Kirche Sankt Marien in Bochum wird Musikforum

Die ehemalige Kirche Sankt Marien in Bochum wurde durch einen Neubau ergänzt und ist jetzt das Foyer des „Anneliese Brost Musikforums Ruhr“. Multifunktionstüren von Schörghuber sorgen im Inneren für Brand-, Rauch- und Schallschutz. Die Außenhülle bilden weiß geschlämmte Backsteinziegel von Deppe.

Bloß kein „elitäres Konzerthaus im klassischen Sinne“ wollten die Stuttgarter Architekten Bez + Kock bauen. Sie schufen stattdessen einen vorbildlichen öffentlichen Ort für U- und E-Musik. In unmittelbarer Nähe des legendären Bochumer Partyviertels „Bermudadreieck“ – aber absolut ohne Risiko, darin verlorenzugehen. Bei der Wahl der Türen für fiel die Entscheidung auf Schörghuber. Multifunktionstüren des Herstellers sorgen unter anderem im Konzertsaals für Brand-, Rauch- und Schallschutz und fügen sich gestalterisch optimal in die Architektur des Musikforums ein.

Altes und Neues auf Abstand

Bez + Kock nutzen den Kirchenraum als neues Foyer und ordneten die Konzerthausräume zu beiden Seiten an. In der Straßenflucht wurden sie dabei ein gutes Stück nach hinten gerückt. Allein die alte Kirche ragt wie selbstverständlich hervor. Eine saubere Fuge hält Neues auf Abstand zum Alten. Sowohl außen als auch innen kamen die Architekten ohne Spektakel aus. Es genügten ihnen wenige leitmotivisch eingesetzte Baustoffe und perfekt durchdachte Details, um ein besonderes Stück Architektur entstehen zu lassen. Der neohistoristischen Kirche mit ihrem seinerzeit angemessenen neu-gotischen Formenreichtum gaben die Architekten betont schlichte Anbauten zur Seite – es variiert jedoch die ortstypische Materialität. Denn das Klinkermauerwerk der Kirche wurde für die Vorsatzschalen der Anbauten zwar zitiert – aber zugleich weiterentwickelt. Während das alte Mauerwerk an der Kirchenfassade unangetastet blieb, wurden die neuen Klinker weiß geschlämmt. Die Schönheit dieses großflächigen Mauerwerks bleibt dabei weitgehend ungestört, und nur am oberen Rand bildet eine Reihe eng gestaffelter, senkrechter Fensteröffnungen eine Art Obergaden – ein Motiv, das sich traditionell nur an Kirchenschiffen wiederfindet.

Exklusiver Backstein

Der Stein wurde von Deppe Backstein exklusiv für das Musikforum entwickelt und produziert. Innerhalb weniger Wochen und in enger Abstimmung mit den Architekten entwickelte der niedersächsische Hersteller diverse Muster, die vor Ort gesichtet und abgestimmt wurden bis das gewünschte Ergebnis erzielt war. Entschieden haben sich Bez+Kock für einen Wasserstrich-Backstein, der durch die weiße Schlämmung in der Gesamtansicht nahezu beige bis weiß wirkt und beim ersten Hinsehen auf diese Weise einen signifikanten Kontrast zur historischen Kirche setzt. Mit seinem durchscheinenden roten Scherben nimmt der Backstein die Farbe des ursprünglichen, roten Ziegels der Marienkirche allerdings wieder auf und vermittelt so zwischen Alt und Neu.

Atmosphäre des Besonderen

So sehr die Kirche im Äußeren unangetastet blieb, so kräftig wurde sie im Inneren verändert und der neuen Funktion als Foyer des Musikforums angepasst. Heller Terrazzo an Böden und weiße Wände lassen die Flächen miteinander verschmelzen. Künstliches Licht, das in Spiegeln reflektiert wird, entmaterialisiert die Kirchendecke. Die Festlichkeit des ehemals sakralen Innenraums bleibt auch in der neuen profanen Nutzung erhalten. Auch die anderen verwendeten Materialien unterstützen diesen Eindruck. Sie sind nicht übertrieben edel – aber dafür hochwertig eingesetzt und sauber verarbeitet. Kupfer wird überall dort verwendet, wo Metall als Werkstoff benötigt wird. Die funktionalen Einbauten im Foyer sowie die Wände, Decken, der Deckenscreen und das Parkett des Konzertsaals wurden aus amerikanischer Kirsche gefertigt. Heller Stuccolustro vollendet den Materialkanon im Saal.

Gebäudesicherheit und eine ungestörte Akustik

Sie schützen gegen Schallemissionen, Brand und Rauch: Schörghuber  Türen mit multifunktionaler Ausstattung bilden die Zugänge zu den Konzertsälen. Eine gestalterische Besonderheit: Die Zugangstüren zu den Konzertsälen sind – je nach Raumseite – unterschiedlich beschichtet. Um im Innenbereich ein homogenes Bild entstehen zu lassen, sind die Türblätter im selben Material wie die Oberfläche der Wände im jeweiligen Saal beschichtet, zu den Verkehrsflächen hingegen mit einer weißen Premium-Lackierung versehen.

