KI-gestützte Videoüberwachung für Baustellen

Diebstahl, Vandalismus und Sabotage verursachen jedes Jahr Schäden in Millionenhöhe – unter anderem an Industrieanlagen und auf Baustellen. Weitläufige, ungesicherte Areale und wertvolle Güter oder Ausrüstung machen Unternehmen verwundbar und für Unbefugte attraktiv. Eine zeitgemäße Antwort stellt die Ergänzung klassischer Sicherheitsmaßnahmen um KI-gestützte Videoüberwachung dar: Damit gelingt es, Gefahren frühzeitig zu erkennen, schnell zu regieren und Schäden abzuwenden.

Unbefugter Zutritt, Einbruch und Diebstahl, Sachbeschädigung und Vandalismus: Unternehmen müssen ihre Ware, Ausrüstung und Flächen gegen Schäden absichern – und das branchenübergreifend. Im Lager und auf Logistikarealen lagern teure Güter, Fahrzeuge und Maschinen parken auf oft weitläufigen Flächen: Sie können gestohlen oder manipuliert werden. Leerstände in Immobilien können Unbefugte anlocken – die Folgen sind Graffiti, Sachbeschädigung oder sogar Besetzung. Ungesicherte Freiflächen, Parkplätze oder Baustellen ohne Zaun laden fast schon zu Diebstahl oder Sabotage ein. Auch Solaranlagen mit teuren Modulen sind oft leicht zugänglich und ungeschützt: Dadurch entstehen Angriffsflächen für unbefugte Dritte, die sowohl Diebstahl als auch Sachbeschädigungen verursachen können. Egal ob Industriegebäude, Anlagenareale, Großbaustellen oder Materiallager auf Baustellen: Eine durchgängige Überwachung ist entscheidend, um sämtliche Werte zu sichern und die bauliche Infrastruktur zu erhalten.

Überwachungstechnologie aus mehreren Komponenten

Wo ein Mensch ermüdet – vor allem bei Dunkelheit – funktioniert eine KI-gestützte Kameraüberwachung durchgängig
Foto: Secontec

Wo ein Mensch ermüdet – vor allem bei Dunkelheit – funktioniert eine KI-gestützte Kameraüberwachung durchgängig
Foto: Secontec
Heute bietet sich für diese umfangreichen Aufgaben eine Kombination aus robuster Hardware, KI-gestützter Software und menschlicher Intervention an, um eine Echtzeit-Fernüberwachung rund um die Uhr zu realisieren. Entscheidend dabei ist das Gesamtkonzept, das auf den Bedarf individuell zugeschnitten wird. Dafür wird das zu überwachende Gelände zunächst analysiert: Wie groß ist das Gelände, wie sieht der Geländeplan aus, wo befinden sich Zugänge und Zufahrten? Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen bestimmen dann die Sicherheitslösung, etwa eine festinstallierte Videoüberwachung auf einem Industriegelände, ein mobiler Kameraturm auf der Baustelle oder die Installation von weiterer Zugangsregulatorik wie Schlosssystemen.

Drei Anlagentypen haben sich in der Praxis bewährt: Dazu zählt zunächst ein Videoüberwachungsturm von knapp sieben Metern Höhe, der mit Hochleistungskameras ausgestattet ist – zwei 360-Grad-PTZ-Thermalkameras und zwei 360-Grad-PTZ-Dome-Kameras. Der Kameraturm kann somit einen Umkreis von 200 Metern abdecken. Die Thermalkameras sind in der Lage, unbefugte Nachtaktivität oder auch Hitze zu detektieren, etwa, wenn ein brandgefährdetes Areal überwacht werden soll. Die Kameratürme sind entweder autonom mittels Solarpanel und Akku oder stromgebunden; sie können dauerhaft oder temporär installiert werden. Der autarke Solarturm kann auch an abgelegenen Orten abseits des Stromnetzes aufgestellt werden. Er benötigt lediglich eine Mobilfunkverbindung (Multi-SIM), um die Datenübertragung der Kamerabilder sicherzustellen. Der strombetriebene Turm besitzt ein Notstromaggregat, sodass die Überwachung auch bei einem Stromausfall weiterlaufen kann.

