Baustellenabfälle aus Steinwolle recyceln

In Leipzig-Grünau realisiert die Wohnungsbau-Genossenschaft Kontakt die Kernsanierung eines Gebäudes, das 1984 in Plattenbauweise errichtet wurde.  Es entsteht eine energetisch zeitgemäße Wohnanlage. Der Baustellenabfall wurde durch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Rockwool verringert.

Die Wohnungsbauserie WBS 70 war das am weitesten verbreitete Plattenbausystem der DDR. Entwickelt wurde es Anfang der 1970er-Jahre unter anderem von der Deutschen Bauakademie und der Technischen Universität Dresden. In Leipzig (An der Kotsche 43-73) wurden 246 Wohnungen in fünf Baukörpern mit WBS 70 errichtet. Sie gruppieren sich um einen gemeinsamen Innenhof. Nach ihrer Kernsanierung sollen hier den Mitgliedern der WBG Kontakt e.G. immer noch mehr als 200 Ein- bis Fünfraumwohnungen zur Verfügung stehen. Die meisten von ihnen werden barrierearm, manche rollstuhlgerecht sein.

Im Zuge der energetischen Optimierung wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem auf der Basis von 100 Prozent nichtbrennbarer Steinwolle versehen und die innenliegenden Lüftungsanlagen im Gebäude mit einer Wärmerückgewinnung ausgerüstet.

Entkernt für neue Wohnungstypen

Innenliegende und auf  Wohnebene haltende Aufzüge sowie ebenerdige Zugänge zu den Häusern und den Wohnungsbalkonen, aber auch breite Innentüren und entsprechend eingerichtete Bäder sind Merkmale der Wohnungen, die für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit eingerichtet werden. „Vor allem, um viele barrierearme und einige rollstuhlgerechte Wohnungen anbieten zu können, haben wir tiefe, auch baukonstruktive Eingriffe in die Bausubstanz aus den 1970er-Jahren vorgenommen“, erklärt Uwe Rasch, Vorstand Technik der WBG Kontakt e.G. Neben den seniorengerechten Wohnungen entstehen bezahlbare, große Wohnungen für Familien.

Nachhaltig bauen und dämmen

Für Sicherheit und einen langfristigen Werterhalt hat die WBG Kontakt e.G. auch durch die Auswahl der verarbeiteten Baustoffe gesorgt. Hardy Frellstedt von der Baureparaturen Leipzig West GmbH, einem langjährigen Partner der WBG Kontakt e.G., befürwortete die Entscheidung seines Auftraggebers für ein Wärmedämmverbundsystem mit Steinwolle von Rockwool auch deshalb, weil dieser Hersteller über ein funktionierendes Recycling-System verfügt. „Der Baustellenverschnitt wird über das System Rockcycle in ein Rockwool-Werk zurückgeführt und dort in der Produktion von gleichwertiger, neuer Dämmung wiederverwertet“, berichtet er. „Das finden wir wichtig.“

Der durch die Fassadendämmung verbesserte Wärmeschutz senkt nach Berechnung der Energieberater im Projektteam die Mietnebenkosten so weit ab, dass die Mehrkosten für den Betrieb der neuen Aufzüge nahezu kompensiert werden können. „Das ist ein für uns wichtiger Aspekt, denn schließlich sollen den zukünftigen Mietern gemessen am Komfort günstige Mieten garantiert werden“, erklärt Kontakt-Vorstand Rasch.

Mehr Platz im Grünen

Das Farbkonzept des Architekturbüros Domke für die Fassade mit großen weißen oder zartgrauen Flächen und kräftig sonnengelben Akzenten im Sockelbereich und den Fensterlaibungen verleiht dem großen Gebäude eine freundliche Ausstrahlung. In Kombination mit einem begrünten Innenhof wird die sanierte Anlage ein gutes Beispiel dafür sein, wie das Leben in der Stadt attraktiv und bezahlbar bleibt.

Die Mehrzahl der Wohnungen verfügt jeweils über einen mit 350 x 200 cm außergewöhnlich großen Balkon, der durch eine doppelflügelige Terrassentür barrierefrei zu erreichen ist. 39 Stellplätze bietet ein neues Parkdeck im Innenhof, dessen Dach als zusätzliche Freizeitfläche genutzt werden kann.

Schon seit Oktober 2020 wurden die ersten komplett sanierten Wohnungen des Gebäudes bezogen. Drei der insgesamt fünf Bauabschnitte sind fertigstellt. Vollständig abgeschlossen sind die Bauarbeiten im Sommer dieses Jahres.

Bewährter Partner für WDV-Systeme

Von Oktober 2019 bis September 2020 waren im Schnitt 15 Mitarbeiter der Baureparaturen Leipzig West GmbH – kurz BRW – ständig vor Ort, um die Fassaden An der Kotsche zu dämmen und zu gestalten.  „Die Zahl der Anfragen nach einer Ausführung mit Steinwolle wächst vor allem in den vergangenen Jahren rasant“, berichtet Hardy Frellstedt, der den Einsatz An der Kotsche organisierte. „Man kann schon sagen, dass der Trend immer mehr hin zur Wolle und weg vom Polystyrol geht.“

„Coverrock II“ für den schnellen Baufortschritt

An der Kotsche verarbeitete die BRW das WDVS „Sto Term Mineral“ mit der Dämmplatte „Coverrock II“ von Rockwool, einer nichtbrennbaren Putzträgerplatte aus Steinwolle in der Wärmeleitfähigkeit 035. Durch eine hoch verdichtete Oberlage gewährleistet sie eine hervorragende Putzhaftung und erleichtert die Verdübelung. Rund 12 000 m2 der „Coverrock II“ wurden direkt auf die Baustelle geliefert. Zwischen fünf und zehn Prozent des Materials bleiben auf einer Baustelle wie dieser nach Zuschnitt der Dämmplatten als nicht verarbeitbare Reststücke zurück. „Schade drum, wenn man die nur auf die Mülldeponie fährt“, sagt Frellstedt.

