Pavillon auf dem Lusthügel

In Neuötting wurde der Sommerkeller einer alten Brauerei inklusive eines Pavillons von 1844 umfassend saniert und in ein Wohnhaus verwandelt. Gedämmt wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude von innen mit Dämmplatten aus Perlit.

Das Bauobjekt liegt im denkmalgeschützten Altstadt-Ensemble der oberbayrischen Stadt Neuötting, einer Stadt in Höhenlage, unweit von Altötting. Das Kernstück des Ensembles bildet der Stadtplatz, der mit Bürgerhäusern und einer Kirche fast den gesamten historischen Stadtbereich einnimmt. Ein großer Teil der Häuser stammt im Kern noch aus dem Spätmittelalter. Am Alten Stadtberg 2 liegt der ehemalige Sommerkeller der Brauerei Pallauf vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Darüber befindet sich ein zweigeschossiger, achteckiger Pavillon mit Glockendach von 1844 und ein baulich angeschlossener, zweigeschossiger Längstrakt mit Satteldach von 1864. Umbauten sind bereits um 1900 und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vorgenommen worden. Der Pavillon steht unter Einzeldenkmalschutz, der Längsbau unter Ensembleschutz.

Im Volksmund wird die Lage oben am Alten Stadtberg auch Lusthügel genannt, wahrscheinlich zurückzuführen auf den Begriff Gartenlust, da man vom Hügel aus einen großartigen Blick in die grüne Landschaft hatte. Der Bauherr hatte Grundstück und Gebäude von seinem Vater übernommen, um sich hier einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: Ein Wohnhaus, von dem aus man einen prächtigen Blick ins Tal hat.

Grundsätzliche Sanierung

Im Einvernehmen mit dem Denkmalschutzamt wurden beim Pavillon im Erdgeschoss und Obergeschoss die bauzeitlich jeweils sechs Korbbogenöffnungen freigelegt und wiederhergestellt. Die alten Ziegel der Ausmauerungen konnten für Ergänzungsarbeiten an Pfeilern und Stürzen eingesetzt werden. Bestehende Mauerpfeiler und Stürze wurden im Hinblick auf die Statik überprüft und erforderliche Maßnahmen wie Verpressung und Vernadelungen festgelegt.

Am Übergang zum Längsbau waren ursprünglich an der 7. und 8. Seite des achteckigen Gebäudeteils Öffnungen vorhanden, ersichtlich an Putzabrissen. Um die ursprüngliche Form hervorzuheben, wurden im Erdgeschoss und Obergeschoss die jeweils 7. Öffnung als Durchgang zum Längsbau wieder freigelegt.

Im Pavillon wurde als neuer Erdgeschoss-Boden eine Betonbodenplatte eingebracht. Feuchtigkeitsabdichtung, Wärme- und Trittschalldämmung, schwimmender Zementestrich mit Fußbodenheizung und ein Natursteinbelag aus Solnhofer Platten ergaben eine Gesamthöhe des neuen Bodenaufbaus von 41 cm. Da die neue Bodenhöhe 17,5 cm tiefer liegt als die bestehende Bodenoberkante des Längsbaus, wurde eine Stufe vor dem Bereich des neuen Durchgangs eingebaut.

Erdgeschossdecke des Pavillons

Die bestehenden Holzdielen bauten die Handwerker fachgerecht aus, bereiteten sie auf und verwendeten sie als neuen Bodenbelag wieder. Schadhaftes Holz tauschten sie durch Dielen aus dem Längsbau aus. Die vorhandene, nicht bauzeitliche Putzdecke wurde abgetragen. Die bestehenden Deckenbalken blieben erhalten und wurden als Träger für die neue Putzdecke verwendet. Als Träger wurden zwischen den Bestandsbalken neue Holzbalken eingebaut, auf denen dann eine Holzschalung und der ausgebaute Dielenbelag aufgebracht werden konnten. Da die Oberkante der neuen Holzbalken etwas höher liegt als die alten Balken, muss die alte Konstruktion keine Bodenlasten mehr aufnehmen. Die Trennung dient außerdem der Vermeidung von Trittschall. Zusätzlich wurde in den Hohlraum eine Lage Mineralwolle als Schalldämmung eingelegt.

Obergeschossdecke und Dachstuhl Pavillon

Weil der Dachstuhl teilweise erneuert werden musste, konnte die bestehende Putzdecke nicht erhalten bleiben. Das bauzeitliche Randgesims wurde jedoch gesichert und anschließend durch die notwendige Innendämmung überbaut. Anhand einer abgenommenen Schablone konnten die Handwerker später ein Randgesims neu ausführen.