Eine Alternative zu festinstallierten Systemen der Perimetersicherung stellt eine tragbare, mobile Überwachungsanlage dar. Mit vier hochauflösenden HDR-Kameras kann sie ihr Umfeld mit 360-Grad-Sicht auf einen Radius von zehn Metern erfassen. Mit mehreren dieser Anlagen kann die Sicherungszone flexibel erweitert werden. Die Kamerasensoren reagieren auf Bewegung, die Batterien sind solarbetrieben. Um große Flächen zu überwachen, eignet sich ein System, das selbst nur wenig Platz in Anspruch nimmt. Eine solche Lösung ist schnell an Masten, Wänden oder Gerüsten installiert und bietet sich als flexible, temporäre Überwachungsanlage an. Zwei Bullet-Thermal-Kameras können dabei einen Umkreis von bis zu 160 Metern sichern.

Datenschutz und Überwachung vereinen

Spezifische Anforderungen können durch die Platzierung der Kameras und den Kameratyp umgesetzt werden: Die Überwachungstechnik fügt sich in Abläufe ein, passt sich an Gelände, Risiko und Branche an. Auch der Datenschutz wird berücksichtigt: Er gibt zum Beispiel vor, dass nur das jeweils eigene Gelände bis zum umgebenden Zaun überwacht werden darf – nicht der dahinter liegende öffentliche Bereich. Bei der Perimeterüberwachung wird deswegen eine Fisheye-Kamera mit dem Rücken zum Zaun installiert und deckt mit ihrer 180-Grad-Sicht den Bereich vor dem Zaun ab. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Kamerawinkel zu schwärzen. Darf eine Aufzeichnung aus Datenschutzgründen nicht während der Arbeitszeit erfolgen, werden die Kameras auf die Abend- und Nachtstunden programmiert.

Um Anforderungen im Außenbereich zu erfüllen, haben die Kameras Abdeckungen und DIN-genormte Gehäuse und sind regen- und windresistent. Servicetechniker stellen bei regelmäßigen Wartungen alle sechs Monate die Funktionsfähigkeit sicher. Obwohl die Kameras in der Regel nicht das Ziel von Vandalismus darstellen, sind sie dagegen geschützt: Zum einen filmen sie sich selbst, zum anderen ist der Kameraturm abgeschlossen und die Kamera durch ihre Installationshöhe außer Reichweite.

Die KI analysiert, der Mensch entscheidet

Der Kameraturm ist abgeschlossen und die Kamera durch ihre Installationshöhe außer Reichweite
Foto: Secontec

Der Kameraturm ist abgeschlossen und die Kamera durch ihre Installationshöhe außer Reichweite
Foto: Secontec
Nun ist es mit einer reinen Überwachung von Arealen und Anlagen nicht getan. Verdächtige Aktivitäten müssen schnell erkannt und richtig eingeordnet werden, um sofort reagieren zu können. Künstliche Intelligenz kann Unternehmen hier unterstützen: Sie überwacht und analysiert die Kameraaufnahmen in Echtzeit und erkennt auffällige Bewegungen und ungewöhnliches Verhalten. Die KI wird über definierte Muster trainiert und lernt kontinuierlich dazu: So kann sie zwischen Tieren, vom Wind hereingewehten Objekten, Schatten und echten Bedrohungen unterscheiden. Löst die KI einen Alarm aus, wird dieser an das Video Operation Center (VOC) weitergeleitet. Die Mitarbeiter bewerten dann die Situation und entscheiden über die Maßnahmen. In der Regel wird über Lautsprecher auf dem Gelände eine Warnung ausgesprochen. Wird ihr nicht Folge geleistet, wird eine im Vorfeld definierte Aktion durchgeführt: Das kann die Benachrichtigung des Wachpersonals oder des Geschäftsführers sein, aber auch ein Anruf bei der Polizei.