Recycling von Steinwolle-Verschnitt

Dass Baustellenabschnitte der Dämmung von der Deutschen Rockwool zurückgenommen und vollständig recycelt werden, begeistert den Bauprofi deshalb auch ganz persönlich: „Rockcycle ist eine spitzenmäßige Sache. Als Verarbeiter ist man ja derjenige, der sich um die Entsorgung der Dämmstoffreste kümmern muss und das wird immer schwieriger und teurer, weil nicht alle Deponien alles annehmen und die Gebühren ständig erhöht werden. Das muss man mit einkalkulieren. Die Auftraggeber staunen nicht schlecht über die hohen Kosten für die Entsorgung von ja im Grunde intaktem Material. Wenn Dämmplatten angeliefert werden, geht der Verschnitt im gleichen Lkw zurück ins Werk, wo das Material wieder für die Produktion neuer Steinwolle genutzt wird. Steinwolle passt  in unsere Zeit, in der viel mehr Menschen als früher über den Umgang mit natürlichen Ressourcen und den Schutz der Umwelt nachdenken.“

Autor

Markus Schröder ist Senior Product Manager bei der Deutschen Rockwool GmbH in Gladbeck.

Baubeteiligte

Bauherr Wohnungsbau-Genossenschaft Kontakt e.G., Leipzig, www.wbg-kontakt.de
GU/Bauleitung Köster GmbH, Osnabrück, www.koester-bau.de
Architekten Architekturbüro Domke, Markkleeberg, www.domke-architektur.de
Fassadendämmung BRW Baureparaturen Leipzig-West, Leipzig, www.brw-leipzig.de WDVS-System Sto AG, Stühlingen, www.sto.de
Dämmstoff-Fachberatung Deutsche Rockwool, Gladbeck, www.rockwool.com

Die sieben Stärken der Steinwolle

1. Maximaler Brandschutz

Steinwolle brennt nicht, entwickelt keinen giftigen Rauch und tropft nicht ab. Das Dämmsystem MW A1 von Heck wurde als erstes WDVS in die höchste Brandschutzklasse A1 eingestuft.

2. Natürlicher Rohstoff

Aus nur einem Kubikmeter natürlichem Basaltgestein lassen sich rund einhundert Kubikmeter Steinwolle-Dämmstoffe erzeugen. Sie sparen während der Nutzungsdauer im Durchschnitt über das Hundertfache an Energie und CO2 ein, als für Herstellung, Transport und Entsorgung nötig sind.

3. Recycelbar

Schon bei der Herstellung des Steinwolle-Dämmstoffs werden 96 Prozent der Steinwollreste wiederverwertet. Rockwool bringt den Steinwolle-Baustellenverschnitt zur Wiederverwertung zurück in eines der drei eigenen Werke in Gladbeck, Flechtingen oder Neuburg. Der Baustellenverschnitt ist in der Regel sortenrein. Genau heißt es: „Sortenrein – ohne sperrige Werkstoffe.“ Unter „sperrige Werkstoffe“ versteht man Holz, Metalle, Mauerwerk. Rockwool kann nur die selbst hergestellten alten Dämmstoffe dem Recycling zuführen. Die Steinwolle wird in kleine Stücke gerissen und in einer Mühle gemahlen. Damit die Steine später gut zusammenhalten, ist eine bestimmte Korngröße erforderlich, etwa einen halben Zentimeter. Bei der manschinellen Zerkleinerung werden Fremdstoffe, wie Verpackung, separiert. Die Steinwollemasse wird in Form gepresst. Es entstehen graue Briketts, jedes 10 cm breit,12 cm hoch und etwa 1 kg schwer. Ehe die Recycling-Steine zu neuer Steinwolle eingeschmolzen werden, müssen sie noch zwei bis drei Tage in einer Halle trocknen.

4. Schutz vor Schall, Kälte und Hitze

Der Schall kann um über 50 Dezibel minimiert werden. Das natürliche Material sorgt für ein besseres Raumklima, spart Kosten beim Heizen und Kühlen.

5. Schön verpackt

Vielfalt bei der Fassadengestaltung: Ob klassischer Oberputz, Kratzputz, Riemchen, Naturstein oder Holzoptik, auf Steinwolle-WDVS lassen sich fast alle Oberflächen gestalten.

6. Höherer Immobilienwert

Ein Steinwolle-WDVS hält mindestens 40 Jahre und steigert den Wert der Immobilie. Durch geringere Energiekosten lassen sich Gebäude besser vermieten und profitabler verkaufen.

7. Steuerlich absetzbar oder direkt gefördert

Die Wärmedämmung von Außenwänden ist steuerlich absetzbar. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert energetische Sanierungen mit zinsgünstigen Krediten (Programm 152) und Investitionszuschüssen (Programm 430).

Quellen: www.der-daemstoff.de (Fachverband Mineralwolleindustrie Berlin)

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