Preis für Handwerk in der Denkmalpflege Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege in Niedersachsen und im Saarland verliehen

Der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ist eine Institution. Alljährlich wird er in zwei Bundesländern verliehen. Ende vergangen Jahres waren Niedersachsen und das Saarland an der Reihe. Die Bauherren erhalten je Bundesland insgesamt 15 000 Euro; die Handwerker werden mit einer Urkunde bedacht.

Der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gestiftete Preis wird in jedem Jahr in zwei Bundesländern an private Denkmaleigentümer verliehen, die bei der Bewahrung ihres Denkmals in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk Herausragendes geleistet haben. Die an den Restaurierungsarbeiten beteiligten Handwerksbetriebe erhalten Ehrenurkunden, für die privaten Denkmaleigentümer gibt es je Bundesland insgesamt 15 000 Euro. In Niedersachsen fand die Preisverleihung Mitte November vergangenen Jahres in Hannover statt. Dort erhielten fünf Denkmaleigentümer und 21 Handwerker ihre Auszeichnungen und Preise. Im Saarland wurden die Preisträger Ende November vergangenen Jahres in Saarbrücken geehrt. Dort gab es neun Denkmaleigentümer und 24 Handwerker, die sich über Preise und Auszeichnungen freuen konnten.

1. Preis: Kapelle von Gut Schnellenberg in Lüneburg

Die Kapelle von Gut Schnellenberg wird in Lüneburg erstmals 1674 erwähnt. Dem zuletzt 1866 reparierten Fachwerkbau sieht man seine Geschichte an. Dass diese Zeit- und Nutzungsspuren auch nach der Instandsetzung noch am Gebäude ablesbar sind, dafür erhielt Wasmuth von Meding einen der beiden ersten Preise in Niedersachsen. Die Pflege und der selbstverständliche Umgang mit dem historischen Wert des Denkmals haben sowohl bei der Auswahl der Handwerker als auch bei der Festlegung des Arbeitsumfangs zu einem angemessenen Vorgehen und einem großartigen Ergebnis geführt.

1. Preis: Villa Seligmann in Hannover

Die vom Architekten Hermann Schroedter in den Jahren 1903 bis 1906 in Hannover für den Kaufmann und Kommerzienrat Siegmund Seligmann erbaute Villa gehört zu den eindrucksvollsten großbürgerlichen Villen der Stadt. Das als städtische Musikschule genutzte Gebäude war in seinen Oberflächen zwar verschlissen, in der Substanz jedoch gut erhalten. Durch den Einsatz engagierter Handwerker gelang es dem neuen Eigentümer, der Siegmund-Seligmann-Stiftung, für die Nutzung als Institut für jüdische sakrale Musik eine Heimstatt zu gewinnen. Die Herausarbeitung der handwerklichen Qualitäten des Baus durch erneute handwerkliche Qualität würdigt die Jury in Niedersachsen mit einem weiteren ersten Preis.

3. Preis: Hofanlage Vogt-Frühe in Badbergen

Die Artländer Hofanlage Vogt-Frühe in Badbergen ist ein regionaltypisches Ensemble aus Haupthaus, Remise, Backhaus und Scheunen, das sein heutige Aussehen in der Zeit von 1749 bis 1842 erhielt. Die mittlerweile nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Anlage ist seit langem in Besitz der Familie Vogt, die sich seit 1984 um die Instandsetzung und Umnutzung des Hofes kümmert.

Der Respekt, mit dem Wolfgang Vogt die Arbeiten mit qualifizierten Handwerkern angegangen ist, würdigt die Jury in Niedersachsen mit einem der beiden dritten Preise. Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben.

3. Preis: Leibzucht auf dem Hof Gottschalk in Helpsen

Der Hof Gottschalk im Helpsener Ortsteil Kirchhorsten ist eine für die Gegend typische Hofanlage, die nach wie vor landwirtschaftlich genutzt wird. Mit dem behutsamen Umbau der nicht mehr benötigten Leibzucht, einem 1848 erbauten Fachwerkgebäude, in ein Ferienquartier konnte dieser die Hofanlage prägende Bau erhalten bleiben.

Für die qualitätvolle Substanzsicherung und den damit verbundenen Erhalt des historischen Charakters der Hofanlage wurde Hinrich Gottschalk mit einem weiteren dritten Preis in Niedersachsen ausgezeichnet.

Sonderpreis: Torscheune in Braunschweig-Lamme

In Braunschweig-Lamme sind nur noch wenige der historischen Torscheunen erhalten. Einst prägten sie die Straßenzüge im Ort. Die kaum zu nutzenden Bauten fallen mittlerweile leider vielfach einer Modernisierung zum Opfer.

