Der Traum vom Orient: die Rote Moschee in Schwetzingen

Die „Rote Moschee“ im Garten des Schwetzinger Schlosses beeindruckt mit exotischer, orientalisch beeinflusster Architektur aus dem späten 18. Jahrhundert, als die Türkenmode an deutsche Fürstenhöfen zelebriert wurde. Der Zahn der Zeit hatte an der Moschee heftig genagt – eine Renovierung war unumgänglich.

Das von Hofarchitekt Nicolas de Pigage geplante und 1785 fertig gestellte Bauwerk besteht aus einem Zentralbau mit Kuppel, der von zwei 37 m hohen Minaretten flankiert wird. Auf der Rückseite liegt ein ringsum von offenen Wandelgängen umschlossener Hof. Pigage hielt sich nicht streng an die Formensprache orientalischer Bauten, sondern bezog auch europäische Architekturelemente wie spitzbogige Fenster, Rundbogenarkaden und einen Säulenportikus in die Gestaltung mit ein. Die „Moschee“ hatte nie die Funktion eines islamischen Gotteshauses, sondern diente als Kulisse und Stimmungsträger für höfische Lustbarkeiten.

 

Sanierung unter strengen Auflagen

Die Instandsetzungsarbeiten standen unter strengen denkmalpflegerischen Auflagen. Die Renovierung der Kuppel mit ihren 11 m Durchmesser gestaltete sich als besonders schwierig. Beim Abdecken des Daches zeigte sich, dass die darunter liegende Bausubstanz keinerlei Tragfähigkeit mehr besaß. Daher stellte schon die Gerüststellung eine Herausforderung dar, denn das Schadensbild forderte ein freitragendes Raumgerüst über die 35 m hoch ragende Rotunde.

Weiter mussten die vorausgegangenen, unfachmännisch ausgeführte Reparaturen entfernt werden. Die Holzkonstruktion wurde instand gesetzt und gebogene Dachsparren in ihrer Konstruktion ergänzt. Zur Stabilisierung und Verstärkung des Ringgebälks wurde eine Stahlunterkonstruktion eingezogen. Schadhafte Gauben wurden restauriert und wieder eingebaut.

Den maroden Wandelgängen fehlte ein statisches System. Die innere Holzkonstruktion ruhte lediglich auf zum Teil ausgewitterten Sandsteinen, so dass Wind und Wetter allmählich die Konstruktion verschoben hatten. Die hölzernen Stützen dienen nur der Dekoration und mussten durch Stahlwinkel verstärkt werden.

Obwohl das Bauwerk wie aus einem Guss wirkt, ist nur der Sockel aus Naturstein, das Mauerwerk darüber besteht aus Tuff und viele der Schmuckbilder und Verzierungen sind mit Mörtel gefertigt. Die durch Verwitterung und Versalzung teilweise tiefgreifend zerstörten Sandsteinelemente wurden saniert oder nachgebaut. Gipshaltige Reparaturmaterialien aus früherer Zeit, die für die massiven Versalzungen verantwortlich waren, entfernten die Handwerker und tauschten diese gegen neu geformte Gesimsteile und Rosetten aus.

 

Farbgebung nach originalem Vorbild

Abschließend wurde das gesamte Bauwerk mit einem neuen Anstrich versehen. Die Denkmalpflege empfahl eine Ausführung der Originalfarbigkeit mit hochwertigen Silikatfarben aus dem Hause Keimfarben. An wettergeschützten Stellen der Fassade waren unter jüngeren Putzschichten originale Farbschichten erhalten. So ließ sich die historische Farbgebung, ein zartes Rosé, bestimmen.

Die Minarette und die Flächen direkt unter der Kuppel wurden mit Keim Purkristalat beschichtet, einer reinen Silikatfarbe für langlebige und brillante Fassadenanstriche. Die unteren Wandabschnitte erhielten einen Grundanstrich mit Granital zum Schutz vor starker Witterungsbelastung. Die anschließend aufgetragenen zwei Schichten hydrophober Restauro-Lasur schützen vor der Aufnahme von Wasser und Schadstoffen. Die Sandsteinteile haben die Handwerker mit Silangrund vorbehandelt und anschließend mit Granital beschichtet.


Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 04/2011

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Der Blick geht selten nach oben, sollte er aber, denn an Decken gibt es gerade in historischen Bauten so manches zu sehen. So erzählen einem die sehr unterschiedlichen Decken im jüngst nach Plänen...

mehr