So geht der Baustoffhandel mit der Corona-Krise um

Mundschutz tragen und Abstand halten – die Corona-Krise hat unser Einkaufsverhalten verändert. Glücklicherweise lassen sich viele Waren telefonisch, per Fax oder online bestellen. So müssen Produkte nicht unbedingt im Handel abgeholt, sondern können direkt in den Betrieb oder auf die Baustelle geliefert werden.

Zahlreiche Geschäfte in Deutschland mussten aufgrund der Corona-Krise im März, April und Mai vorübergehend schließen oder durften nur auf eingeschränkter Fläche öffnen. Der Baustoffhandel war von Schließungen weitgehend nicht betroffen, und die Arbeit im Bauhandwerk lief relativ normal weiter. Viele Baustoffhändler mussten jedoch Maßnahmen ergreifen, um Mitarbeiter und Kunden vor einer Ansteckung mit dem Covid-19-Virus zu schützen: Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel für Mitarbeiter besorgen, Schutzscheiben im Kassen- und Verkaufsbereich aufstellen und auf  Sicherheitsabstände achten sind nur einige davon.

Stark eingeschränkter Verkauf vor Ort

Auch der Verkauf im Bedachungsfachhandel Heitkamm Dachbaustoffe in Gütersloh läuft anders als sonst. Im Geschäft und im Lager des Händlers in Gütersloh wurden viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen. Wer das Geschäft betritt, gelangt über einen mit Flatterband markierten Weg ausschließlich zum Beratungstresen. Die Mitarbeiter im Geschäft tragen Mund-Nasen-Schutzmasken, eine fest installierte Scheibe trennt Kunden und Mitarbeiter bei Beratungsgesprächen. Privatkunden dürfen das Geschäft derzeit gar nicht betreten. Aber auch Gewerbekunden dürfen nicht einfach so vorbeikommen, sondern müssen ihren Besuch anmelden.

Bestellungen werden beim Fachhändler kommissioniert und auf Paletten zur Abholung bereitgestellt. Der Lieferschein, der normalerweise im Verkaufsraum abgeholt wird, liegt schon bei der Ware. So müssen Kunden nur noch auf den Hof fahren und ihre Ware einladen. Mitarbeiter aus dem Lager helfen beim Verladen und kontrollieren die Abholung.

Auf der Mitte des Hofes stehen mehrere Paletten-Türme, darauf liegen verschiedene Bestellungen zur Abholung bereit: Dachlatten, Ziegel, Bleche oder Schiefersteine. Ein Zimmerer aus Bielefeld etwa kommt vorbei, weil er ein Verdunkelungsrollo für ein Velux-Dachfenster bestellt hat. Der Handwerker hat seinen Sohn auf dem Beifahrersitz dabei, die Kinderbetreuung sei derzeit bei ihm und den Mitarbeitern in seinem Betrieb eine Herausforderung, weil die Schulen wieder geschlossen wären. Um das Rollo abzuholen, muss der Zimmerer nicht einmal sein Auto verlassen. Ein Mitarbeiter des Bedachungsfachhandels lädt das Rollo in den Transporter – schon ist der Einkauf erledigt. Die meiste Ware bestelle er vor Ort, berichtet der Zimmerer, manches bestelle er aber auch online. „Braas Wakaflex“ Kamin- und Wandanschlussbänder bestelle er etwa ausschließlich bei Dachdeckermarkt24, da diese dort sehr günstig seien.

Stabile Umsätze in den vergangenen Monaten

Die Heitkamm GmbH Dachbaustoffe ist an neun Standorten in NRW, Niedersachsen und Sachsen vertreten. Der Hauptsitz des Bedachungsfachhändlers ist in Ahlen/Westfalen, seit 1979 gibt es eine Niederlassung in Gütersloh. Die Heitkamm GmbH gehört zur COBA-Baustoffgesellschaft für Dach + Fassade, zu der 40 selbständige Bedachungsfachhändler mit rund 70 Standorten in Deutschland gehören. Trotz aller Einschränkungen kann Michael Engel, Einkaufsleiter und Prokurist bei COBA, nicht über sinkende Umsätze klagen. „Aufgrund der guten Auftragslage, mit der unsere Kunden in das Jahr gestartet sind, können wir über stabile Umsätze in den vergangenen Monaten berichten“, sagt er. Der Umsatz der COBA-Bedachungsfachhändler habe in den ersten vier Monaten des Jahres sogar über dem Vorjahresumsatz gelegen. „Wir hoffen, dass es in den nächsten Monaten so stabil bleibt“, ergänzt Engel, „das ist aber sicherlich von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung nach der Corona-Krise abhängig.“

