Neue Initiative für sozialen Wohnungsbau

Der soziale Wohnungsbau ist zurück im Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Das Defizit an bezahlbarem Wohnraum lag Ende vergangenen Jahres bei rund 770 000 Wohnungen. Was die Schaffung bezahlbarer Wohnungen anbelangt, so hat sich mit dem so genannten Kieler Model ein Funktionsmuster etabliert, das standardisierte Grundrissmodelle für dezentrale Flüchtlingsunterkünfte präferiert. Wichtig ist hierbei die konsequente Ausrichtung dieser Mehrgeschossbauten auf eine langfristige Nachnutzung als Sozialmietwohnungen. Ein neues Konzept des Bundesverbandes Leichtbeton (BV-Lb) schließt in Teilen an das Kieler Modell an, verfolgt dann jedoch einen eigenen Ansatz hinsichtlich der Bewohnerverortung und stellt eine noch wirtschaftlichere Bauausführung aus Leichtbeton in Aussicht. Die Ausarbeitung erfolgte in Zusammenarbeit mit Prof. Günter Pfeifer von der TU Darmstadt und dem Architekturbüro BaruccoPfeifer. Dieser zufolge verbindet das BV-Lb-Modell den Kieler Ansatz mit zentralen Aspekten wie einer kurzen Planungs- und Bauzeit, einer wirtschaftliche Konstruktion, einem hohen Maß an Nachhaltigkeit und Flexibilität der Nutzungsoptionen.

Durch die Typologisierung der Gebäude, das gestalterische Prinzip der Wiederholung und Standardisierung sowie durch eine durchdachte Planung von Gemeinschafts- und Individualflächen sind für die wichtigen Kostengruppen 300 und 400 niedrige Quadratmeterpreise für die Bruttogeschossfläche von etwa 1000 Euro möglich. „Kommunen und gemeinnützige Bauträger profitieren von der schnellen, preiswerten Schaffung bezahlbaren Wohnraums und von Gebäuden, die sich nicht nur nahtlos in das bestehende Stadtbild einfügen, sondern langfristig hochwertige Bausubstanz mit geringem Wartungsaufwand garantieren“, versichert Dieter Heller, Geschäftsführer des Bundesverbandes Leichtbeton. Die baurechtlichen Anforderungen beim Schall- und Brandschutz übererfüllt dieses Wohnkonzept teils deutlich. Auf natürliche Weise optimiert Leichtbeton zudem den sommerlichen Wärmeschutz. Besonders gegenüber Wohncontainern aus Metall und Holz erweisen sich diese Aspekte als klare Wettbewerbsvorteile.

Die geplanten Häuserzeilen nach dem BV-Lb-Modell bestehen aus einem Anfangstyp (3-Zimmer-Wohnung), beliebig vielen Regeltypen (4-Zimmer-Wohnungen) und einem Endtyp (6-Zimmer-Wohnung). Der Endtyp kann auch als 3-Zimmer-Wohnung mit Einliegerwohnung konzipiert werden. Jede einzelne Wohneinheit besteht aus Erdgeschoss mit Garten und Obergeschoss. Letzteres weist einen Versatz von rund 4 m auf. Dies gewährleistet, dass deutlich weniger Verkehrsflächen bei der Berechnung veranschlagt werden müssen. Die Mehrgeschossbauten im Vorschlag der ARGE Kiel weisen etwa 40 Prozent Gemeinschafts- und Verwaltungsflächen auf. Diesen Anteil reduziert das BV-Lb-Modell auf rund 14 Prozent. Somit entstehen Gebäude mit viel effektiv nutzbarem Wohnraum, die kostenoptimiert erstellt werden können. Das zeigt unter anderem der Einsatz von vorgefertigten Raumzellen (Fertigbäder, Technikraum), die hier ihre Anwendung finden.

Da auch die Nachhaltigkeit der Gebäude ein zentraler Eckpfeiler dieses Ansatzes ist, werden die Häuser aus Leichtbetonmauerwerk und/oder Leichtbetonfertigteilen errichtet. Denn massiver Leichtbeton überzeugt von der energieeffizienten Herstellung, über die hohe Wärmespeicherung während der Nutzungsphase bis hin zum Recycling nach Abbruch. Ein „Nachhaltigkeitstag“ soll im Herbst diese Vorteile verdeutlichen. In diesem Rahmen stellen die Vertreter des Verbandes auch die Initiative „Nachhaltiger preiswerter sozialer Wohnungsbau“ zur Diskussion.