Historische Bauten neu genutzt

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

Viele historische Gebäude gäbe es heute schon lange nicht mehr, wenn man nicht in der Vergangenheit bereits eine neue Nutzung für sie gefunden hätte. Wie sollte heute ein Schloss auch von einem König genutzt werden, wenn es gar keinen König mehr gibt? Folglich ist aus so manchem Schloss zum Beispiel ein Museum geworden. In Herrenhäusern wird gewohnt, auch wenn die Bewohner nicht mehr unbedingt adelig sind. Zahlreiche Kirchen hatten nach der Zusammenlegung von Gemeinden ihre Funktion verloren und werden heute durch eine andere Religionsgemeinschaft genutzt. Oder das Kirchengebäude dient einer kulturellen Funktion als Bibliothek, als Theater oder gar als Restaurant. Die Hauptsache dabei ist, dass die das Orts- und Stadtbild prägenden Bauten erhalten bleiben.

Die Schwierigkeit einer solchen Umnutzung steigt für Architekten und Handwerker in der Regel mit dem Alter und der Größe der Gebäude. Generell gilt: Je älter und größer, desto schwieriger. Verzeiht die Denkmalpflege bei einem unbedeutenden Gebäude der Jahrhundertwende noch die eine oder andere kleine Abweichung vom Original, sieht das bei einem historisch bedeutsamen Bau schon anders aus. Da hier in der Regel aber schon ein Großteil der originalen Bausubstanz verloren gegangen ist – alles andere ist ein Glücksfall und bedarf der behutsamen Konservierung durch versierte Restauratoren im Handwerk – freut sich insbesondere die Denkmalpflege darüber, wenn die notwendige Ergänzung neuer Bauteile in zeitgemäßer Formensprache und Materialität erfolgt. Vom Nord- und Westflügel der ursprünglich Ende des 15. Jahrhunderts in Halle erbauten und schon im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Moritzburg war nicht mehr viel übrig, als die Mitarbeiter vom spanischen Büro Nieto Sobejano Arquitectos S.L. mit Sitz in Madrid und Berlin das Gelände erstmals inspizierten. Andere Teile der Burg wurden schon seit dem 19. Jahrhundert als Kunstmuseum genutzt. Aber die Ruinen des Nord- und Westflügels waren doch so wertvoll, dass es das erklärte Ziel der Umnutzung war, sie durch moderne Bauteile für rund 18 Millionen Euro für die Mitte Dezember vergangenen Jahres eröffnete Erweiterung des Museums nutzbar zu machen. Wie ab Seite 33 in dieser Ausgabe der BAUHANDWERK in allen Einzelheiten zu sehen, griffen die Architek­ten und Handwerker mit Aluminium, Stahl, Beton und Glas dabei auf Baustoffe zurück, die in ihrer Verarbeitung selbst für einen Laien deutlich als Zutaten unserer Tage zu erkennen sind. So bleibt ablesbar, was wirklich alt und was neu hinzugekommen ist. Alles andere wäre eine Lüge.


 

Viel Erfolg bei der Arbeit wünscht Ihnen

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