Leichte „Kulisse“ im Hotelrestaurant

Die Renovierungszyklen haben sich in der Gastronomie enorm verkürzt. Bei der Neugestaltung des Restaurants Calla im Steigenberger Hotel in Hamburg wurde viel Wert auf eine wandelbare und hochwertige „Kulisse“ gelegt. Hierfür bot der Trockenbau ein großes Kreativpotenzial.

Der Restaurantbereich exklusiver Hotels wird mittlerweile in viel knapperen Zeiträumen modernisiert und umgestaltet als die Hotelzimmer selbst. Alle paar Jahre ist hier ein neues Ambiente gefragt. Am besten eines, das Morgenmuffel beim Frühstücken genauso inspiriert wie Geschäftsleute beim Lunch und Touristen beim Candlelight-Dinner.

Der Raum passt sich seinen Aufgaben an

Im Speiserestaurant Calla des Steigenberger Hotels in Hamburg ist den Innenarchitekten vom Büro JOI Design genau dieses Kunststück gelungen. Mehr noch: Morgens ist das Calla ein Frühstücksraum, mittags speisen hier die Tagungsgäste des Hauses und abends verwandelt es sich in ein Abendrestaurant. Bestuhlung und Atmosphäre wechseln mit den Aufgaben, das Design des Raums bleibt gleich.

Verantwortlich für das besondere Ambiente des Restaurants ist eine Wand- und Deckenlandschaft in Trockenbauweise. Eine geschwungene Wandscheibe mit einer nach unten springenden, den Wandverlauf fortführenden Deckenschürze schirmt den Buffetbereich ab. Zwei gekrümmte Trockenbauschalen mit 11,5 beziehungsweise 3,5 m Länge gliedern den Speisesaal in verschiedene Zonen. Bei Bedarf lassen sich die so strukturierten Bereiche mit Vorhängen ganz vom restlichen Raum abtrennen. Im ungenutzten Zustand hingegen verschwinden diese Vorhänge in an den Enden der Trockenbauschalen aus Knauf-Formplatten hergestellten Wandtaschen. Die beiden Wandschalen im Speisebereich sind als freistehende Zweifachständerwände konzipiert, die geschwungene Wandschale im Buffetbereich wurde hingegen als Einfachständerwand ausgeführt. Alle drei Schalen sind mit 6 mm dicken Formplatten jeweils dreifach beplankt.

Vorfertigung der Trockenbauteile

Dem Verlauf der Trennwände folgen Deckengräben aus gekrümmten, in Falttechnik hergestellten Formteilen unterschiedlicher Höhenniveaus mit integrierten Downlights. Die Gräben wurden im Werk der Firma Knauf in Iphofen mit bauseitig vorgegebenem Radius gefertigt und von der UTS Hahn GmbH, welche die Montage der Wände, Decken, Formteile und Deckensegel ausführte, im Restaurant montiert.

An diese Gräben schließt sich eine abgehängte Decke aus 12,5 mm Bauplatten an. In der Speisezone setzen unterschiedlich große Leuchten, die in kreisförmige Vertiefungen mit verschiedenen Radien in der Decke eingelassen wurden, Akzente. Die für diese Konstruktion nötigen Bauteile wurden ebenfalls bei Knauf aus 2 x 6 mm Formplatten vorgefertigt und jeweils zusammen mit den angrenzenden 12,5 mm GKB-Platten in Form von Halbschalen auf der Baustelle angeliefert.

Deckensegel mit ausgefeilter Unterkonstruktion

Die Zone entlang der Fassade akzentuieren vier aneinander gereihte, konvex und konkav gebogene Deckensegel. Sie gliedern den sich über mehrere Stockwerke erstreckenden Bereich in höhere und niedrigere Abschnitte und schirmen das im Souterrain direkt am Fleet gelegene Restaurant vom Lärm der eine Etage höher angeordneten Lounge ab.

Basis der Segel ist eine ausgefeilte Unterkonstruktion. Das Grundgerüst besteht aus je zwei konvex und konkav in Längsrichtung gebogenen UA-50-Profilen. Quer zu den Grundprofilen liegen oben und unten aussteifende Roste aus im Abstand von jeweils 30 cm verlegten CD-60/27-Profilen (oben) und ebenfalls im Abstand von 30 cm montierten UA-50-Profilen (unten). Zwischen dieses Gerüst zogen die Trockenbauer eine Folie sowie 40 mm Dämmung ein. Um die Trockenbau-Beplankung befestigen zu können, stülpten sie eine weitere Lage aus UW-50 Profilen über die unten montierten UA-50-Profile. Die Seitenbereiche der Deckensegel wurden mit L-förmigen Formteilen aus 12,5 mm GKB-Platten beplankt, die Ober- und Unterseite mit Cleaneo Akustik Lochplatten bekleidet. Diese wurden zunächst gespachtelt und mit Vlies beklebt und schließlich mit Akustikputz gespritzt – um nun als optisch und schalltechnisch wirksame Raumteiler zur besonderen Atmosphäre des Calla beizutragen.

Wandgestaltung in kleinen Wogen

Wer unter diesen Segeln sitzt, sitzt direkt am Wasser. Durch die Glasfassade fällt der Blick auf den am Haus vorbeiführenden Alsterfleet: Welle um Welle spiegelt sich an den Wänden des Restaurants wider. Genauer gesagt an zwei insgesamt 18 m langen Wandstücken, welche die Stuckateure der O. Werner & Söhne GmbH & Co. KG nach den Vorstellungen von JOI Architekten in ein Meer aus kleinen Wogen verwandelten, die das Hanseatische Flair perfekt repräsentieren. Statt auf Wasser setzten die Spezialisten für ihr Kunstwerk allerdings auf Knauf Rotband, der auf zwei freistehenden Trockenbauwänden – eine lang gestreckte und eine gebogene Wand – aus einem mit zwei Lagen Bauplatten beplankten Metallständerskelett modelliert wurde. Die Plattenstöße wurden zunächst mit Gewebe überspannt, dann die kompletten Wände mit Quarzsand-Grundierung gestrichen. Im Anschluss verputzten die Monteure diesen Untergrund mit einem Haftputz und modellierten mit einer selbst gebauten Schablone – frei von der Hand – Wellen in die langsam trocknende Masse. Zuletzt wurde das Relief mit Fein-spachtel von VG-Orth gespachtelt, geschliffen und mit abwaschbarer Dispersionsfarbe gestrichen – und bildet seither ein perfektes optisches Gegengewicht zum vorbei fließenden Fleet.

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