Nachhaltige Unternehmensführung in der digitalen Zeit – Teil 2: Die Ökologie

Soziale und ökonomische Komponenten im Einklang mit der Ökologie bilden die drei Dimensionen nachhaltiger Unternehmensführung. In einer dreiteiligen Serie widmen wir uns jeder dieser Komponenten. Nachdem wir uns im ersten Teil der Trilogie mit den ökonomischen Aspekten beschäftigt haben, blicken wir nun auf die zweite Säule: die Ökologie.

In den vergangenen Jahren hat das Trendthema Nachhaltigkeit mehr und mehr Einzug ins Handwerk gehalten: Die verwendeten Baustoffe müssen zertifiziert sein, der Markt an umweltgerechten Materialien steigt kontinuierlich, und auch an den Kunden geht der Trend nicht unbemerkt vorüber, was nicht zuletzt auch an den zahlreichen, unterstützenden staatlichen Fördermöglichkeiten liegt. So sind die Förderzusagen für energieeffizientes Bauen und Sanieren der KfW-Bankengruppe von 376 Mio. Euro in 2005 auf 7467 Mrd. Euro in 2019 beziehungsweise für die Sanierungen im gleichen Zeitraum von 1133 Mrd. Euro auf 3523 Mrd. Euro gestiegen. Und auch die Werte zu Investitionen in Green Buildings in Deutschland zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend. Lang bewährte Baustoffe wie Asbest, der sich häufig in Fassadenverkleidungen oder auch im Bodenbelag wiederfindet, sind aufgrund seines krebserregenden Inhalts in der heutigen Zeit – zurecht – untersagt.

Diesen gesetzlichen Regelungen der Bundesregierung zum Schutz der Umwelt und zur Sicherheit der Menschen kann sich keiner widersetzen, sie gelten verpflichtend für alle. Die Möglichkeiten jedes Einzelnen, aktiv für die Umwelt einzustehen und mit seinem Handeln seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sind jedoch noch weitaus größer als die gesetzlich festgeschriebenen Vorgaben.

Der erste Schritt in Richtung ökologischen Handelns ist der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen. Stichpunkte wie eine korrekte, projektspezifische Bedarfsermittlung und eine effiziente Lagerwirtschaft beeinflussen langfristig nicht nur den eigenen ökologischen Fußabdruck, sondern auch die eigene Unternehmensbilanz. Hierbei helfen ganz aktiv die Möglichkeiten der Digitalisierung.

Ressourcenschonende Material-Bedarfsermittlung

Der Einsatz der nachhaltigsten, Ressourcen schonendsten und unbedenklichsten Baumaterialien ist nur so erfolgreich wie die Bedarfsplanung im Vorfeld. Materialverschwendung ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen ein Thema. Eine exakte Bedarfsermittlung ist der Schlüssel für jede Kalkulation auch in Anbetracht der gestiegenen Baukosten in den letzten zehn Jahren hat ein verantwortungsvoller Einsatz von Material direkte Auswirkungen auf den Endkunden, der die (überkalkulierten) Baukosten als Eigennutzer tragen muss beziehungsweise die Mieter, die mit höheren Mieten rechnen müssen. Moderne Softwareprogramme können dabei unterstützend zur Seite stehen.

Besonders im Hoch- sowie im Ausbau-Handwerk bildet das Aufmaß die Grundlage der Bedarfsermittlung. Die zu leistende handwerkliche Tätigkeit entscheidet über die Art der Aufmaßerstellung. Wird ein Neubau geplant, eignet sich eine Orientierung am Grundriss, eine größere Innenraumrenovierung bedarf einer persönlichen Baustellenbegehung, wobei direkt das Aufmaß per mobiler App und Laser erstellt werden kann, bei anderen Projekten kann das Aufmaß per Foto am geeignetsten sein, was sich gerade bei Fassadenarbeiten anbietet. Alle Varianten, solange digital erfasst, haben eins gemeinsam: die Fehlerminimierung.

Der Durchbruch wurde mal eben schnell per Zollstock ausgemessen, die Zahlen auf dem Papier unleserlich notiert, sodass sie im Büro nicht mehr oder falsch zu lesen sind. Selbst kleinste maßliche Abweichungen von nur wenigen Zentimetern können unter Umständen erhebliche Überbestellungen und Verschwendung hervorrufen, was unausweichlich zu Mehrkosten führt. Solche Fehler sind bereits im Vorfeld auszuschließen, wenn die Maße raumgenau digital erfasst werden und dann direkt an die kaufmännische Software-Lösung im Büro übergeben werden – ohne Datenverlust, ohne Übertragungs- oder Tippfehler.