Türoberflächen an Wände angepasst

Bei der baulichen Umsetzung des Musikforums in Bochum waren vor allem die geneigten und gewölbten Wandverkleidungen und Decken des Konzertsaals eine besondere Herausforderung. Diese waren nötig, damit sich der Schall gleichmäßig im Raum verteilen kann und jeder Ton an jedem Platz zu hören ist. So entsteht eine optimale Akustik. Für die im Konzertsaal zum Einsatz kommenden Türen bedeutete dies, dass mehrfache Aufdopplungen nötig waren, um bündig mit der Wandverkleidung abzuschließen. Die Vorgabe der Architekten, die Türen einheitlich an das Design der umliegenden Wände abzustimmen, haben die Tischler der Werkstätten Dickerhoff GmbH dann mithilfe von Tapetentüren realisiert und die Türoberflächen bauseitig an die Gestaltung der Wände angepasst.

Einige Wandflächen wurden von den Stuckateuren mit dem mineralischen Glattspachtelspachtel „StoCalce Veneziano“ der Firma Sto gestaltet. Um auch die Saaltüren mit diesem Material beschichten zu können, mussten die Handwerker einen Trick anwenden, denn auf der Melamin-Grundierfolie der Türen haftet die Spachtelmasse nicht. Daher beklebten die Stuckateur die Türen mit einem Malervlies, das ihnen dann als Tragfähiger Untergrund für die Spachteltechnik dienen konnte.

Zusätzlich wurden die Türen stumpfeinschlagend ausgeführt, so dass sie sich besonders unauffällig in die Gestaltung der Wände integrieren. Verdeckt liegende Bänder und Schließer fördern den edlen und puristischen Eindruck, den die Türen vermitteln. Um im Bedarfsfall möglichst vielen Menschen gleichzeitig den Durchgang zu gewähren, sind sie doppelflügelig mit einer Breite von bis zu 3 m ausgeführt. Freilaufschließer machen das Begehen besonders komfortabel. Verbindendes Element der im Musikforum Bochum verbauten Schörghuber Türen sind die bronzenen Türgriffe. Eine weitere Besonderheit ist der Bühnenzugang für die Musiker: Er ist mit einem flächenbündigen Glasausschnitt versehen, der stets den Blick auf die Bühne gewährt.

Autoren

Diplom-Kaufmann Jürgen Ruppel ist Geschäftsführer bei der zur Hörmann Gruppe gehörenden Schörghuber Spezialtüren KG in Ampfing. Dr. Dirk Deppe ist Geschäftsführer von der Deppe Backstein-Keramik GmbH in Uelsen-Lemke.

Baubeteiligte (Auswahl)

Bauherr Stadt Bochum

Planung Bez + Kock Architekten, Stuttgart,

http://bez-kock.de

Kirchensanierung Bernhard Mensen, Münster

Tragwerksplanung Mathes Beratende Ingenieure, Leipzig, www.ming.de

TGA Planung Ingenieurbüro für Gebäudesysteme Henne & Walter GbR, Reutlingen,

www.henne-walter.de

Holzarbeiten/Türmontage Saal Werkstätten Dickerhoff GmbH, Bochum, www.dickerhoff.de

Maurerarbeiten Klinker L&S Verblend, Rhede,

www.lsverblend.de

Innenputz Gerhard Mohr Malerwerkstätten, Bochum, www.mohr-maler.de

Metallglasfassade Jansen Metallbau, Heinsberg, www.mb-jansen.de

Herstellerindex (Auswahl)

Türen T30 Brand-, Rauch- und Schallschutztüren zweiflügelig Typ 6, Schallschutztüren zweiflügelig Typ 6, Brand-, Rauch- und Schallschutztüren einflügelig Typ 5, Massivholzstockzargen, Schörghuber Spezialtüren, Ampfing, www.schoerghuber.de

Klinker Exklusiv entwickelte, weiß geschlämmte Wasserstrich Backsteine, Deppe Backstein-Keramik, Uelsen-Lemke, www.deppe-backstein.de

Furnier im Saal Amerikanisches Kirschbaumholz, Danzer Holding, A-Dornbirn, www.danzer.com

Innenputz StoCalce Veneziano, Sto, Stühlingen,

www.sto.de

Terrazzo (Hersteller und Verarbeiter) R. Bayer

Betonsteinwerk, Blaubeuren,

www.betonwerkstein.de

Metallglasfassade Jansen AG, CH-Oberriet,

www.jansen.com

Weitere Informationen zu den Unternehmen

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