Balkonsanierung: Schäden vermeiden

Verlege- und Abdichtungsarbeiten im Außenbereich sind eine Herausforderung, denn die Belagskonstruktion ist hohen Belastungen ausgesetzt. Risse in den Fugen oder Abspannungen im Kleberbett und in den darunterliegenden Schichten lassen sich jedoch durch die richtige Grundkonstruktion und Materialwahl vermeiden.

Verbundabdichtungen, die mit einer Dünnbettverlegung kombiniert werden, sind ein bewährtes Konstruktionsprinzip für Balkone. Sie kommen vor allem im Neubau zum Einsatz, werden aber auch für die Komplettsanierung, bei der man die Fliesen abschlägt und den Untergrund neu aufbaut, eingesetzt. Im Vergleich zu anderen Verfahren hat die Verbundabdichtung viele Vorteile, da die Abdichtung auf dem Estrich angeordnet ist und die durchfeuchtete Zone möglichst dünnschichtig ausgeführt wird. So können beispielsweise Durchdringungen sowie An- und Abschlüsse in die Abdichtungsebene integriert werden, während die darunter liegenden Schichten geschützt sind. 

Für den Aufbau einer Verbundabdichtung im Außenbereich ist eine flexible, kunststoffmodifizierte mineralische Dichtungsschlämme zu empfehlen, wie zum Beispiel weber.tec Superflex D2 von Weber-Deitermann. Derartige Flexschlämmen sind auch für matt-feuchte Untergründe geeignet, so dass Feuchtigkeit und Frost während der Ausführungsphase kompensiert werden. Zugleich sorgen sie für eine schnelle und weitgehend witterungsunabhängige Durchtrocknung. Auch für die anschließende Verlegung der keramischen Beläge sollte ein schnell abbindender, flexibler Dünnbettmörtel genutzt werden, der eine möglichst schnelle Durchtrocknung gewährleistet.

 

Auf den richtigen Verlegemörtel achten

Während der Verlegearbeiten muss man darauf achten, dass der Belag in der Erhärtungs- und Austrocknungsphase keinem Frost ausgesetzt ist. Andernfalls würde sowohl die Zement- als auch die Kunststoffmatrix des Dünnbettmörtels zerstört. Eine geeignete Lösung ist ein schnell abbindendes Flexkleber-System mit erhöhter Festigkeit. Fließbettmörtel wie weber.xerm 860 F tragen zu einer schnelleren Verfilmung des Kunststoffes bei, da schnell abbindender Zement dem Gesamtsystem Wasser entzieht. Auch bei hoher Luftfeuchtigkeit oder großformatigen Platten sollte ein schnell abbindendes System verwendet werden, da in solchen Fällen die Austrocknungsbedingungen besonders schlecht sind. Ein normal abbindendes System macht erst bei Temperaturen ab 15 °C aufwärts Sinn. Allerdings darf die Temperatur diese Grenze während des gesamten Erhärtungszeitraums nicht unterschreiten. Zudem sollte für die Erhärtung und Austrocknung ein entsprechend großer Zeitraum einkalkuliert werden. 

Das neue ZDB-Merkblatt weist darauf hin, dass bei ungünstigen Witterungsbedingungen die Verwendung eines C2 F-Dünnbettmörtels gemäß DIN EN 12004 zweckmäßig sei. Jedoch wird in der Normenprüfung C2 F lediglich eine Kontrolle der Haftzugsfestigkeit bei Normtemperatur dargestellt. Bei problematischen Rahmenbedingungen kann also auch ein genormter Mörtel nicht ausreichend sein. Daher sollte in Abstimmung mit dem Lieferanten ein Klebersystem gewählt werden, das auch bei kritischen Temperaturen – etwa zwischen 5 °C und 10 °C – eine ausreichende Reaktivität zeigt. Im Übrigen kann durch den Einsatz von Fließbettmörteln auf das aufwändige Buttering-Floating-Verfahren verzichtet werden, das die DIN EN 18157 („Ausführung keramischer Bekleidungen im Dünnbettverfahren, hydraulisch erhärtende Dünnbettmörtel“) für die Verlegung im Außenbereich fordert.

 

Dränagesystem für Sanierung mit Naturstein

Natur- oder Betonwerksteinplatten verlangen nach einem dickeren Mörtelbett, was zur Anreicherung von Feuchtigkeit und anschließenden Frostschäden führen kann. Eine Lösung bieten Dränagesysteme, die unterhalb des Estrichs angeordnet sind. Hierbei wird die Feuchtigkeit, die in die Belagskonstruktion eindringt, von einem dickschichtigen Dränmörtel nach unten abgeleitet und auf einer Abdichtungsebene entwässert. 

Die Leistungsfähigkeit eines Dränmörtels hängt von dessen haufwerksporigen Anteilen ab. Für die notwendige Abflusskapazität sorgen Einkorn-Sieblinien, die über eine Bindemittelmatrix verbunden sind. Um den horizontalen Wasserabfluss weiter zu verbessern, kann zusätzlich eine Dränagematte eingebaut werden. Die darauf auszuführenden Dick- und Mittelbettmörtel muss der Handwerker ebenfalls an das Verlegegut anpassen.

 

Fliese auf Fliese:

Nur mit Entkopplungs- und Abdichtungssystem

Gerade bei der Balkonsanierung stößt der Verarbeiter oftmals auf Mischuntergründe, alte keramische Beläge oder Untergründe mit unzureichender Haftfestigkeit. In solchen Fällen empfiehlt sich eine neue Grundkonstruktion auf Basis eines Entkopplungs- und Abdichtungssystems. Dabei kompensiert die Entkopplungsschicht Verformungen im Untergrund und schützt die Abdichtungsebene wie auch den keramischen Belag vor Schäden. 

Grundsätzlich werden Entkopplungssysteme für Balkone anhand ihrer Entkopplungswirkung unterschieden. Systeme mit einer einhundertprozentigen Entkopplungsleistung setzen eine funktionstüchtige Flächenabdichtung voraus, zum Beispiel eine Verbundabdichtung unterhalb der Entkopplungsschicht. Bei bahnenförmigen Entkopplungssystemen wie weber.tec 826 ist die Abdichtungsebene direkt integriert. Auf diese Weise können Abdichtung und Entkopplung in einem Arbeitsgang vorgenommen werden. Zugleich ist eine leistungsfähige Entkopplung der Abdichtung vom Untergrund stets gewährleistet. Wie bei der Verbundabdichtung sollte auch hier ein schnell abbindendes Klebersystem mit Kunststoffvergütung verwendet werden, da die Entkopplungsschicht, Naht- und Stoßverbindungen sowie keramische Beläge möglichst schnell und weitgehend witterungsunabhängig verklebt werden müssen. 

Die Entkopplungs- und Abdichtungsvariante ist nicht durch das neue ZDB-Merkblatt „Außenbeläge“ geregelt. Sie fällt in den Bereich Sonderkonstruktionen und muss mit dem Auftraggeber im Bauvertrag gesondert vereinbart werden.

Flexschlämmen sorgen für eine witterungsunabhängige Durchtrocknung

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