Geschlossene Systeme Auf das richtige Material kommt es bei der luftdichten Verklebung an

Die Gefahr von Feuchteschäden und Wärmeverlust kann bei jedem Sanierungs- oder Neubauvorhaben bestehen. Die Ursache findet sich aber nicht nur in einer unzureichenden Planung und Berechnung der Bauteile, sondern häufig auch in einer mangelhaften Materialauswahl und Ausführung bei Luftdichtheitsschichten.

Messungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP) Stuttgart haben ergeben, dass bei einer Fuge von nur 1 mm Breite und 1 m Länge pro m2 Dämmfläche der Wärmeverlust 4,8-mal höher ist als bei einer luftdichten Gebäudehülle. Außerdem dringen durch solch eine Fuge in der Luftdichtheitsschicht pro Tag 800 g Feuchtigkeit in die Wärmedämmung ein. Zu viel, um beispielsweise im Dach über eine Hinterlüftung abtransportiert zu werden.

Gelangt zu viel Wasserdampf in die Dachkonstruktion, kommt es zum Tauwasserausfall – dort, wo er in der Regel nicht bemerkt wird, versteckt hinter der Beplankung im Dämmstoff und an den Dachsparren. Obwohl die Wichtigkeit der Luftdichtheit in Bezug auf die Effektivität von Wärmedämmungen und der Bauschadenfreiheit mittlerweile weitgehend unumstritten ist, wird noch zu selten darauf geachtet, eine Abdichtung angemessen dauerhaft zu planen und auszuführen.

Beständigkeit ist ein Muss

In Sachen Dauerhaftigkeit legt der Bauschadensforscher Prof. Dr.-Ing. Rainer Oswald vom Aachener Institut für Bauschadensforschung (AiBau) ganz klare Anforderungen fest: „Eine Luftdichtheitsschicht muss so lange halten, wie die sie umgebenden Bauteile. Ist die Luftdichtheitsschicht zum Beispiel innerhalb einer Dach- oder Deckenkonstruktion eingebaut, muss sie die technische Lebensdauer der Dach- oder Deckenkonstruktion haben, die hier mit Sicherheit bei 50 Jahren liegen dürfte. Es kann nicht erwartet werden, dass zur nachträglichen Ausbesserung einer unbrauchbar gewordenen Luftdichtheitsschicht ein Haus nach 20 Jahren aufgebrochen wird, um diese zu erneuern.“

Daraus folgt: Materialien und Materialverbindungen, die für die Luftdichtheit sorgen, müssen nicht nur bis zum Blower-Door-Test, sondern über Jahrzehnte ihre Arbeit zuverlässig verrichten, damit Gebäude schadenfrei bleiben.


Momentaufnahme BlowerDoor-Test

Wenn am Ende der Bauarbeiten das Haus für den BlowerDoor-Test buchstäblich unter Druck gesetzt wird, die Messungen der Luftwechselraten im tolerierbaren Bereich liegen und auch nach gründlicher Suche keine größeren Leckagen gefunden wurden, wird eine mängelfreie Ausführung angenommen. Der BlowerDoor-Test ist aber eher eine Momentaufnahme und damit noch lange keine Versicherung für die Zukunft. Leckagen können auch nach Monaten oder Jahren durch das Versagen von Materialverbindungen auftreten. Falsche Materialkombinationen und kritische Anschlusslösungen an Bauteilen sind meist die Ursachen. Dabei muss nicht einmal eines der tatsächlich in der Praxis festgestellten Baupfusch-Szenarien zugrunde liegen, in denen einfaches Paketklebeband zur Folienverklebung genutzt oder Montageschaum zum vermeintlichen Abdichten größerer Fugen verwendet wurde.

Schon kleinere Fehlgriffe genügen, um die langfristige Bauschadenfreiheit in Gefahr zu bringen. Es reicht beispielsweise nicht, beim Verkleben von Dampfbremsbahnen darauf zu achten, ob das verwendete Klebeband eine hohe Anhaftkraft aufweist und beim Ausprobieren auf der Baustelle einen sicheren Eindruck macht. Unter Einwirkung von Temperaturschwankungen, Änderungen der Luftfeuchtigkeit und mechanischen Belastungen können Klebstoffe schon nach kurzer Zeit ein hohes Maß an Leistung verlieren. Selbst hochwertige Klebebänder können dann nachgeben und Undichtheiten an Folienüberlappungen oder Wandanschlüssen hervorrufen. Grundsätzlich gilt daher, dass nur aufeinander abgestimmte Systemkomponenten die Funktionstüchtigkeit einer Luftdichtheitsschicht langfristig sichern. Daher sollte bei der Planung und Ausführung der luftdichten Ebene ein geschlossenes, aufeinander abgestimmtes System verwendet werden.


