Ich lese Bauhandwerk, weil ... Die besten Handwerker im Portrait, Teil 8: Kramp & Kramp GmbH

Die Antwort auf die Frage, was als Grundlage für geschäftlichen Erfolg unverzichtbar ist, fällt bei den Brüdern Andreas und Guido Kramp eindeutig aus: Die Begeisterungsfähigkeit für die eigene Arbeit. Gemeinsam führen sie die Geschäfte der Kramp & Kramp GmbH + Co. KG in Lemgo, ein fortschrittlich orientiertes Familienunternehmen, das sich ganz auf die Arbeit in der Altbausanierung und der Baudenkmalpflege spezialisiert hat und deutschlandweit an renommierten und anspruchsvollen Bauprojekten beteiligt ist.

„Bei mir ist es die Liebe zur historischen Bausubstanz, zu alten Bauteilen gewesen – da schlägt das Herz höher“, erklärt Andreas Kramp (47) seine Entscheidung, als Baumeister und geprüfter Restaurator im Maurerhandwerk Anfang der 1990er Jahre den väterlichen Baubetrieb zu übernehmen. Dafür hatte er es in Kauf genommen, die Sicherheit einer Anstellung im öffentlichen Dienst aufzugeben: „Eine Arbeit mit festem Salär, aber eben auch langweilig.“

Den Arbeitsbereich der Holzrestaurierung hatte der Vater, Maurermeister Georg Kramp, der das Familienunternehmen 1964 gründete, kurz zuvor an Guido Kramp, Tischlermeister und geprüfter Restaurator im Tischlerhandwerk, übertragen. An den Restaurierungs- und Altbausanierungsarbeiten schätzt der 39-Jährige vor allem die stets unterschiedlichen Herausforderungen, die jedes einzelne Projekt mit sich bringt.

Der Neubausektor ist für die Brüder Kramp schon lange kein Thema mehr: „Meinen letzten Neubau habe ich im Jahr 2000 beendet. Das war mein eigenes Haus“, erinnert sich Andreas Kramp. „Von da an lautete die Devise: Kramp baut keine neuen Häuser mehr, und wir haben uns zu 100 Prozent auf Sanierung und Restaurierung konzentriert.“ Ein Arbeitsfeld, das „absolut mehr Spaß macht“, wie Bruder Guido bekräftigt. Preistreiberei, Billigangebote und die steigende Tendenz zur Fertigbauweise ließen die Neubautätigkeit für Kramp & Kramp immer weniger wirtschaftlich sinnvoll erscheinen. „Außerdem wurde die Arbeit immer unhandwerklicher“, so Guido Kramp, „das war nicht gerade die Erfüllung für uns.“

 

Alles aus einer Hand

 

Ihre beiden eigenständigen Firmen, Tischlerei-Zimmerei G. Kramp und Bauunternehmen A. Kramp, stellten die Brüder schließlich unter das gemeinsame Dach der Kramp & Kramp GmbH + Co. KG, um ein 1999 entwickeltes Konzept, alle Leistungen zukünftig aus einer Hand anzubieten, konsequent umzusetzen.

„Die meisten Handwerker-Kooperationen laufen nicht so richtig rund und sind für den Kunden schwer überschaubar. Das wollten wir anders machen“, erläutert Guido Kramp: „Vorher mussten wir dem Auftraggeber bei einem Projekt schon mal zehn bis fünfzehn Angebote überreichen, und am Ende kommen dann die einzelnen Rechnungen – da wird man als Kunde ja verrückt! Heute erledigen wir rund 75 Prozent der Aufträge in der Altbausanierung mit eigenen Mitarbeitern und unsere Kunden bekommen einen Ansprechpartner, der für alles zuständig ist.“

Kramp & Kramp schnüren ihren privaten und öffentlichen Auftraggebern ein vollständiges Paket von der Beratung und den Planungsarbeiten bis hin zu Bauleitung und Durchführung.

Der Leistungskatalog des Unternehmens ist entsprechend umfangreich: „Einfacher ist es, aufzuzählen, was wir nicht ausführen, nämlich haustechnische Gewerke und Dachdeckerarbeiten“, sagt Andreas Kramp. Alles andere fällt in den Zuständigkeitsbereich der eigenen Firma. Daher gehören zu der mittlerweile 50-köpfigen Belegschaft Tischler, Maurer, Stuckateure und Schornsteintechniker ebenso wie Zimmerer, Maler, Steinmetze, Lehmbauer und Lehmputzer.

