Wie man mit Holzblöcken in Putz aus Kalk drucken kann

Der Italiener Dr. Arch. Egidio Miserocchi pflegt alte Handwerkstechniken und verknüpft sie zu Innovationen. Aus dem Stoffdruck hat er eine dekorative Kalktechnik entwickelt. In einen zweilagigen Kalkputz druckt er mit geschnitzten Holzblöcken florale oder geometrische Ornamente.

Egidio Miserocchi aus dem italienischen Ravenna ist ein experimentierfreudiger Kunsthandwerker und Doktor der Architektur. Zudem ist er Mosaizist: er gestaltet Mosaike und fertigt Werke aus Musivgold (historische Goldimitation). Neben massiven Arbeiten mit Ziegelmauerwerk hat er sich auch mit alten Kalkputztechniken beschäftigt. In seiner Werkstatt hat er eine eigene Kalktechnik entwickelt. Ähnlich wie im Stoffdruck druckt er mit geschnitzten Holzstempeln individuell angefertigte Motive in einen zweilagigen Kalkputz. Die dekorativen Motive für diesen Blockdruck stellt er selbst her. Auf Anfrage kann er zum Beispiel auch Firmenlogos schnitzen. Den Mörtel färbt er mit historischen Pigmenten oder Zuschlagsstoffen, zum Beispiel mit weißem Marmormehl. Färbt man ihn mit Ziegelmehl, so bekommt er je nach Ziegelfarbe eine rosa oder gelbe Farbe.

 

Arbeitsschritte

Zunächst rührt der Handwerker einen Putzmörtel aus hydraulischem Kalk an. Er muss gut haften und schnell härten. Damit der Putz nicht zu schnell trocknet wird die Wand bis zur Sättigung vorgenässt. Dann wird der Putz aufgetragen. Vor dem Drucken muss er etwas trocknen. „Dabei ist es wichtig, dass man genau den richtigen Trocknungsgrad trifft“, erklärt Egidio Miserocchi. „Ist er zu feucht, bleibt er am Holzblock hängen, ist er zu trocken, lässt sich der Block nicht gleichmässig eindrücken, das Motiv bekommt keine sauberen Ränder und der nächste Putz haftet nicht gut.“ Deshalb entfeuchtet er die Oberfläche bis etwa 1 cm Tiefe mit gut saugendem Papier. Dadurch, dass der Putz unterhalb der angetrockneten Schicht noch genügend Feuchtigkeit enthält, verbindet er sich gut mit der nächsten Schicht.

„Ich drücke also mit meinen Holzblöcken die Muster ein, säubere den Block und korrigiere Fehlstellen. Dann lasse ich das bearbeitete Feld trocknen“, beschreibt er sein Vorgehen und fügt hinzu: „Blockdruck geht in ,Tagwerken‘, wie bei den Fresko-Malern.“ Die Wichtigkeit des richtigen Feuchtegrads führt dazu, dass immer nur kleine Flächen bearbeiten werden können.

 

Fertigstellung

Am nächsten Tag kontrolliert er, ob der Trocknungsprozess im gewünschten Tempo verläuft. Trocknet es zu schnell, feuchte er die Arbeit noch einmal an, bis die erste Schicht gleichmäßig durchgetrocknet und weitgehend gehärtet ist. Das kann je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit bis zu 10 Tage dauern. Im nächsten Arbeitsschritt wird die erste Schicht wieder gründlich angenässt. Der zweite Mörtel wird in einer Kontrastfarbe eingefärbt. Mit einer Spachtel wird dieses Material in die Negativstellen eingefüllt. Wenn die zweite Putzschicht angezogen hat, wird überschüssiges Material mit der Spachtel und mit einem feuchten Schwamm entfernt, so dass ein sauberes Muster mit einer durchgängig glatten Oberfläche entsteht.

 

Praktikum mit Experimenten

In der Werkstatt von Egidio Miserocchi in Ravenna fand 2016 auch ein besonderes Praktikum statt. Das Bildungszentrum für Ausbau und Fassade in Leonberg hatte zwei begabte Auszubildende vermittelt. Unterstützt wurden sie durch ein Stipendium von Go.for.europe. Sie führten unter anderem zwei Objekt in Kalkdruck-Technik aus: einen Spiegelrahmen und ein erhabenes Muster in Negativdruck.

Für den Spiegelrahmen hatte der Meister eine Wand mit ockerfarbenem Sumpfkalkmörtel verputzt und mit einer dünnen Schicht eines von ihm entwickelten „Enkaustikmörtels“ zum Glänzen gebracht. In eine ausgesparte Putzfläche setzte er einen Spiegel ein und rahmte ihn mit einem Kalkdruck-Muster. Zuerst brachte er dazu einen mit Graphit eingefärbten Kalkmörtel auf. In den handtrockenen Putz drückten die Stipendiaten mit einem Holzmodel das Muster ein und füllten nach dem Trocknen die Vertiefungen mit ungefärbtem Mörtel auf. Den Überstand entfernten sie vorsichtig.

Für den Negativdruck mit erhabenem Muster wurde ein Kalkmörtel mit natürlichem Ocker abgetönt aufgetragen. In den handtrockenen Putz pressten die Stipendiaten das Muster ein, so dass einzelne Partien erhaben stehen blieben. Nach dem Trocknen füllten sie die Vertiefungen mit einer Schicht ungefärbten Mörtel aus. Überschüssiges Material nahmen sie mit einem Schwamm ab.

 

Autor

Dipl.-Ing. Achim Pilz ist Architekt und Buchautor. Sein Schwerpunkt sind Themen zum ökologischen Bauen. Er lebt und arbeitet in Stuttgart  www.bau-satz.net.

Die Putzoberfläche wird bis etwa 1 cm Tiefe mit gut
saugendem Papier entfeuchtet

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