Schmuck Historisch echter und imitierter Stuck aus Kunststoff

Stuck schmückt und gliedert Bauwerke innen und außen. Er betont mit plastischen Formen die Konstruktion und belebt die Flächen. In den verschiedenen Stilrichtungen gelten seit Jahrhunderten neben der technischen Ausführung für den Handwerker auch gestalterisch verbindliche Vorgaben. Diese sind für den Handwerker auch bei der jetzigen Renaissance des Stucks in seinen vielen Formen für ein gutes Ergebnis bindend.

Die heutigen Restauratoren und Stuckateure arbeiten an den noch vorhandenen Schätzen der Baukultur und bringen sie wieder in ihre ursprünglichen unverwechselbaren Formen. Bei deren Arbeit mit und am Stuck sind heute unterschiedliche Techniken und Materialien zu unterscheiden.

Stuck an denkmalgeschütz-ten Fassaden

 

Stuck wird hier stilecht ergänzt oder erneuert. Außer Profilen sind auch verschiedene Elemente, wie Kartuschen, Ornamente, Putten, Trophäen, Muschelwerk oder Fabeltiere, zu bearbeiten. Nach den genauen Befunden am Objekt wird vom Restaurator perfekte Fachkenntnis ebenso gefordert wie die penible Einhaltung denkmalpflegerischer Prinzipien.

Die Praxis auf der Baustelle sieht meist so aus, dass zunächst einige Schichten alter Dispersionsfarbe umweltgerecht und vollständig entfernt sowie Bauschäden behoben werden müssen. Bei der Ergänzung von Fehlstellen wird eine passende Ziehform angefertigt, die für den Grobabzug etwas kleiner ausfällt. Diese werden auch auf den Ziehtischen in der Werkstatt eingesetzt. Für den Stuckmörtel gibt es bewährte alte Rezepturen aus Gips, Kalk, Knochenleim, Marmormehl, Leinölfirnis, abgemagert mit Sand (bis 8 mm), der mehrmalig von grob auf fein aufgezogen wird. Nach Trocknung werden die Profilierungen fehlerfrei geschliffen. Es muss auch geprüft werden, ob der Stuck noch eine ausreichende Verbindung zum Untergrund hat und kein Wasser eindringen kann. Ab einer bestimmten Größe des Stucks wird mit rostfreiem Material armiert. Das fertige Profil wird (wiederum rostfrei) angedübelt. Eine gerade Latte hat dabei eine abstützende Funktion. Bei figürlichen Elementen werden mit Trennmitteln und Silicon- oder Kautschuk-Abformmassen Negativformen für Ergänzungs- und Neuteile passgenau nachgeformt. Für die Anstriche ist nur Silikatfarbe erlaubt.

 

Stuck an erhaltungswürdigen Fassaden

 

Viel Stuck befindet sich an den in Neostilen erhaltenen Gebäuden der Gründerzeit. Aber auch neuere Bauwerke mit Stilelementen von Jugendstil, Werkbund und Art Deco haben den Zweiten Weltkrieg und die Umbauwut der 1950er und 1960er Jahre für eine Restaurierung überlebt. Hier muss wie vorher beschrieben gearbeitet werden. Farbe und Ornamentik sind jedoch meist umfangreicher – der Stuck ist üppiger eingesetzt worden. Gründerzeithäuser sind auch oft mit erhaltungswürdigen Säulen, Balustraden und weit mehr filigranen Verzierungen versehen. Hier werden vom Handwerker Stilkunde und Liebe zum Detail verlangt. Der Großteil der erhaltungswürdigen Gebäude stammt aus der Bauboomzeit von 1871 bis 1914. Hier wurde auch mit neuem Putzmaterial einschließlich neuer Zuschläge und  deutlich verbesserter moderner Bautechnik gearbeitet.

Für die Restaurierung liefert die Industrie heute passende, mit Kunststoff vergütete Materialien und die wichtige Beratung für den Handwerker am Objekt. Das gilt auch für vorgefertigte Stuckelemente oder Sonderanfertigungen, sowohl für außen, als auch innen.

Bei der Aufarbeitung von Stuckgesimsen, Gurten und Figuren sind umfangreiche Vorarbeiten erforderlich. Das können die Betonsanierung von Teilen aus den Anfängen des Stahlbetons, eine umfangreiche Abdichtung gegen Wasser oder eine Risssanierung sein.

 

Schmückender und

ergänzender Stuck als

Stilimitation

 

Diese Art von Stuck ist in den letzten Jahren auch an glatt verputzten Gebäuden beliebt geworden. Profile und sonstige Schmuckformen in neutralem oder historischem Stil werden größtenteils in Verbindung mit einer Wärmedämmung an der Fassade montiert. Wetterfeste Stuckelemente aus hochwertigen Kunststoffen sind auf die Systeme der Hersteller abgestimmt. Sie sind kleber- und anstrichfreundlich. Die raue Oberfläche ist mit einer Putz-oberfläche optisch identisch. Für die Gestaltung mit der Vielfalt dieses Stucks gibt es hilfreiches Werkzeug und bewährte Kleber. Es muss damit aber penibel stilecht gearbeitet werden. Vorbild und lehrreich kann hier gut gestalteter Originalstuck an Fassaden der Gründerzeit sein. Moderne Bauformen können mit modernen zeitlosen Kunststoff-Profilen ergänzt oder in Details unterstrichen werden. Der Einsatz sollte aber auf Gesimse, Gurte und Fenster, Fensterbänke und Türeinfassungen in richtiger Dimensionierung – zurückhaltend und gekonnt – begrenzt werden.