Da jeder Alarm von einem Mitarbeiter gegengeprüft und erst dann eskaliert wird, wenn sich der Anfangsverdacht bestätigt, können Fehlalarme minimiert werden. Außerdem kann der Erkennungskorridor individuell bestimmt werden: Mit einem größeren Korridor werden mehr Alarme ausgelöst und es kommt entsprechend zu mehr Fehlalarmen. Die KI kann durch Kamerapositionen unterstützt werden, die eine genaue Sicht ermöglichen.

Wachschutzmodelle und Videoüberwachung Hand in Hand

Doch selbst wenn zwei Video-Operation-Center eine Überwachung rund um die Uhr sicherstellen, muss klar sein, dass eine Videoüberwachung immer eine Ergänzung zum traditionellen Wachschutz darstellt. Auch, wenn Statistiken einen leichten Rückgang bei Einbrüchen zeigen und hier durchaus eine Korrelation zum Einsatz von Videoüberwachung bestehen kann: Auf Präsenz kann dennoch nicht verzichtet werden. Abschreckung allein über die Lautsprecheransprache reicht aller Erfahrung nach nicht aus: in der Eskalation muss mehr passieren.

Deswegen ergänzen Sicherheitskonzepte mit Kameras und Live-Monitoring Wachschutz und Polizei optimal. Wo ein Mensch ermüdet und seine Konzentration nachlässt – vor allem bei Dunkelheit – funktioniert eine KI-gestützte Kameraüberwachung durchgängig und mit gleichbleibend hoher Qualität. Hinzu kommt: 20 Kameraaugen sehen mehr als zwei menschliche. Das Wachpersonal kann sich damit sofort auf das Wesentliche konzentrieren. Da die Alarmierung schnell und ohne Verzögerung erfolgt, können Vorfälle früh detektiert werden und die Reaktionszeit sinkt – idealerweise beträgt sie nur 15 Sekunden. Der Kunde erhält von jedem Hergang ein Reporting, ein Protokoll mit den Zeitfenstern von der Erstalarmierung bis zum Eintreffen der Polizei.

Die Statistik zeigt: Im Jahr gehen über 18 Millionen Alarmmeldungen bei rund 2200 überwachten Objekten ein. Über 18.000 Straftaten im Jahr werden vereitelt. Außerdem wird ersichtlich, dass eine Videofernüberwachung nicht nur Material schützt, sondern auch Menschen: Sie senkt die Bereitschaft des unbefugten Eindringens, was die Wahrscheinlichkeit von Übergriffen gegen das Wachpersonal verringert.

Fazit

Einbruch und Diebstahl, Sachbeschädigung und Vandalismus: Unternehmen müssen ihre Ausrüstung gegen Schäden mit Zäunen und Kameras absichern
Foto: Secontec

Einbruch und Diebstahl, Sachbeschädigung und Vandalismus: Unternehmen müssen ihre Ausrüstung gegen Schäden mit Zäunen und Kameras absichern
Foto: Secontec
KI-gestützte Videofernüberwachung verbindet Technik und menschliche Entscheidungskompetenz zu einem leistungsfähigen Sicherheitskonzept. Sie schützt nicht nur Waren, Maschinen und Gebäude, sondern auch Menschen – durch frühzeitige Detektion, schnelle Reaktion und gezielte Eskalation. Als Ergänzung zum Wachschutz steigert sie die Effizienz in der Überwachung, senkt die Zahl von Fehlalarmen und verkürzt Reaktionszeiten. So entsteht ein umfassender Schutz, der sich flexibel an Gelände, Risiko und Branche anpasst. (bhw/ela)

Autor

Jan Zimmermann ist Sales Lead Mobile Systems bei der Secontec GmbH

Weitere Informationen: www.secontec.de

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