Superdicke Schicht auf dem WDVS

WDV-Systeme mit superdickschichtigem Putzaufbau bieten mehr Sicherheit als ihre herkömmlichen

mineralischen Verwandten. Der wartungsarme Aufbau sorgt für einen effizienten Wärmeschutz und hält die Fassade dauerhaft trocken und erhöht den Schutz gegen Vandalismus, Spechte oder Schlagregen.

Mineralische WDV-Systeme sind erste Wahl, wenn es um hohen Brand-, Schall- und Schlagschutz geht. Die Dämmplatten werden auf Basis von Steinwolle gefertigt und verfügen über Wärmeleitwerte zwischen 0,041 und 0,035 W/mK. Bestehen auch die eingesetzten Putze und Kleber aus anorganischen Bestandteilen, spricht man von einem vollmineralischen System. So entstehen dauerhaft robuste Wandaufbauten mit guter Ökobilanz und Recyclingfähigkeit. Soll die mechanische Belastbarkeit zusätzlich erhöht werden, bieten mineralische Dickputz-WDVS eine optimale Lösung. Die über 20 mm dicke mineralische Dickputzhülle ist hoch schlagfest und schützt das System besser vor Vandalismus ebenso wie vor Schäden durch Spechte oder Hagel. Aufgrund dieser Eigenschaften ist das solide System im Wohnungsbau sehr gefragt.

Höchster Brandschutz der Klasse A1

Auch die seit dem 1. Januar 2016 geltenden veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen geben vollmineralischen Systemen wie dem „weber.therm“ Dickputz WDVS Auftrieb. Denn seit diesem Zeitpunkt gelten für WDV-Systeme auf EPS-Basis verschärfte Brandschutzmaßnahmen, die unter anderem weitere, zusätzliche Brandriegel aus Mineralwolle vorsehen. Dadurch erhöht sich der Aufwand bei der Verarbeitung von EPS-Systemen, so dass sich viele Bauherren dafür entscheiden, komplett mit Mineralwolle zu dämmen.

Bei Kindergärten, Schulen oder Seniorenheimen ist eine nicht brennbare Ausführung der Fassadendämmung gefordert. Durch die Kombination von nicht brennbaren Dämmstoffen mit einer mineralischen Oberbeschichtung lässt sich die höchste Brandschutzklasse A1 nach DIN 4102 erreichen. Damit eignen sich vollmineralische WDVS auch für die Dämmung von Alt- und Neubauten bis 100 m Gebäudehöhe.

Längere Wartungsintervalle dank starker Putzschicht

Vorteile gibt es auch beim Schallschutz: Das massive Dickputzsystem wird vom Luftschall weniger leicht in Schwingungen versetzt. Nach dem Masse-/Federprinzip verbessert es die Schallabsorption spürbar. Insgesamt ist der dickschichtige Putzaufbau extrem wartungsarm. Die Lebensdauer ist bis zu zehn Mal länger als die eines dünnschichtigen Systems und bietet eine wirtschaftliche Alternative zu monolithischem oder zweischaligem Mauerwerk. Die von Saint-Gobain Weber entwickelte Technologie wurde im Jahr 1978 patentiert und hat sich über Jahrzehnte bewährt. An zahlreichen Objekten, die in den 1980er Jahren mit Weber Dickputz-Systemen ausgeführt wurden, ist die Putzschicht bis heute, also seit rund 35 Jahren, intakt.

WDVS als Witterungspuffer

Dickschichtige vollmineralische Systeme sorgen durch einen diffusionsoffenen Aufbau für einen optimalen Feuchtehaushalt, schnelle Bauaustrocknung und ein gesundes Innenraumklima. Die hohe thermische Speicherfähigkeit bildet einen natürlichen Witterungspuffer: Die Wärmeenergie der Umluft wird im System gespeichert und bei Temperaturwechseln langsam wieder abgegeben. Mit einem Diffusionswiderstand von μ = 1 eignen sich Mineralwoll-Dämmplatten auch zur Trockenlegung von Altfassaden. Gerissene Fassaden oder Fugen in Außenwänden, beispielsweise bei Großtafelbauweisen, können überbrückt werden.