Und um weitere große oder kleine Rechenfehler in der Kalkulation zu vermeiden, kalkulieren gute Softwarelösungen auf Grundlage der Maße und der zu verrichtenden Tätigkeit automatisch das benötigte Material sowie die Arbeitskapazitäten. Was Unternehmen noch dabei hilft: Den VOB-konformen Verschnitt berechnet die Software direkt mit ein. Ein weiterer Punkt also, über den sich Handwerksbetriebe mit einer digitalen Bedarfsermittlung keine Gedanken mehr machen müssen.

Überblick im Lager

Sie ist aufwendig und zeitintensiv – die Lagerhaltung. Nichtsdestotrotz ist sie ein wesentlicher Bestandteil der planerischen Aktivitäten im Betrieb und ein Bereich mit viel ökologischem Potenzial. Denn Materialverschwendung kann sich weder ein Unternehmen noch die Umwelt leisten. Der Fokus sollte hierbei immer auf dem Überblick liegen. 

Dank digitaler Bestandspflege ist dies ganz leicht. Jeder Artikel wird zu Beginn im Artikelstamm in der Software angelegt. Vermerkt werden zudem Informationen zu Netto-Einkaufspreis, Margen, Mengeneinheiten, Verkaufskonditionen. Da die tägliche Projektarbeit Schnelligkeit verlangt, bleibt für langes Suchen im Lager nach dem Material keine Zeit. Gut, wenn jeder Artikel seinen festen Lagerplatz hat, der im Artikelstamm regal- und fachgenau bestimmt und vermerkt werden kann.

Nun ist die Lagerhaltung kein starres Konstrukt, das einmal angelegt ohne Veränderung bleibt. Ganz im Gegenteil, gerade in Projekthochzeiten über die Frühjahr-/ Sommer-Monate hinweg sind alle Kapazitäten im Einsatz. Da kann es bei einer analogen Lagerführung schnell zu einem Durcheinander im Lagerbuch kommen. Digital ist das allerdings kein Problem. Ob die Mitarbeiter von unterwegs auf der Baustelle das eingesetzte Material per Mobilrapport-App vermerken oder der Objektlieferschein im Büro auf Grundlage des Angebots erstellt wird, die Abgänge sind klar dokumentiert. Bei jeder Buchung, passt sich auch der Lagerbestand automatisch an. Dank des im Artikelstamm hinterlegten bestellauslösenden Lagerbestands werden Unternehmen rechtzeitig über auslaufende Stückzahlen informiert. Bestellungen werden demnach auf aktuellen Zahlen ausgelöst und nicht mehr aus dem Verdacht heraus, dass ein Artikel bald leerlaufen könnte. Mittels Schnittstelle zu zahlreichen Webshops und Großhändlern erledigt sich die Warenbestellung dann per Klick. Dieses Vorgehen hält die Lagerbestände übersichtlich und fördert die Bestellung nach realem Bedarf.

Inventur

Ein weiterer Teilaspekt der Lagerhaltung ist die Inventur. Diese beansprucht bei Fälligkeit je nach Größe des Lagers, enorme Mitarbeiterkapazitäten. Ganz zu schweigen von dem Aufwand und der Fehleranfälligkeit bei analoger Zusammenrechnung. Auch hier lohnt sich ein Blick auf die digitalen Möglichkeiten. Aus der Software heraus lassen sich per Klick zu jeder Zeit Informationen zum tatsächlichen Lagerbestand anfordern. Ist es doch Zeit für eine größere Bestandsaufnahme, können Zähl- und Inventurlisten aus dem Programm heraus generiert werden, die die Inventur merklich vereinfachen. Noch komfortabler wird es, wenn die Artikel per Barcodescanner im Lager gescannt und die Bestandsdaten direkt an das Programm übermittelt werden. Das führt zu noch mehr Genauigkeit und verhindert Rechen- und Übertragungsfehler.

Der digitale Einsatz von Software zur Lagerhaltung und zur Bedarfsermittlung bringt noch einen weiteren großen Vorteil: Der Papierverbrauch wird deutlich minimiert. Das wiederum hat nicht nur Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck, sondern ganz direkt auf die Betriebsausgaben. Eine klare Win-Win-Situation für Unternehmen und Umwelt.

Autorin

Stina Worttmann ist verantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Sander & Doll AG in Remscheid.

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