Dafür, dass sie die schon fast zerstörte Torscheune in der Frankenstraße 27/27a in altem Material und mit traditionellen Handwerkstechniken wiederhergestellt haben, erhielten die Familien Grotjan und Sjuts in Niedersachsen einen Sonderpreis.

1. Preis: Wohnhaus in Saarbrücken-St. Arnual

Das 1899 erbaute und 1930 umgebaute Wohnhaus in der Blücherstraße in Saarbrücken-St. Arnual ist ein Zeugnis bürgerlicher Wohnkultur. Christian und Dr. Judith Walter haben die Qualität des vernachlässigten Denkmals erkannt und vorsichtig wiederhergestellt. Mit viel Liebe zum Detail wurde das Haus mit erfahrenen Handwerksbetrieben denkmalgerecht restauriert. Die Jury hofft auf die Vorbildfunktion der Restaurierung und zeichnete diese mit einem der beiden ersten Preise im Saarland aus.

1. Preis: Bauernhof in St. Wendel

Gerlinde und Werner Weber haben in St. Wendel einen regionaltypischen Bauernhof des 18. Jahrhunderts zu neuem Leben erweckt. Unter Hinzuziehung qualifizierter und erfahrener regionaler Handwerksbetriebe und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde die Sanierung durchgeführt und im Saarland mit einem weiteren ersten Preis geehrt.

2. Preis: Bauernhaus in Saarbrücken-St. Arnual

Ilse Schleuning hat mit der Übernahme und Wiederherrichtung eines Bauernhauses von 1858 in Saarbrücken-St. Arnual ein ortstypisches Denkmal erhalten. Die vorsichtige Rückführung der baulichen Details des eher schlichten Anwesens erfolgte mit qualifizierten Handwerksbetrieben und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Für die denkmalgerechte Restaurierung gab es im Saarland einen zweiten Preis.

3. Preis: Hühnerhaus in Wallerfangen

Hühnerhäuser sind meist unspektakuläre Nutzbauten. In Wallerfangen steht aber eines, das zu Recht denkmalgeschützt ist. Die Familie Villeroy de Galhau hat das im 19. Jahrhundert erbaute Hühnerhaus umgenutzt und damit seinen Bestand erhalten. Für die vorbildlichen handwerklichen Leistungen und die neue denkmalgerechte Nutzung gab es im Saarland einen dritten Preis.

Sonderpreis: Alte Abtei in Mettlach

Am Saarufer von Mettlach steht die mächtige Alte Abtei. Das Barockgebäude entstand in den Jahren von 1728 bis 1780 nach Plänen der Baumeisters Christian Kretschmar. Die eindrucksvolle Sandsteinfassade prägt bis heute das Saarufer. Für die sorgfältige Instandsetzung mit höchstem handwerklichen Geschick wird im Saarland die Firma Villeroy & Boch mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, welche die Abtei als Verwaltungssitz nutzt.

Insgesamt fünf weitere Handwerkerpreise

Außerdem wurden im Saarland noch insgesamt fünf weitere Handwerkerpreise verliehen. Diese gingen für die Sanierung der geschmiedeten Balkongeländer eines Wohnhauses in Saarlouis (Eigentümerin Germaine Geiben) an den Metallbauer und Kunstschmied Kurt Jenal aus Schmelz, für die Restaurierung der Deckenmalereien in der St. Josef Kapelle in Mettlach (Eigentümer Wendelin von Boch) an die Restauratoren Martin und Marco Merzgold aus Tholey, für die Instandsetzung der Fenster und Innenausstattung in einem Wohn- und Geschäftshaus in Saarbrücken (Eigentümer Heinz Diesinger) an den Schreiner Horst Feld aus Düppenweiler sowie für die Restaurierung der Fenster in einem Wohnhaus in Blieskiastel-Mimbach (Eigentümer Joachim Wollschläger) an die Tischlerei Fuhrmann-Colling aus Gerheim-Reinheim. Allen Gewinnern zum Schluss ein herzlicher Glückwunsch von der bauhandwerk-Redaktion.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Alle Bundespreisträger

In zwei pdfs finden Sie hier die komplette Auflistung aller Träger des Bundespreises für Handwerk 2012 im Saarland und in Niedersachsen. In den Listen sind sowohl die Eigentümer der ausgezeichneten Objekte als auch die ausführenden Handwerksbetriebe verzeichnet.

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