5 Ursachen, warum dem Handwerk die Fachkräfte fehlen

Staubig, dreckig, unattraktiv und unterbezahlt: So wird das Handwerk gesehen. „Die meisten haben ein falsches Bild“, sagt David Cordes. Er ist Recruiting-Experte für mittelständische Bau-, Handwerks- und Industrieunternehmen und unterstützt Betriebe bei der Fachkräftesuche. Er definiert fünf Ursachen, warum das Handwerk immer noch auf wenig Beliebtheit stößt.

Ursache Nummer 1: Abitur hoch im Kurs

Das Abitur und das Fachabitur stehen immer noch hoch im Kurs. Kinder werden zur Schule geschickt, um diesen Abschluss zu machen, sagt David Cordes.

Ursache Nummer 2: Vorurteile

Wer daheim renoviert, glaubt dass dies auch die reale Arbeitssituation eines Handwerkers sei. „Dass es heute im Handwerk auch um IT geht, dass wissen die wenigsten. Auch das Arbeiten im Freien scheuen viele junge Leute“, weiß David Cordes.   

Ursache Nummer 3: Eltern/Lehrer-Einfluss

In der Schule und im Elternhaus würden handwerkliche Jobs eher verschwiegen werden. „Erwachsene wünschen sich einen akademischen Beruf für ihren Nachwuchs. Und Schule bereitet selten auf eine Lehre im Handwerk vor“, zieht Cordes Bilanz.

Ursache Nummer 4: Die Ziele der jungen Leute

David Cordes ist mit Handwerkern im Gespräch und weiß, wo der Schuh drückt.
Foto: Cordes Consulting

David Cordes ist mit Handwerkern im Gespräch und weiß, wo der Schuh drückt.
Foto: Cordes Consulting
Nachhaltigkeit, Karriere, Selbstverwirklichung: Diese Ziele verbinden Job-Bewerber nicht mit dem Handwerk. „Sie wollen stattdessen Start-Ups gründen und Apps entwickeln.“ Dass es heutezutage auch mit dem Laptop auf die Baustelle geht, hätten viele nicht auf den Schirm. Photovoltaikanlagen anbringen, Wärmepumpen einrichten: Zahlreiche Berufe im Handwerk hätten aber direkt mit dem Klimaschutz zu tun. Daher sei es wichtig, dass das Handwerk eine neue Kampagne starte und für klimarelevante Jobs werbe.

Ursache Nummer 5: Verdienstmöglichkeit

Die Gehälter haben im Handwerk angezogen. Wie David Cordes betont, sind auch die Aufstiegschancen im Handwerk verlockend. Ein Azubi könne durchaus innerhalb von sieben Jahren zum Projektleiter werden.

Die Lösung: Informieren

Die Lösung: „Informieren! Betriebe, die Fachkräfte suchen, sollten die Aufstiegschancen bei sich zeigen. Die eigenen Leute als Erfolgs-Menschen präsentieren, das hat Wirkung“, so Cordes.  Was macht einen Betrieb interessant: gutes Werkzeug, gutes Arbeitsklima, gute Verkehrsanbindung, Weiterbildung… Die Merkmale müssten definiert werden. Zudem müssen Bewerber dort abgeholt werden, wo sie sich tummeln. Um Social Media komme man einfach nicht herum. TikTok, Instagram, Facebook seien die Plattformen, die bedient werden sollten, rät er.

Der 20-Jährige hat sich mit der eigenen Firma „Cordes Consulting“ in Hamburg selbstständig gemacht. „Kunden schätzen mein junges Alter“, sagt David Cordes. Die Nähe zur Zielgruppe käme gut an. Außerdem arbeitet sein Team nach der Prämisse: „Wir nehmen nur Kunden auf, bei denen wir nach ausführlicher Prüfung sicher sind, dass wir helfen können.“

www. www.cordes-consulting.de

Autorin

Michaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

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