Achtgeschossiger Holzbau in Bad Aibling

In Bad Aibling bei München entsteht auf einem rund 70 Hektar großen Gelände derzeit Zukunftsweisendes: Wurde früher das Areal unter anderem als Fliegerhorst und Militäranlage genutzt, arbeitet man nun an der Umsetzung einer Nullenergiestadt in grüner Umgebung.

Bereits 2010 wurde auf dem parkähnlichen Gelände ein viergeschossiges Holzhaus als Pilotprojekt mit einem neuen Bausystem für Geschosswohnungsbauten in Holz errichtet. Im April 2011 startete dann ein noch ambitionierteres Projekt: Unterstützt von Forschern der TU München, der Hochschule Rosenheim und dem ift Rosenheim wurde mit der Planung und dem Bau eines achtgeschossigen Gebäudes begonnen – mit knapp 25 Metern das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands.

Die gesamte Tragkonstruktion des Gebäudes besteht aus Holz, nur der Treppenhauskern wurde aus Brandschutzgründen in Beton ausgeführt. Auch die Fassadenbekleidung wird zu großen Teilen aus Holz hergestellt und stellenweise durch Putzflächen ergänzt. Das von der Huber & Sohn entwickelte Holzbausystem eignet sich aus Sicht der beteiligten Spezialisten auch ideal für die Nachverdichtung in Ballungsräumen. Das in Bad Aibling errichtete Gebäude macht deutlich, welche Potenziale und Möglichkeiten der moderne Holzbau in Verbindung mit dem Wohnungsbau zu bieten hat. Das Zusammenspiel innovativer vorgefertigter Wand- und Fassadenmodule, spezieller Dämmstoffe und Bekleidungen, machte den jetzt erstmals vollzogenen „Sprung“ in die Höhe möglich. Mit der Novellierung der Musterbauordnung und der Umsetzung der Holzbaurichtlinie entstanden zwar bereits im Jahr 2002 die gesetzlichen Grundlagen für den mehrgeschossigen Holzbau in Deutschland – die Umsetzung in der Praxis stellte Industrie und Bauunternehmen jedoch vor große Aufgaben.

Innovatives Brandschutzkonzept

Für das Gebäude in Bad Aibling wurde ein ganzheitliches Brandschutzkonzept entwickelt, geprüft und genehmigt. Dieses Brandschutzkonzept beinhaltet Kompensationsmaßnahmen zur Erreichung der erforderlichen Schutzziele, wie zum Beispiel ein rauchfreies Treppenhaus und untereinander vernetzte Rauchmelder je Nutzungseinheit usw. Durch diese Kompensationsmaßnahmen wird es möglich – entgegen der Forderung der MBO für Gebäude der Klasse 5 feuerbeständige Konstruktionen zu verwenden – die tragenden Bauteile aus Holz zu errichten. Diese tragenden Holzbauteile sind hochfeuerhemmend in F 90B+K 2 60 (beidseits gekapselt) ausgeführt. Um diese zusätzlichen Anforderungen an das Brandverhalten der Baustoffe zu erreichen, kamen spezielle Dämmstoffe und Konstruktionen zum Einsatz.

Die tragenden Fassadenelemente entstanden zunächst in der Vorfertigung von Huber & Sohn in Bachmehring. Sie basieren auf einer Holzmassivriegelwand aus eigener Entwicklung, ausgesteift mit Furnierschichtholz-Schwellen und -Rähmen mit beidseitig angebrachten Fermacell Gipsfaser-Platten. Zur Dämmung der Elemente wurden nichtbrennbare Steinwolle-Platten (Woodrock 035) mit einem Schmelzpunkt von > 1000 °C eingesetzt. Neben dem Wärmeschutz, sind sie wasserabweisend und besonders formstabil. Vor der Tragkonstruktion eingesetzt, kapselt die Dämmung zusammen mit der Fermacell-Beplankung sicher gegen Brandbeanspruchung von außen ab.

Raumseitig wurde als brandschutztechnisch wirksame Bekleidung eine zweilagige Beplankung aus Fermacell Gipsfaser-Platten vorgenommen.

Im Rahmen der Entwicklung und Optimierung neuer Bauteile für den mehrgeschossigen Holzbau wurden von den drei Partnern Huber & Sohn, Fermacell und Rockwool Bauteilprüfungen durchgeführt, die die Leistungsfähigkeit der Systeme dokumentieren, aufzeigen und damit ihren Einsatz ermöglichten.

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