Innenausbau des Hamams in Trockenbauweise in Frankfurt

In einem neuen Wohn- und Geschäftshaus in Frankfurt wird der Angebots-Mix durch ein hochwertiges Fitness- und Wellness-Studio erweitert. Wegen der zu erwartenden Feuchtebelastung erfolgte der Innenausbau des Hamams in Trockenbauweise mit speziellen wasserfesten, zementgebundenen Platten.

Mit einem Mix aus Geschäften, Büros und Wohnungen ergänzt und bereichert das Turmcarrée die Frankfurter Innenstadt. Zu dessen Angebot gehört auch ein Studio, das einen großen Teil der Erdgeschossfläche sowie weitere Flächen in den beiden darüber liegenden Etagen nutzt. Die Räume des Studios wurden vom Frankfurter Architektenbüro KSP Jürgen Engel Architekten und Innenarchitektin Ushi Tamborriello ausschließlich mit hochwertigen und natürlichen Materialien ausgestattet.

Kern des Studios ist ein Hamam nach orientalischem Vorbild, jedoch modern interpretiert, der allein etwa 600 m² des insgesamt rund 3500 m² großen Fitnessbereichs für sich beansprucht. Er besteht aus vier geschlossenen Dampfbadzellen, die an einem Umgang angeordnet sind, der nacheinander die verschiedenen Stationen erschließt. Der Ausbau erfolgte in Trockenbauweise. „Es war die optimale Lösung“, erklärte Architekt Lars Huber von KSP Jürgen Engel Architekten, der für die Entwurfs- und Ausführungsplanung verantwortlich war und die Bauleitung vor Ort unterstützte. „Die Deckenstatik war nicht für einen massiven Ausbau mit Mauerwerk oder Betonbauweise ausgelegt“, so Huber weiter.

Für die Trockenbauweise sprach zudem die Unabhängigkeit bei der Raumaufteilung. Sie bietet dem Betreiber des Fitness- und Wellness-Studios die Option, spätere Umbauten und Grundrissänderungen je nach Bedarf flexibel und ohne großen Aufwand durchzuführen. Bei der Auswahl der Baustoffe standen vor allem die zu erwartenden Belastungen durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Hamam im Vordergrund. „Bei einer Luftfeuchtigkeit, die dauerhaft im Bereich von 80 bis 90 Prozent liegt bestanden besondere Anforderungen an die Bauphysik und die Dampfbelastbarkeit der eingesetzten Materialien. Deshalb konnten wir hier natürlich nicht mit normalen Trockenbaukonstruktionen arbeiten“, erläuterte Architekt Huber.

Dauerhaft bis zu 90 Prozent Luftfeuchtigkeit

Der Ausbau erfolgte mit zementgebundenen Bauplatten, die speziell für den Ausbau von Nassräumen gedacht sind. Dank des geringen Plattengewichts von 13 kg/m² konnten mit der für die Wand- und Deckenbekleidungen sowie für sämtliche Zwischenwände verwendeten Fermacell „Powerpanel H2O“ Probleme mit der Deckenstatik von vorneherein ausgeschlossen werden. Mit ihrem günstigen Dehn- und Schwindverhalten bieten die Leichtbeton-Bauplatten den idealen, wasserresistenten Untergrund für die hier vom Ausstattungskonzept vorgesehenen hochwertigen Beschichtungen und Bekleidungen. Außerdem besitzen die Platten gute Schalldämmwerte – bei einlagiger Beplankung und entsprechender Hohlraumdämmung 47 dB, bei zweilagiger Verarbeitung 55 dB, wie sie im Turmcarrée gewählt wurden.

Korrosionsschutz

Rund 4500 m² kamen von den 12,5 mm dicken Platten in einer Größe von 1250 x 2000 mm zum Einsatz. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit hatte man die Außenwände und Decken vor der Beplankung zunächst mit Schaumglaspaneelen gedämmt. In besonders wasserbeanspruchten Bereichen wurden die Zwischenwände dagegen ohne innenliegende Dämmung ausgeführt, um Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. „Bei dem natürlichen hohen Schalldämmwert der Wände war dies aber kein Problem. Wir konnten darauf sehr gut verzichten und mussten kein Risiko eingehen“, sagt Lars Huber.

Die Verarbeitung erfolgte zweilagig auf einer Unterkonstruktion aus Metallprofilen, die mit einem Feuchtraum geeigneten Korrosionsschutz nach DIN EN 13964 ausgestattet sind. Ebenfalls den Anforderungen an den Korrosionsschutz entsprachen die Befestigungsmittel. Fermacell hat hier spezielle Schrauben entwickelt, die die Korrosivitätskategorie C4 nach DIN EN ISO 12944-2 erreichen und für Räume mit hoher Feuchtebelastung geeignet sind. Eine optimierte Gewindegeometrie sorgt zudem für das schnelle Eindringen der Schrauben ohne aufwändiges Vorbohren und garantiert sicheren Halt in der Unterkonstruktion. Der Schraubenkopf lässt sich außerdem gut in der Platte versenken.

Die Verbindung der Platten wurde – wie vom Hersteller empfohlen – in Klebefugentechnik mit dem zum System gehörenden Fugenkleber ausgeführt, der für die Feuchteklassen A0 und A beziehungsweise C (gemäß ZDB-Merkblatt „Verbundabdichtungen“, August 2012) geeignet ist.

Zügige Verarbeitung

Der schnelle und einfache Aufbau erwies sich beim Frankfurter Turmcarrée als einer der wesentlichen Vorzüge der Powerpanel-Konstruktion. Zuschnitte konnten von den Mitarbeitern des ausführenden Unternehmens M-Bauservice mit einer Handkreissäge hergestellt werden. Dabei war ein mit Hartmetall bestücktes Sägeblatt völlig ausreichend. Rundungen und Anpassungen stellen die Handwerker mit einer Stichsäge oder mit einem Hohlraumdosenbohrer her. „Die eingesetzten großen Plattenformate von 1250 x 2000 mm beschleunigten den Arbeitsfortschritt zusätzlich, da wir dadurch Querfugen und deren Verklebung einsparen konnten“, betont Detlev Fahlbusch, Betriebsleiter der M-Bau-Service.

Oberflächenbearbeitung

Grundsätzlich verfügt die Powerpanel H2O bereits werkseitig über eine sehr glatte, wasserfeste Oberfläche. Für viele Anwendungen dürfte es daher ausreichen, im Wandbereich lediglich Schraubenköpfe und Eckfugen abzudichten. Wegen der zu erwartenden ständigen hohen Luftfeuchtigkeit wurde im vorliegenden Fall zunächst ein spezielles gummiertes Abdichtungssystem auf die Epoxydharz-Untergrundspachtelung aufgebracht. Zum Schutz der Beschichtung und als Haftbrücke für die nachfolgenden Oberflächen brachten die Handwerker anschließend eine weitere Spachtelung auf Epoxydharzbasis in Q4-Qualität auf. Ein abschließendes Oberflächenfinish mit künstlichem Kaffeepulver sorgt für das edle Erscheinungsbild.

Autorin

Rita Jacobs M.A. führt ein PR-Büro mit Schwerpunkt Bau und Architektur in Düsseldorf. Sie unterstützt die Firma Fermacell bei der Pressearbeit und arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

„Die Deckenstatik war nicht für einen massiven Ausbau mit Mauerwerk oder Betonbauweise ausgelegt“

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