Bei Weber haben Bauherren die Wahl zwischen Mineralwoll-Lamellen und Mineralwoll-Platten nach DIN EN 13 162. Die Dämmstoffe unterscheiden sich in der Ausrichtung der Faser. Die Faserrichtung der Lamellen liegt senkrecht zur Wand und sorgt für höhere Abrissfestigkeit und mehr Flexibilität. Die Faserrichtung der Platten verläuft parallel zur Wand und sorgt für eine bessere Dämmwirkung. Mineralwoll-Dämmplatten werden mit Schraubdübeln und Zusatztellern verdübelt. Systeme, die auf Mineralwoll-Lamellen basieren, können auch unverdübelt ausgeführt werden, sofern der Untergrund ausreichend tragfähig ist.

Dickschichtiger Putzaufbau

Beim „weber.therm“ Dickputz WDVS kommen ein 15 mm dicker Grundputz und eine 5 bis 6 mm dicke Armierungsschicht zum Einsatz, in die ein Armierungsgewebe aus hochreißfesten Glasfasern eingebettet wird. Entsprechende Maschinentechnik sorgt für eine wirtschaftliche Verarbeitung. Das Ergebnis sind Fassadenoberflächen von großer Schlagfestigkeit und Dauerhaftigkeit. Als Oberflächenfinish folgen ein dünnschichtiger, mineralischer Oberputz, zum Beispiel „weber.star 220 AquaBalance“ mit 2 bis 5 mm Korn, sowie ein mineralischer Anstrich.

Dauerhafter Schutz vor Algen und Pilzen

Mineralische Putze zeichnen sich durch einen guten Feuchtehaushalt und einen hohen pH-Wert aus und bieten so einen natürlichen Schutz vor Algen- und Pilzbewuchs. Sie werden seit über 40 Jahren auf Wärmedämm-Verbundsystemen erfolgreich eingesetzt. Dickschichtige Aufbauten verfügen zusätzlich über eine hohe Wärmespeicherfähigkeit und verringern dadurch die Tauwasserbildung. Vor allem aber sind mineralische Edelputzoberflächen hydrophil, das heißt, die Feuchtigkeit wird aufgenommen und erst später wieder kontinuierlich abgegeben.

Dementsprechend ist die Oberfläche bereits kurz nach der Beregnung oder der Befeuchtung durch Tau wieder trocken. Algen und Pilzen wird das Wasser und damit die Lebensgrundlage entzogen, so dass sich die Gefahr des Bewuchses allein durch die Auswahl eines mineralischen Systems bereits verringert. Zusätzliche Sicherheit bietet die „AquaBalance“-Putztechnologie, die das Funktionsprinzip mineralischer Putze aufgreift und verstärkt. Da der Algenbewuchs damit auf natürliche Weise verhindert wird, kann bei diesen Putzen und -Farben auf den Einsatz einer bioziden Filmkonservierung zum Fassadenschutz verzichtet werden.

Fazit

Mit einer dicken Putzschicht und zusätzlicher Armierung lässt sich die mechanische Belastbarkeit mineralischer WDV-Systeme deutlich erhöhen. Das Risiko von Schäden durch Spechte, Schlagregen oder Vandalismus an WDVS-Fassaden wird verringert. Gleichzeitig schützt es auf natürliche Weise vor Algen- und Pilzbewuchs. Durch die Verbindung von Schlagfestigkeit und einem hohen Brand- und Schallschutz eignet sich die Konstruktion nicht nur optimal für Schulfassaden, Krankenhäuser und große Wohnungsbauten. Dickputz-WDVS sind zudem besonders wartungsarm und anwendungssicher. Somit bietet es eine wirtschaftliche Alternative zu monolithischem oder zweischaligem Mauerwerk.

Autor

Dipl.-Ing. Georg J. Kolbe ist Produktmanager für Wärmedämm-Verbundsysteme in Deutschland und Österreich bei der Saint-Gobain Weber GmbH und leitet die Produktmarketing-Bereiche Fassade/Wand und Boden.
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