Luftdicht-Dämmsysteme

Systeme zur Herstellung von luftdichten Ebenen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Komponenten und Materialverbindungen mehrstufigen Prüfungen unterzogen wurden, um ihre langfristige Funktionstüchtigkeit zu klären. Beispielsweise lässt der Dämmstoffhersteller Knauf Insulation sein Luftdicht-Dämmsystem LDS beim Fachgebiet Bauphysik der Universität Kassel überprüfen. Das Institut simuliert Belastungen des üblichen Einsatzes der Systemkomponenten über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten. Mit einem Zertifikat wird bescheinigt, dass Materialien und Materialverbindungen über 50 Jahre halten.

Außerdem gewährleisten solche geschlossenen Systeme, dass für unterschiedliche Einsatzzwecke stets das passende Zubehör zur Verfügung steht – sei es zum Grundieren der Oberflächen vor der Verklebung, zum Verkleben von Dampfbremsbahnen innen und außen, zum Abdichten von Durchdringungen an Balken und Rohren, dem Führen von Kabeln durch die luftdichte Ebene oder zur Herstellung des Anschlusses an Dachfenster.

Die am Markt verfügbaren Luftdicht-Dämmsysteme können die Arbeit daher nicht nur komfortabler machen, sondern in erster Linie Sicherheit geben, da Schäden vermieden werden, die grundsätzlich auch zu Ersatzansprüchen führen können.

Führen von Rohren durch die luftdichte Ebene

Das Beispiel eines Rohres, das durch die Luftdichtheitsschicht geführt werden soll, zeigt deutlich die Vorteile eines Dichtsystems und seines Zubehörs. Um ein Rohr durch die Dampfbremsbahn zu leiten, wird die Folie sternförmig eingeschnitten. Die Rohrleitung kann daraufhin durch die Folie geführt werden. Versuche, die Durchdringung nun alleine mit Klebebändern zu verkleben, bergen die Gefahr unentdeckter oder verspätet auftretender Leckagen durch das Ablösen oder Verziehen von Überklebungen. Eine Manschette, die das Rohr passgenau umschließt, ermöglicht es, sämtliche zu überklebenden Stellen linear, mit geraden Klebeband-Bahnen abzudichten.

Balkendurchdringungen und Fenster-Anschlüsse

Durchdringen Balken die luftdichte Ebene, sollten flexible Klebebänder genutzt werden, die die Ausformung von Kanten erlauben. Auch beim Anschluss der Dampfbremse am Fenster müssen Handwerker darauf achten, dass sich das eingesetzte Klebeband genau an die Form des Rahmens anpassen lässt. Spezielle, besonders flexible Bänder können nach der Grundierung der Balken exakt angesetzt werden. So kommt es nicht zu kleinen Leckagen oder nur schwach verklebten Punkten an Ecken und Kanten. Klebebänder mit einem getrennten Abdeckpapier erleichtern die Arbeit, da das Klebeband erst an der Dampfbremse und dann am abzudichtenden Bauteil befestigt werden kann.

Außen-Verklebungen

Bei der Dachsanierung von außen sollten speziell für dieses Aufgabengebiet abgestimmte Klebstoffe und Klebebänder zum Einsatz kommen. Niedrige Temperaturen im Winter und ständige Belastung durch Feuchtigkeit können die Leistung von Materialien, die für Innenräume gedacht sind, stark einschränken. Insbesondere die Klebstoffrezeptur von Dichtklebern und Klebebändern hat einen starken Einfluss darauf, ob die Produkte außen dauerhafte eine Luftdichtheit sicherstellen.

Eine Luftdichtheitsschicht muss so lange halten, wie die sie umgebenden Bauteile

Schon kleinere Fehlgriffe genügen, um die langfristige Bauschadenfreiheit in Gefahr zu bringen

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