Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der besondere Charme umgenutzter Gebäude besteht im Nebeneinander von Alt und Neu. Steht das Gebäude unter Denkmalschutz, liegt noch einmal mehr ein besonderes Augenmerk auf dem Erhalt der Bausubstanz, was aber nicht heißen soll, dass man dem Alten nichts Neues hinzufügen darf. Im Gegenteil: Auch den Denkmalbehörden ist es oft sogar lieber, wenn das neu Hinzugefügte sich deutlich im Material und in der Formensprache vom Historischen unterscheidet.

Manchmal ist jedoch vom ursprünglichen Gebäude nur noch wenig original erhalten oder die Bausubstanz ist so marode, dass man sie nicht mehr retten kann. Wie ab Seite 18 in dieser Ausgabe der bauhandwerk zu sehen, bauten die Architekten vom Büro Schmidlin die alte Dorfschüür in Würenlingen zur Kulturscheune um und fügten dem Bestand aus dem 18. Jahrhundert einen modern gestalteten Holzanbau hinzu. Natürlich war es auch hier das Ziel, möglichst viel von der Bausubstanz zu erhalten. Aber der Dachstuhl und Teile des Mauerwerks waren so marode, dass sie nicht mehr gerettet werden konnten und durch neue Bauteile ersetzt werden mussten. So ist der weit überwiegende Teil der ehemaligen Dorfschüür von einem Neubau durchdrungen.

Noch deutlicher fällt der Anteil des neu Hinzugefügten beim Mitte vergangenen Jahres in Berlin eröffneten „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ins Auge: Von außen sieht man ein Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit aus der Mitte der 1920er Jahre, innen einen Sichtbetonbau. Wie ab Seite 12 zu sehen, bauten die Handwerker nach Plänen des Architekturbüros Marte.Marte in die Hülle des im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstörten und in den 1960er Jahren vereinfacht wiederaufgebauten Gebäudes einen Neubau hinein. Spektakulär ist die Wendeltreppe aus Beton, die sich vom ersten Obergeschoss durch die Sichtbetondecke ins zweite Obergeschoss schraubt. Fast alles ist hier aus Beton, der bekanntermaßen nicht brennt. Das soll aber nicht heißen, dass der Brandschutz im Berliner Dokumentationszentrum keine Rolle gespielt hat. Aber wenn von der originalen Bausubstanz noch recht viel erhalten ist, wie dies beim Umbau eines Spitals in Passau nach Plänen des Büros ATP architekten ingenieure in eine Pflegeschule der Fall war, dann kommt dem Brandschutz noch einmal eine ganz besondere Bedeutung zu. Wie ab Seite 48 in diesem Heft zu sehen, stellten die Handwerker die Brandschutzabschnitte mit Fenster- und Türelementen mit hohem Glasanteil her. So können die Schüler auch im ehemaligen Spital sicher im historischen Ambiente lernen.

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht

Manchmal ist vom ursprünglichen Gebäude nur noch wenig original erhalten oder die Bausubstanz ist so marode, dass man sie nicht mehr retten kann
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