottesdienst, sie gibt dem ovalen Raum auch eine freundlichere Optik und mit dem aus der Decke herausgearbeiteten Engel eine neue Gestaltung.

Der Schreck in Viernheim kam unvermittelt: Bei einer Begehung der St. Michaelkirche durch den Sicherheitsbeauftragten des Bistums Mainz wurden gravierende Mängel festgestellt, die von einem Tag auf den anderen die Schließung der Kirche Ende Oktober 2011 erforderten. Auslöser für das sofortige Handeln waren vor allem lose Lampenfassungen in der Decke, bei denen ein Herabstürzen nicht auszuschließen war.

Dipl.-Ing. Dieter Bugert, dessen Viernheimer Ingenieurbüro für Tragwerksplanung und Statik mit den Planungen für eine Behebung der Probleme beauftragt wurde, stellte im Rahmen seiner Untersuchungen weitere Mängel fest: „Relevant für die Sicherheit waren neben den Deckenlampen speziell die Zugangssituation zum Dach­raum und die alte Elektroanlage in der Decke. Aber das Dach hatte zum Beispiel auch keine zeitgemäße Wärmedämmung, was dann zu dem Entschluss führte, alle Unzulänglichkeiten gemeinsam mit einer komplett neuen Unterdecke zu beheben.“

Zusätzlicher Charme dieser Lösung war die Möglichkeit, mit der Deckenerneuerung dem Kirchenraum auch optisch eine eleganter und freundlicher wirkende Fassung zu geben. Die alte Decke aus Holzwolle-Leichtbauplatten war nicht nur dunkel und damit etwas drückend, sie war vor allem mit sichtbarer Unterkonstruktion verlegt worden, die ein diagonal orientiertes Rechteckmuster erzeugte. Dieses Raster kon­trastierte mit der elliptischen Grundrissform des Kirchenraums, weshalb Dieter Bugert für die neue Decke eine fugenlose Ausführung vorschlug. Die Idee der nicht mehr sichtbaren Unterkonstruktion überzeugte auch die Auftraggeber, weil sie eine moderne, sachlich klare Raumwirkung im 1956/57 nach Plänen des Mainzer Architekten Hugo Becker errichteten Gotteshauses ermöglichte.

Verbesserte Akustik der Decke

Das nach einer Fachberatung durch den Hersteller gewählte fugenlose System OWAplan S 7 aus dem OWAcoustic premium Sortiment bietet zusätzliche Sicherheit beim Brandschutz und erfüllt die akustischen Anforderungen für den Kirchenraum. Die Deckenplatten dieses Systems bestehen aus nicht brennbarer, fest gebundener Mineralwolle und gehören zur Baustoffklasse A2-s1,d0 nach DIN EN13 501-1. Unter Stahlbetondecken erreicht das System eine hohe Sicherheit durch Feuerwiderstände bis F 120 nach DIN 4102 beziehungsweise bis REI 120 nach DIN EN 13 501-2.

Um den guten akustischen Komfort im großen Kirchenraum zu erhalten und speziell Nachhall oder Verzerrungen des gesprochenen Wortes zu minimieren, sollte die neue Akustikdecke eine Schallabsorption ähnlich wie der bisherige Aufbau besitzen. Das eingebaute fugenlose System erreicht bei einer Abhängehöhe von 200 mm im Mittel einen NRC-Wert von 65 Prozent beziehungsweise αw = 60 Prozent. „Nach meinem Eindruck, der auch von vielen Viernheimern bestätigt wird, ist die Raumakustik jetzt deutlich besser als vorher“, beschreibt Dieter Bugert das Ergebnis der Deckenerneuerung, mit der er zugleich ein völlig neues Gestaltungselement verwirklichte: Ein Höhenversatz in der Fläche assoziiert die Form eines großen Engels. Technisch dient dieser Versatz der Auf­nahme der Beleuchtungstechnik: Die flach in die Decke eingelassene Grund- und Notbeleuchtung wird hier durch verschiedene, verdeckt eingebaute Scheinwerfer ergänzt, die besondere Details der Kircheneinrichtung wie das Christus-Mosaik oder den Tabernakel beleuchten können.

