Schicht im Schacht

Installationsschächte sind in vielen älteren Bestandsgebäuden nicht etagenweise brandschutztechnisch abgeschottet. In Laatzen wurden diese Schächte in 12 Mehrfamilienhäusern mit der nichtbrennbaren

Einblasdämmung „Conlit Firesafe“ von Rockwool nachträglich brandschutztechnisch ertüchtigt.

Installationsschächte durchlaufen meist das gesamte Gebäude vom Keller bis unter das Dach und bilden so eine direkte Verbindung von Geschoss zu Geschoss. Nicht oder nicht korrekt abgeschottete Installationsschächte bergen damit hohe Risiken, denn im Falle eines Feuers wirken sie schnell als eine Art Brandbeschleuniger: Zum einen können brennbare Leitungen selbst Feuer fangen und zu einem Brandüberschlag auf höher gelegene Wohnungen führen. Zum anderen sorgt die Kaminwirkung des Schachtes dafür, dass sich das Feuer sogar noch verstärkt und giftige Rauchgase entstehen, die sich in kürzester Zeit in den Etagen über dem Brandherd ausbreiten.

Nachträgliche Etagenabschottung oft kaum möglich

Der nachträgliche Einbau einer Etagenabschottung in bestehenden Installationsschächten ist nicht nur äußerst kostenintensiv, sondern stößt auch an praktische Grenzen: Die erheblichen Schmutz- und Lärmbelästigungen, die mit solchen Arbeiten verbunden sind, machen das Wohnen während der Bautätigkeit fast unmöglich. Für die Vertreter der WEG Hohenrode in Laatzen bei Hannover spielte insbesondere diese Überlegung eine wesentliche Rolle, als es darum ging, sämtliche Installationsschächte in 12 Mehrfamilienhäusern brandschutztechnisch zu ertüchtigen.

Eine wirtschaftliche Alternative zur etagenweisen Abschottung bot auch bei diesen Bestandsgebäuden die vollständige I 90-Verfüllung der Installationsschächte mit dem nichtbrennbaren Steinwollegranulat „Conlit Firesafe“ von Rockwool. „Insgesamt ging es um ein Volumen von rund 165 m3 verteilt auf 49 Schächte über 8 Wohnetagen“, erinnert sich Burkhard Berger, Projektleiter Einblasdämmung bei der svt Brandschutz GmbH. „Für die Untersuchung und Verfüllung eines Schachtes benötigen wir in der Regel nur einen Tag, je Wohnung nur etwa zwei Stunden. Dabei arbeiten wir quasi ,mikro-invasiv’, so dass die Mieter und Eigentümer nicht nur in ihren Wohnungen bleiben können, sondern auch nur eine sehr geringe Belästigung durch Lärm und Staub hinnehmen müssen.“

Typische Schachtbelegung

In einem ersten Schritt verschaffte sich das svt-Team in Laatzen mithilfe der  Videoendoskopie einen Überblick über den Zustand und die Belegung der einzelnen Installationsschächte. „Wir fanden hier ein sehr ty­pisches Bild vor: Wickelfalzrohre, SML-Rohre, brennbare PVC-Rohre, elektrische Leitungen, deren Ummantelung im Brandfall Feuer schnell von Etage zu Etage trägt. Für einen solchen Einblick in die Schächte benötigen wir nur eine fingerdicke Öffnung, durch die wir die Kamera führen können“, so Burkhard Berger.

Etwas größer ist die Öffnung, die für das Einblasen des „Firesafe“ Granulats auf der Etage benötigt wird. In der Regel vom Badezimmer oder der Küche der Wohnungen aus werden die nichtbrennbaren (A1) Steinwolle-Flocken darüber in die Installationsschächte eingeblasen. Die speziell entwickelte Einblasmaschine sorgt dabei für den richtigen, kontinuierlichen Druck, um eine homogene Verfüllung mit einer Rohdichte von 100 bis 120 kg/m3 dauerhaft zu erzielen. Das Granulat schmiegt sich so hohlraumfrei an alle bestehenden Konturen im Schacht an, und in wenigen Stunden ist ein kompletter Installationsschacht auf Feuerwiderstandsklasse I 90 ertüchtigt.

Nebeneffekt: mehr Wohnkomfort

Die vollständige Verfüllung hat noch zwei weitere „Nebeneffekte“, die für einen gesteigerten Wohnkomfort sorgen: So wird der Schallschutz zu den ober- und unterhalb angrenzenden Wohnungen erheblich verbessert. Geräusche aus Küche oder Bad übertragen sich nicht mehr über den Luftschall im Schacht. Ebenso wenig wie unliebsame Gerüche: Auch deren Ausbreitung ist durch die dichte Verfüllung der Installationsschächte nicht mehr möglich.

Autor

Dipl.-Ing. (FH) Harald Heermann ist Produktmanager Haustechnik bei der Deutschen Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG in Gladbeck.
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