Auch bei der Bandbreite der handwerklichen Leistungen ergibt sich folgerichtig eine lange Liste an Spezialaufgaben, die Kramp & Kramp professionell ausführen können: Sei es nun Altbausanierung, Fachwerkrestaurierung, die Instandsetzung oder auch Rekonstruktion historischer Fenster und Türen, Innenausbau und Innenraumsanierung, Holz und Bautenschutz, Stein- und Stuckarbeiten, Lehmbau und Lehmputz, Fassadenreinigungsverfahren oder statische Bauwerkssicherung – für jede dieser Aufgaben können Kramp & Kramp auf Fachkräfte in den eigenen Reihen zurückgreifen. Auch was Größe und Arbeitsumfang der Projekte angeht, deckt das Unternehmen eine große Bandbreite ab: Auch hier machen Kramp & Kramp von der Einstellung einer alten Tür bis zur Restaurierung eines Schlosses fast alles. Damit die Qualität der Arbeit der Vielseitigkeit nicht nachsteht, werden die Mitarbeiter regelmäßig geschult und belegen fachliche Ausbildungsgänge.

 

Für spezialisierte Generalisten gibt es viel zu tun

 

„Praktisch sind wir beide selbst nicht mehr tätig. Das schaffen wir gar nicht mehr“, erläutert Guido Kramp. „Wir sind voll ausgelastet mit Akquise, Beratung und Bau-überwachung. Dazu kommen Angebote, Ausschreibungen und alles, was sonst noch in den Geschäftsleitungsbereich fällt.“ „Deshalb müssen wir Verantwortung teilen können“, ergänzt Bruder Andreas, „dazu müssen wir natürlich vollstes Vertrauen in die fachlichen Fähigkeiten unserer Mitarbeiter haben.“

Über die derzeitige Auftragslage können sich die Brüder Kramp nur freuen: „Die Auftragsbücher sind voll, wir sind im Moment sehr zufrieden“, verrät Guido Kramp. Die Maurer sind noch bis Ostern beschäftigt und im Holzbereich ist sogar für die kommenden sieben Monate kein Mangel an Arbeit. Die über das ganze Bundesgebiet verteilten Bauprojekte sind auf einer Landkarte im Besprechungsraum der Firma mit kleinen verschiedenfarbigen Fähnchen markiert, die von Nord nach Süd in schöner Regelmäßigkeit verteilt sind. Von Langeoog bis Wiesbaden sind die Mitarbeiter von Kramp & Kramp tätig. Auf Langeoog zum Beispiel lautete der Auftrag, einen Wasserturm innerhalb von zehn Wochen zu sanieren, damit das Wahrzeichen der Insel zu seinem 100. Geburtstag in diesem Jahr wieder in bester Verfassung präsentiert werden kann. Für die Leibniz-Universität in Hannover wurden Kramp & Kramp mit der Restaurierung von rund 100 historischen Fenstern beauftragt, die gleiche Aufgabe hatte der Lemgoer Betrieb beim Wiederaufbau des Neuen Museums in Berlin erhalten. „Das war eine große Herausforderung – es ist dann schon ein großartiges Gefühl, wenn das eigene Werk, an dem man zweieinhalb Jahre gearbeitet hat, zur Endabnahme ansteht und man stolz sein kann auf das Endergebnis“, findet Guido Kramp.

 

Historische Technik modern präsentiert

 

In Sachen Marketing verhält sich das Familienunternehmen eher zurückhaltend. „Aktives Marketing betreiben wir nicht“, sagt Andreas Kramp. Kontakte werden auf Messen und Denkmalpflegetagen geknüpft. Einen detaillierten Überblick für interessierte Kunden bieten die Internetseite und der aktuelle Leistungskatalog. „Das wichtigste Marketinginstrument bei privaten Auftraggebern ist sowieso die Empfehlung durch Mundpropaganda und danach kommt erst mal lange Zeit nichts“, sagt Andreas Kramp. Bei den Bewerbungen für öffentliche Teilnahmewettbewerbe hingegen müsse man seine Qualitäten durch „lupenreine Firmenunterlagen“ herausstellen können. „Da wird rigoros die Spreu vom Weizen getrennt“, weiß sein Bruder Guido, „am Ende bleiben immer nur eine Handvoll Bewerber übrig, die ihr Angebot abgeben können.“ Um solche Aufträge zu bekommen müsse man stets ganz genau über aktuelle Preistendenzen und technische Standards auf dem Laufenden sein. Derartig auf hohem Niveau vorbereitet, können Kramp & Kramp dann auch ein simpel klingendes Erfolgsrezept zur Anwendung bringen; nämlich „immer noch ein bisschen mehr leisten, als der Wettbewerber!“

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