Hohes Bautempo mit großen Formaten

Die gerundeten Formen des Engels und die Anschlüsse der Decke an die Ellipse der Kirchenwände gehörten neben der Größe der Deckenfläche von insgesamt etwa 600 m² zu den besonderen Herausforderungen bei der Montage, die Stuckateurmeister Edmund Scheidel aus Viernheim übernahm. „Zu Beginn unserer Arbeit war die alte Decke bereits ausgebaut, so dass die Stahl­fachwerkträger des Daches mit jeweils etwa 3 m Abstand offen lagen und mit ihren Flanschen den Montagegrund bildeten“, erinnert sich Edmund Scheidel. „Im ersten Schritt sind quer zur Trägerrichtung rund 1200 laufende Meter Weitspannträger und an­schließend 100 mm Mineralwolledämmung sowie die unterseitige Dampfsperrfolie eingebaut worden. Oberhalb der Weitspannträger haben wir zusätzlich mit 25 cm breiten Polystyrolstreifen gedämmt, damit die Träger nicht als Wärmebrücke inner­halb des Aufbaus wirken und zur Kondenswasserbildung führen.“

Nach diesen Vorbereitungen begann die Montage des Tragrostes für die Decke, der bei OWAplan aus CD-Profilen 60/27 sowie speziellen Kreuzverbindern besteht und mit Noniusabhängern abgehängt wird. Auf der Unterseite des Rostes werden die Deckenplatten direkt verschraubt und an den Kanten umlaufend miteinander ver­klebt. Im großen Kirchenraum arbeitete der Stuckateur vorwiegend mit dem großen Plattenformat von 2400 x 1200 mm, wodurch weniger Plattenstöße und ein schnellerer Baufortschritt erreicht werden konnten. Nur für Details und An­passungen kamen die kleinen Platten mit 1200 x 800 mm zum Einsatz. Auf die Platten und ihre nachgespachtelten Stöße wurden ein Malervlies und an­schließend die systemzugehörige Putzbeschichtung Kraft Allegro M in Weiß aufge­bracht.

Fugen, Toleranzen und weitere Details

Besondere Sorgfalt verlangten die gekrümmten Anschlussfugen der Decke – zum einen an den Seitenwänden des elliptischen Kirchenraums, zum anderen am Deckenversatz für den Engel in der Mitte. „Die Ellipse ist nicht völlig gleichmäßig, so dass teilweise 2 bis 3 cm Toleranz auszugleichen waren“, beschreibt Edmund Scheidel die Arbeiten an den Wänden. „Beim Engel mit seinen Radien zwischen 13 und 17 m mussten wir die vorgestanzten UW-Profile schon sehr genau anlegen, damit er an dieser gut sichtbaren Stelle eine gleichmäßige und symmetrische Struktur bekam.“ Auch das Einmessen der vielen Lampen mit den entsprechenden Wechseln in der Unterkonstruktion war sehr anspruchsvoll.

Die Unterkonstruktion des Versatzes wurde an den Seiten mit Gipsfaserplatten be­kleidet, die Öffnungen für die Scheinwerfer erhielten. Die Unterseite besteht wiederum aus dem System OWAplan, das für eine optisch klare Ausbildung an den Kanten jeweils etwa 5 bis 8 cm frei auskragt, wofür der Stuckateur einen speziellen L-Winkel einsetzte.

Die Deckenmontage erfolgte vom Gerüst aus, was zwar ein bequemes Arbeiten ermöglichte, zugleich aber auch keine Sichtkontrolle von unten aus dem Kirchenschiff heraus zuließ. Erst nachdem die Decke komplett eingebaut und das Gerüst demontiert war, konnte der Gesamteindruck überprüft werden. Das Ergebnis zeigt, dass Projektleiter Hermann Scheidel und seine Mitarbeiter ganze Arbeit ge­leistet haben. Die Wandanschlüsse und der Engel präsentieren sich mit klaren Flächen und sauberer Linienführung, selbst die etwa 8 mm breiten Dehnfugen, die bei 600 m² Fläche natürlich erforderlich waren, sind aus dem normalen Betrachtungs­abstand vom Boden aus kaum zu erkennen.

Autor

Markus Hoeft ist freier Journalist. Er lebt und arbeitet in Fredersdorf.

Gerundete Formen des Engels und Deckenanschlüsse an die elliptische Kirchenwand waren anspruchsvoll

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