Ikone der Moderne saniert: Villa Tugendhat Villa von Ludwig Mies van der Rohe in Brünn seit Anfang des Jahres wieder offen

Es gibt kaum ein Gebäude, das seiner Zeit so weit voraus war wie die Villa Tugendhat im tschechischen Brno (ehemals Brünn). Das nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe 1930 fertiggestellte luxuriöse Wohnhaus beeindruckt nach Abschluss seiner detailgenauen Sanierung zu Beginn dieses Jahres wieder durch die klare Großzügigkeit und durch seine visionäre Gebäudetechnik – ein Einfamilienhaus mit sage und schreibe 1250 m2 Nutzfläche. Gebaut für die Brünner Textilfabrikanten Fritz und Grete Tugenthat für einen damals horrenden Betrag – es galt einst als das teuerste Einfamilienhaus weltweit – aber auch mit bemerkenswertem Mut zu einem seinerzeit völlig neuen Architekturkonzept. Allerdings meinte es die Geschichte nicht gut mit der beispielhaften Baukunst: Nur acht Jahre lang war es seinen Besitzern vergönnt, ihr Domizil zu nutzen. Als das Sudetenland 1938 vom Deutschen Reich annektiert wurde, floh die jüdische Familie, und für die Villa folgten Jahrzehnte der Zweckentfremdung und des stetigen Verfalls.

Erst in jüngster Vergangenheit fand das Haus zur verdienten Beachtung zurück: 1995 wurde die Villa zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt, 2001 gar als eines der wenigen modernen Gebäude in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Aber erst 2010 standen die nötigen finanziellen Mittel – knapp sieben Millionen Euro – für eine umfassende Sanierung der Villa bereit. Eine Arbeitsgemeinschaft aus drei Architekturbüros wurde damit beauftragt, das Gebäude so weit wie möglich in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Hierzu war es höchste Zeit geworden, denn das Hanggebäude drohte zwischenzeitlich sogar abzurutschen und befand sich insgesamt in einem schlimmen Zustand: Durchfeuchtungen der Wände und Decken sowie Korrosionen an den Anschlüssen zwischen Stahlbauteilen und Beton hatten der Bausubstanz erheblichen Schaden zugefügt. Nach zwei Jahren, im März 2012, konnte die anspruchsvolle Sanierung abgeschlossen und das Haus der Öffentlichkeit übergeben werden. Der Gesamteindruck war wiederhergestellt: Das Inventar präsentiert sich originalgetreu; Fliesen, Sanitäreinrichtungen und Natursteinböden entsprechen dem ursprünglichen Stand. Dies liegt auch daran, dass sich die tschechische Fliesenmarke Rako, die schon die Originalfliesen für das Haus gefertigt hatte, an der Sanierung beteiligte. Das Tochterunternehmen der österreichischen Lasselsberger-Gruppe stellte Repliken für die im Haus allgegenwärtigen Rako-Fliesen her, für Bäder und Küche, für Esszimmer und für den Kesselraum. Insgesamt wurden rund 600 m2 weiße Wandfliesen und 250 m2 Bodenfliesen im Format 15 x 15 cm reproduziert. Nur im Tresorraum für Pelzmäntel gab es keinen Renovierungsbedarf: Hier waren die ursprünglichen keramischen Wandbeläge komplett erhalten geblieben.

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