Dabei ist kontaktloses Bestellen und Bezahlen auch im Bedachungsfachhandel längst etabliert. Viele Bestellungen gehen bei den Fachhändlern telefonisch, per Mail oder Messenger ein. Für die Abholung kleinerer Mengen oder für das persönliche Gespräch mit dem Verkäufer kommen Kunden aber auch persönlich vorbei. Das persönliche Gespräch mit den Verkäufern ist derzeit aber nur eingeschränkt möglich, wie das Beispiel des Dachbaustoffhändlers in Gütersloh zeigt.

Online-Umsatzwachstum von knapp 30 Prozent

Steigende Umsätze trotz der Corona-Krise verzeichnet auch die Würth-Gruppe. Neben dem Verkauf in den Niederlassungen vor Ort und dem Vertrieb über den Außendienst bietet Würth auch kontaktlose Bestell- und Einkaufsmöglichkeiten über einen Online-Shop und eine App. Auf der Bilanzpressekonferenz im Mai stellte das Unternehmen die aktuellen Umsatzzahlen vor: Im März hat der E-Business-Umsatz der Adolf Würth GmbH & Co. KG um 27 Prozent zugelegt. Auf den Webseiten gehen bei Adolf  Würth im Schnitt rund 700 Suchanfragen pro Minute ein, im Monat loggen sich rund 400 000 Kunden im Onlineshop und der Würth App ein. Allerdings ist der Einkauf bei Würth nur Gewerbekunden vorbehalten.

Durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage in den Würth-Filialen und im Online-Shop nach bestimmten Produkten gestiegen: Schutzbrillen, Atemschutzmasken, usw. wurden in den letzten Monaten in überdurchschnittlichen Mengen verkauft. In Zeiten von Corona wird dabei kontaktloses Bestellen, Bezahlen und Liefern immer wichtiger. Bedachungsfachhändler mit Online-Shops bieten daher klare Vorteile.

Deutliches Wachstum im Online-Verkauf

Auch der Online-Fachhändler Dachhdeckermarkt24 verzeichnete im ersten Quartal 2020 hohe Verkaufszahlen. „Über das Gesamtsortiment hatten wir im ersten Quartal 2020 ein Wachstum von 90 Prozent, im Arbeitsschutzsortiment von über 125 Prozent“, sagt Urs Nies, Leiter des Bereichs E-Commerce bei dem Online-Fachhandel. Die wegen der Hygienemaßnahmen erschwerten Bedingungen des stationären Verkaufs am Unternehmenssitz in Wettringe würden aber durch die starken Online-Umsätze mehr als ausgeglichen.

Unkomplizierter Bestellvorgang

Gute Erfahrungen mit dem Einkauf bei Dachdeckermarkt24 hat der Dachdeckerbetrieb Lecher Dächer aus Kolkwitz/Cottbus gemacht. Vor allem Werkzeuge und Kleinmaterialien bezieht der Dachdeckerbetrieb über den Online-Discounter. Unkomplizierte Bestellwege und die preislichen Vorteile des Online-Einkaufs seien die entscheidenden Gründe, heißt es bei Lecher Dächer auf  Nachfrage. „Wir bieten viele Markenartikel zu günstigen Discountpreisen“, erklärt Urs Nies, „außerdem bieten wir transparente Preise und einen einfachen Bestellprozess nach einmaliger Registrierung.“ Mehr über das Sortiment von Dachdeckermarkt24, die aktuelle Situation und die zukünftige Entwicklung des Online-Fachhandels lesen Sie im Interview mit Urs Nies und Heiko Mohnberg, Geschäftsführer bei Dachdeckermarkt24.

Autor

Stephan Thomas ist Redakteur der Zeitschrift bauhandwerk und verantwortlicher Redakteur der zur Marke bauhandwerk gehörenden Zeitschrift dach+holzbau.

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