Untergrundaktivitäten

Ein Wohnhaus aus den 1950er Jahren hatte sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren gesetzt.

Das Schadensbild war entsprechend deutlich: Bis zu 3 cm breite Risse hatten sich im Mauerwerk gebildet.

Die weitere Setzung des Untergrundes wurde mit einer neuen Injektionsmethode gestoppt.

Setzungsrisse in einem solchen Ausmaß rufen normalerweise den Statiker auf den Plan; Einsturzgefahr bestand in diesem Fall jedoch nicht. Dennoch sah sich der Bauherr nun zum Handeln gezwungen, da die Rissbildung immer weiter voranschritt.

Das eingeschossige, nicht unterkellerte Haus weist eine nach heutigen Maßstäben unzureichende Fundamentierung auf und verfügt zudem über kein ausgeprägtes Gründungspolster. In diesem Zusammenhang konnte die Bodenplatte mit etwa 15 cm auch als nicht besonders biegesteif angesehen werden. Der Baugrund besteht bis in eine Tiefe von rund 4,50 m aus Klei, der mit Flussablagerungen durchsetzt ist. Erst darunter steht tragfähiger Boden an – insgesamt also ein statisch ungünstiger Untergrund.

Die Aufgabenstellung für die Fachleute der Firma Uretek lautete, den Baugrund zur Vermeidung weiterer Setzungen zu stabilisieren. Da laut Baugrundgutachten die Anwendung der firmeneigenen DeepInjection-Methode zur Fundamentanhebung keinen Erfolg versprach, kam die HybridInjection-Technologie zur Anwendung.

Die Uretek-Mitarbeiter brachten dabei sieben so genannte UPP-Elemente mit einer Länge von jeweils 5 m entlang der Giebelwand des Hauses in den Boden ein. Die Elemente bestehen aus befüllbarem Geotextil und werden in Stabform durch Führungsrohre in das zu festigende Erdreich abgesenkt. An Ort und Stelle werden
die Textilhüllen dann mit Expansionsharz auf ein Volumen von bis zu 33 cm Durchmesser angefüllt; das umliegende Erdreich wird durch die Expansion verdichtet.

Die dafür notwendigen, nahezu zerstörungsfreien Bohrungen mit einem Durchmesser von nur 82 mm wurden von innen und außen so ausgeführt, dass die HybridInjection-Elemente direkt unter den Steinfundamenten beziehungsweise unter den Wänden ihre Expansionswirkung entfalten konnten. Nach nur 1,5 Arbeitstagen war der Baugrund unter dem von den Setzungen betroffenen Hausteil so weit verdichtet, dass nun eine verbesserte Tragfähigkeit erreicht war. Auf eine Anhebung musste allerdings verzichtet werden, da diese nicht bauwerksverträglich gewesen wäre.

Autor

Dipl.-Ing. Andreas Wollenberg ist Produktmanager bei Uretek in Mülheim an der Ruhr.

Rissbildung gestoppt mit neuer Technologie zur Baugrundverdichtung

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