 

Stuckarbeiten im Denkmal

 

Stuckarbeiten im Baudenkmal dürfen nur von fachkundigen Restauratoren des Handwerks nach Vorgaben der Denkmalbehörden ausgeführt werden. Solchen Arbeiten gehen aufwendige Befunde für die Restaurierung voraus. Alle Verfälschungen aus neuerer Zeit müssen entfernt werden. Beschädigte Stuckaturen werden ergänzt oder erneuert. Dafür sind vorhandene alte Unterlagen von Nutzen. Die denkmalgerechte Restaurierung darf nur in den historischen Techniken mit den entsprechenden Werkstoffen erfolgen. Alle den Stuckuntergrund gefährdenden Bauschäden an Decken und Wänden müssen denkmalgerecht behoben werden. Bei unebenen Wänden muss der Stuck unterfüttert werden. Das kann eine gerade Putzkante sein. Die gute alte Maurerschnur ist dabei immer noch hilfreich. Hier bedarf es einer die Gewerke übergreifende Zusammenarbeit. Moderne Technik und neue Chemieprodukte erleichtern heute dem Restaurator die Arbeit. Das können unter anderem von den Herstellern verbesserte Materialien, unproblematische Abformmassen oder 3D-Lasermesstechniken sein. Darüber hinaus gibt es trotz Kriegsschäden und der Umbauwut nach dem Zweiten Weltkrieg im inneren von Gründerzeithäusern noch erhaltungswürdige Arbeiten des Stuckateurhandwerks zum Aufarbeiten. Unter dicken Farbschichten warten hier noch wahre Schätze. Viele Bauherren gerade aus jüngeren Generationen wertschätzen diese Arbeiten wieder.

 

„Kunststuck“ 

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Es kann aber nicht bestritten werden, dass viele Bürger nicht mehr nur zwischen Beton, weißen Wänden und Glas wohnen wollen. Darauf hat sich die Industrie mit einem riesigen Angebot von Stuck aus Kunststoff und auch mit vorgefertigten Teilen aus echtem Stuck eingestellt. Die Möglichkeiten der Gestaltung sind in Verbindung mit Nostalgietapeten und historischen Putz- oder Anstrichtechniken äußerst vielseitig. Die Verarbeitung ist für Handwerker, die sich perfekt in der Technik und Gestaltung mit solchen Stuckelementen auskennen, kein Problem. Am Markt gibt es dafür bewährte Kleber.

„Kunststuck“ mit neutraler Profilierung wird heute sogar von Architekten im Neubau akzeptiert. Für gut geformte Profile und sonstige Elemente gibt es viele Einsatzgebiete: Außer den klassischen Deckenabschlussprofilen sind damit ansprechende Lösungen bis zur Fußleiste mit Kabelkanal möglich. Spezielle Profile bieten sich für die direkte oder indirekte Lichtgestaltung an. Der Raumausstatter nutzt sie bei der Montage von Fenstervorhängen.  Auch Lichtschutz lässt sich darin integrieren. Mit Fenster- und Türeinfassungen und gut gegliederten Wand-, Sockel- und Deckenkassetten sind zeitlose Raumgestaltungen möglich.

 

Was bei Stuckarbeiten ­beachtet werden muss

 

Neben handwerklicher Perfektion sind gute Kenntnisse in der Stilkunde und viel Liebe zum Detail bei Stuckarbeiten erforderlich. Alle Formen müssen miteinander harmonieren. Typische Stilarten aus verschiedenen Zeiträumen dürfen nicht miteinander vermischt werden.

Bei senkrechter und waagerechter  Betonung und in der Höhe muss unbedingt die Fernwirkung berücksichtigt werden. Innen müssen Stuckprofile und sonstige Zierformen mit den natürlichen und künstlichen Lichtquellen auf ihre Schattenwirkung richtig abgestimmt werden. Hierzu ein Tipp: Der „Goldene Schnitt“ kann hier hilfreich sein. Die einfache Formel: Gegebenes großes Maß dividiert durch 1,618 ergibt das geforderte kleinere Maß. Gegebenes kleines Maß multipliziert mit 1,618 ergibt das geforderte größere Maß.

Anstriche und Beschichtungen auf Stuck

 

Stuckoberflächen können aber auch weiter mit Blattmetallen, Lasuren und Farben zusätzlich gestaltet werden. Schellack ist dafür eine gute Grundierung. Eine Asphaltlack-Lasierung darauf ergibt einen Elfenbeineffekt.

An der Fassade sollte Stuck nicht hart weiß gestrichen werden. Gebrochene Farbtöne ergänzen die übrigen Flächen besser. Bei mehrfarbigen Anstrichen von Stuck müssen die tiefer liegenden Teile mit einem schwach dunkleren Farbton betont werden. Hellere tiefer liegende Farbtöne wirken farblos und blass – sie lassen die mehrfarbige Profilierung einfarbig erscheinen.

 

Fazit

 

Nicht nur die richtige technische Ausführung, sondern nur eine gute Gesamtgestaltung kann ein befriedigendes Ergebnis ergeben. Schlechte Ausführungen von Stuckarbeiten aus neuerer Zeit gibt es leider schon genug.

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