Die bestehende Konstruktion des Glockendachstuhles wurde fachgerecht freigelegt: Hier konnte das noch vorhandene äußere Putzgesims weitgehend erhalten bleiben und wurde an Fehlstellen ergänzt. Der Dachüberstand wurde wieder wie im ursprünglichen Bestand als glatt verputzte Kastenkonstruktion ausgeführt und an das Putzgesims angearbeitet. Auf die Holzbalkenlage des Obergeschosses wurde eine Wärmedämmung aus 20 cm Mineralwolle verlegt, der Dachraum selbst verbleibt als gut durchlüfteter Kaltdachraum, mit entsprechenden Zuluftgittern an der Traufe und Abluftgittern im Bereich der Dachhaube.

Gesundes Raumklima und Energieeffizienz durch

Innendämmung

Aufgrund der Wandstärken im Bestand mit Vollziegelmauerwerk wurden verschiedene Varianten der möglichen Wärmedämmung überlegt. Da für das Landesamt für Denkmalpflege eine Außendämmung nicht in Frage kam, wurden die Möglichkeiten von Innendämmsystemen geprüft. Die ursprünglich vom Landesamt gewünschte Innendämmung aus Schilfrohrmatten und Lehmputz wurde wegen der notwendigen Aufbaustärke und wegen der Problematik der hohen Anzahl von Öffnungen, der schrägen Laibungen und der vielen Sturzausbildungen in Bogenform verworfen. Ebenfalls aus diesen Gründen wurde eine innere Vorsatzschale aus Dämmziegeln nicht weiter verfolgt.

Letztlich überzeugte die Innendämmung „TecTem“ von Knauf Aquapanel durch ihre Vorteile Bauherr und BLfD. Das System basiert auf einer faserfreien, kapil­lar­aktiven und diffusionsoffenen Dämmplatte, hergestellt aus vulkanischem und veredeltem Perlite. Das Naturprodukt dämmt, reguliert Feuchte, schützt vor Schimmelpilzbildung und kommt ohne Dampfbremse aus.

Bauklimatisch wurde eine erforderliche Dämmstärke von 100 mm ermittelt. Um spätere Bauschäden zu vermeiden, wurde auch bei den Anschlüssen zu den Fensterelementen im Laibungs- und Brüstungsbereich besondere Sorgfalt auf die Detailausbildung gelegt. Hier wurden dünne „TecTem“-Platten verklebt und mit Gewebe und Putz versehen. Die Holzfensterstöcke wurden deswegen etwas breiter ausgebildet und die außenseitige Laibung wurde mit einer Kombination von Wärmedämm-, Leicht- und Deckputz versehen. Im fertigen Zustand erscheint der Fensterstock innen und außen dann wieder in normaler Ansichtsbreite.

Montage der Innendämmung

Zunächst brachten die Handwerker in Teilbereichen den „TecTem“ Grundputz auf, um einen ebenen und luftdichten Untergrund zur Montage der Dämmplatten zu gewährleisten und klebten Entkoppelungsstreifen auf Fußboden und Decke. Um die Dämmplatte zu verkleben, trugen sie anschließend den Klebespachtel vollflächig auf die Platten auf und kämmten ihn mit einer Zahntraufel durch, bevor sie die Platten in waagerechten Reihen im Verband mit einem Versatz von mindestens 20 cm ansetzten. Dabei mussten sie darauf achten, die Platten lot- und fluchtgerecht auszurichten und keinen Kleber in die Fugen geraten zu lassen. Nach der Montage wurden vorhandene Versatzstellen nach dem Abbinden des Klebespachtels mit einem Schleifbrett egalisiert und offene Fugen mit Füllmörtel verfüllt, größere Fugen mit Plattenstreifen geschlossen.

Zur Haftverbesserung der Oberflächenbeschichtung behandelten die Handwerker die gesamte Oberfläche mit der zum System gehörenden Grundierung vor. Nach der Trocknung konnte direkt der Innenputz in Bahnbreite des Gewebes aufgetragen werden. Das Gewebe wurde anschließend in den Putz eingebettet und danach nochmals dünn mit Putz überzogen, damit es im oberen Drittel der Armierungsschicht liegt.

Autorin

Filiz Bekmezci ist Bauingenieurin und arbeitet in der Anwendungstechnik bei Knauf Aquapanel in Dortmund.