Made in Germany
Zunftbekleidung, die sich nicht so einfach kopieren lässt

Das Handwerk hat in Deutschland eine lange Tradition. Vor allem Zimmerleute und Maurer fühlen sich den Bräuchen der im Mittelalter entstandenen Zünfte bis heute verbunden. Erkennbares Zeichen ist die Zunftbekleidung. Dass sie sich bis heute so großer Beliebtheit erfreut, hat nicht nur mit Traditions­bewusstsein, sondern vor allem mit Qualität zu tun. Zunftbekleidung „Made in Germany“ hält, was sie ver­spricht, auch wenn in Asien gefertigte Ware auf den ersten Blick keinen Unterschied erkennen lässt.

Die Kluft der Zimmerer ist klaren Regeln unterworfen. Hose, Weste, Jacke und Hut – ihre wesentlichen Bestandteile – sind schwarz. Weiß schimmern die Perlmuttknöpfe an Weste und Jacke, die mehr als Schmuck als zum Knöpfen dienen. Im Kontrast dazu steht das blütenweiße Hemd: „Staude“ genannt.

Ebenso wichtig wie die Gestaltung ist die Funktionalität: Hose, Jacke und Weste werden stark beansprucht und müssen demzufolge extrem reiß- und scheuerfest sein. Darüber hinaus haben sie den Zunftarbeiter, der jedem Wetter ausgesetzt ist, vor Kälte, Wind und Regen zu schützen. Dies stellt hohe Anforderun­gen an Garn- und Webkonstruktion sowie die Herstellung der Kleidungsstücke.

 

Traditionell gefertiger

Zwirn- und Dreidrahtcord

 

Bis heute ist schwerer Cord neben Dreidraht-Deutschleder und Zwirn-Doppelpilot das Gewebe, das diese Kriterien in ihrer Gesamtheit am besten erfüllt. Der geschnittene Rippensamt wurde Ende des 18. Jahrhunderts erstmalig hergestellt. Im Zuge der Industrialisierung und der damit verbundenen fertigungstechnischen Entwicklungen wurde es möglich, die Bindung weiter zu verstärken und das Warengewicht zu erhöhen. Der Cordhersteller Kindermann verwendet bis heute zwei- bis dreifach gezwirntes Kett- und Schussgarn, um maximale Reißfestigkeit zu erreichen. Mit bis zu 100 Schussfäden pro Zentimeter wird darüber hinaus ein sehr dichter, scheuerfester Flor und ein Warengewicht von 500 g/m2 (und mehr) erzeugt. Die Bindung, das heißt wie die Florschussfäden in Kette und Schuss abgebunden sind, ist ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium. Maximale Festigkeit garantiert die W-Bindung, bei der jeder Florfaden zweifach abgebunden ist. Ein in dieser traditionellen Weise gefertigter Cord ist extrem belastbar und schützt seinen Träger sehr gut vor Kälte und Wind, aber auch gegen Verletzungen am Arbeitsplatz.

 

Verarbeitung stellt hohe

Anforderungen

 

Wie die Herstellung stellt auch die Verarbeitung von Zwirn- und Dreidrahtcord hohe Anforderungen: Es bedarf nicht nur spezieller Maschinen, sondern vor allem im Zuschnitt und Nähen schwerer Ware geübter Mitarbeiter. Um eine maximale Ro­bustheit der Kleidungsstücke zu gewährleisten, legen erfahrene, auf Qualität bedachte Bekleidungshersteller aber nicht nur großen Wert auf hochwertigen Markencord, sondern auch auf strapazierfähige Zutaten: angefangen bei reißfesten Garnen über robuste Reißverschlüsse und stoßfes­te Knöpfe bis hin zu Hosentaschenfutter in 370 g/m2 schwe­rer Köperqualität, das sogar Nägeln standhält. Alle eingesetzten Komponenten werden einer ständigen Qualitätskontrolle unterzogen, um die von den Kluftträgern erwarteten hohen Standzeiten zu gewährleisten – bei Handwerksgesellen auf der Walz sind das immerhin 3 Jahre und 1 Tag.

 

Achtung vor Mogelpackungen

 

Während in den vergangenen Jahrzehnten die Textil- und Bekleidungsindustrie größtenteils nach Asien verlagert wurde, verblieb die Fertigung von Zunftstoffen und Zunftbekleidung in Europa, schwerpunktmäßig in Deutschland. Hauptgrund dafür dürfte gewe­sen sein, dass es sich um einen ausgesprochenen Nischenmarkt handelt, der obendrein ein sehr hohes Fertigungs-Know-how voraussetzt. Neuerdings wird aber auch Ware aus Fernost angeboten. Diese unterscheidet sich weder im Preis noch zwingend in der Optik von einer hierzulande hergestellten Marken-Kluft. Das liegt vor allem daran, dass die Gebrauchseigenschaften von Cord äußerlich nur schwer zu erkennen sind. Schon nach relativ kurzer Tragezeit offenbaren sich bei diesen Importen jedoch minderwertiger Cord, billige Zutaten und Fertigungsdefizite in Form von abgescheuertem Flor, heraushängenden Fäden und offe­nen Nahtstellen.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten Meister und Geselle beim Kauf einen Nachweis anfordern, wo das Gewebe produziert und wo die Kleidung konfektioniert wurde. Die Qualität der Bindung, als wichtiges Kriterium für die Festigkeit des Cords, lässt sich relativ leicht beurteilen, indem man ein Stück Klebeband aufbringt und anschließend ruckartig abzieht. Je weniger Flor an der Klebeschicht haften bleibt, umso hochwertiger ist der Cord. Für eine umfassende Einschätzung der Qualität von Zunftbekleidung empfehlen sich Tragetests, vor allem für Handwerksbetriebe, die mehrere Mitarbeiter einzukleiden haben. Im Arbeitsalltag trennt sich die Spreu vom Weizen: Schon nach einigen Wochen zeigt minderwertige Ware erste Gebrauchsspuren, während hochwertige Kluft Form und Aussehen bewahrt.

Offen für Neues

Der für Zunftbekleidung hergestellte Cord besteht bis heute zwar zum größten Teil aus Baumwolle, doch neue Textilien machen auch vor der Kluft nicht Halt. Als Marktführer für Zunftbekleidung schlägt der Hersteller Kübler in enger Zusammenarbeit mit Gewebeherstellern auch neue Wege ein: Derzeit sind zum Beispiel der Einsatz von atmungsaktiven Wetterschutz­laminaten und von Wetterschutzmembranen, elastischen Fasern und flamm­hemmenden Ausrüstungen speziell für Zimmerleute und Dachdecker, die Bitumen verschweißen in der Erprobung. Ob sich diese Weiterentwicklungen in der täglichen Praxis auf der Baustelle durchsetzen werden, entscheiden letztlich die Zunftträger. Weitere Informationen im Internet unter www.kuebler.eu

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