Gerührt und geschüttelt

Seit mehr als 40 Jahren konzentriert man sich bei Collomix auf die Entwicklung von Werkzeugen und Maschinen zum Mischen von Farben, Mörteln und Putzen. Der Spezialanbieter hat sich aus kleinsten Anfängen zum Innovationsführer entwickelt und steuert auf einem soliden Wachstumskurs.

Betrachtet man nur das Grundgerüst der Geschichte, würde man wohl vermuten, dass sie im Silicon Valley spielt: Zwei befreundete Mitarbeiter eines Unternehmens haben eine zündende Geschäftsidee und beschließen, sich selbständig zu machen. Sie kündigen ihre Jobs und gründen ein Unternehmen, dass sich innerhalb von nur einer Generation quasi aus dem Nichts zu einem der innovativsten Anbieter in seinem Segment entwickelt. Die Charaktere und der Plot der Story stimmen zwar, allerdings hat sie sich nicht an der Westküste der USA, sondern am Ufer der Donau zugetragen. Genauer: in Gaimersheim bei Ingolstadt.

Neue Produkte erfordern neue Mischtechnik

Tatsächlich zeigt die Entwicklung von Collomix beispielhaft, wie auch hierzulande aus wenig mehr als einer guten Idee in kurzer Zeit eine international erfolgreiche Marke wachsen kann, wenn unternehmerischer Mut, Kreativität und Hartnäckigkeit mit kaufmännischer Bodenständigkeit im richtigen Verhältnis zueinander finden.

Die Geschichte beginnt Anfang der 1970er Jahre, als Johannes Essing und Horst Heimgärtner die zunehmende Bedeutung des Mischens für das Bauen erkennen. Die beiden Kaufleute arbeiten damals als Kollegen für einen großen Farbenhersteller und beobachten, wie neue Produkte und Kundenwünsche die Arbeitsweise auf der Baustelle und im Fachhandel verändern. Insbesondere für die seinerzeit aufkommenden Trockenfertigmischungen, die in zunehmenden Maße die aus Sand, Zement, Kalk und Wasser auf der Baustelle angemischten Mörtel und Putze ersetzen, gibt es zu dieser Zeit keine spezialisierten Rührvorrichtungen, die eine klumpenfreie und vollständige Durchmischung erlauben. Auch die Verlegenheitslösung vieler Handwerker, einen Universalrührer auf eine Bohrmaschine zu setzen, führt nicht zum gewünschten Ergebnis, weil das Rührwerkzeug nicht auf die Eigenschaften der Trockenfertigmischung abgestimmt ist und eine Bohrmaschine entweder zu schnell läuft oder im unteren Drehzahlbereich nicht genug Durchzug hat.

In einem ersten Schritt entwickeln die Unternehmensgründer ein Sortiment spezieller Rührwerkzeuge, das auf die unterschiedlichen Materialien angepasst ist. Als Antrieb verwenden sie zugekaufte Bohrmaschinen, die aber nach ihren Angaben modifiziert und an diese speziellen Anforderungen angepasst wurden. Auch der Vertrieb funktioniert zunächst eher hemdsärmelig, indem sie die Rührwerkzeuge direkt an Baustoffhändler verteilen.

Der Erfolg gibt den Gründern recht. Schon Anfang der 1990er Jahre wird das Sortiment von zwei auf fünf Maschinen erweitert, die bereits die typische türkise Markenfarbe tragen. Anfang 2000 bringen sie mit der CX-Serie erstmals ein völlig selbstentwickeltes Handrührwerk auf den Markt, das mit der ins Gehäuse integrierten parallelen Griffhaltung neue Maßstäbe in Sachen Ergonomie setzt. Einen weiteren Meilenstein stellt die 2012 vorgestellte Xo-Serie dar, bei der Collomix erstmals die komplette Montage im eigenen Werk durchführt.

Geschüttelt, nicht gerührt

Parallel dazu entwickeln Essing und Heimgärtner ihr zweites „Standbein“, das Mischen in der Industrie, ähnlich erfolgreich. In diesem heute unter „ColorTec“ zusammengefassten Geschäftsfeld werden Mischer produziert, in denen in geschlossenen Gebinden Bautenfarben, aber auch Druckfarben, Lacke, Klebstoffe und andere viskose Stoffe durch Schütteln und Wälzen gemischt werden können. Besonders stolz ist man auf die neueste Innovation: den Dispenser „Tinta“. Das Gerät verfügt nicht nur über „intelligente“ Vorratskanister für die Farbpasten, durch die Taupunkttechnologie „CoolNOZ“ wird an den Düsen ein Mikroklima erzeugt, durch das die Paste nicht mehr verdunsten kann. Dadurch bleibt die Farbe stets flüssig und verstopft nicht die Düsen. Das teure Spülen entfällt.

Erfolgreich in der Nische

„Wir produzieren keine ‚Me-too-Produkte‘, sondern wollen in unserer Marktnische stets die Maßstäbe setzen“, sagt Herbert Geier, Marketingleiter bei Collo­mix. Und diese Strategie hat gleich in mehrfacher Hinsicht zum Erfolg der Marke Collomix beigetragen. Denn erstens ist die Nische klein genug, dass es sich für Elektrowerkzeughersteller kaum lohnt, eigene Rührwerke zu entwickeln und zweitens wird das Ingol­städter Unternehmen durch seine Spezialisierung von den Farb- und Baustoff-Herstellern als Partner wahrgenommen, dessen Kompetenz bei der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren hinzugezogen wird. Da Collomix trotz der nationalen und internationalen Expansion ein familiär geführtes mittelständisches Unternehmen geblieben ist, konnte selbst die allgemeine Krise 2008-2009 für internes Wachstum und eine Optimierung der Prozesse genutzt werden.

Familiäre Führung

Im Dezember vergangenen Jahres hat Collomix mit der Eröffung des neuen Schulungs- und Verwaltungszentrums nicht nur die räumlichen Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen, das Gebäude selbst ist zugleich ein Statement, das die Zuversicht in die eigene Stärke und eine positiv Entwicklung dokumentiert.

Mittlerweile hat bei Collomix die nächste Generation die Führung übernommen. Mit Alexander Essing leitet ein Sohn eines Gründers in der Geschäftsführung den Bereich Mischen am Bau „ConstuTec“, der Bereich „ColorTec“ wird von Jörg Kiefer verantwortet. Aber auch die Witwe von Horst Heimgärtner arbeitet mit ihren 82 Jahren noch täglich im Betrieb mit und gilt als gute Seele von Collomix. Wie schon zur Gründungszeit ist und bleibt die genaue Kenntnis des Marktes und der Bedürfnisse der Anwender von zentraler Bedeutung.

Autor

Thomas Schwarzmann ist Redakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.
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