Dachgeschossausbau in der Villa Michels in Andernach
Seit mehr als einem Jahrhundert bereichert die imposante Villa Michels das historische Stadtbild von Andernach. 2021 begann die rund zweijährige Sanierung des Gebäudes, die mit dem Ausbau des etwa 400 m2 großen Dachgeschosses einschließlich runder Mansarde ihren Abschluss fand.
1897 wurde die Villa Michels in bester Lage direkt am Rhein fertiggestellt. Noch heute beeindruckt das Bauwerk mit seiner hellen Tuffsteinfassade und einem konkaven Mansarddach
Foto: Foto Behrendt
In Andernach, unweit von Koblenz, steht in bester Lage direkt am Rhein die von 1893 bis 1897 von den Industriellen Franz Xaver Michels und seiner Frau Maria erbaute neobarocke Villa Michels. Die Villa diente der Familie als repräsentatives Wohnhaus, während im Nebengebäude Büros und die familieneigenen Natursteinbetriebe untergebracht waren.
Von 2021 bis 2026 wurde das Gebäude umfassend saniert und wird seitdem als Eventlocation für Tagungen, Hochzeiten, Seminare oder Firmenveranstaltungen genutzt. Das hochwertig ausgebaute, fast 400 m2 große Dachgeschoss mit runder Mansarde bietet zudem unterschiedlich große Büroflächen.
Die Verantwortung für die anspruchsvolle Sanierung übernahm die G+K Ausbau und Sanierung GmbH aus Neuwied. Zu den Herausforderungen des Dachausbaus zählten die Auskleidung der Gauben einschließlich der Anpassung an die Rundungen der Mansardflächen, der Bau der zum Treppenhaus ausgerichteten Brandwand und der Ständerwände sowie die Bekleidung der Mansard- und Dachflächen.
Deutliche Setzungserscheinungen
Rund acht Monate dauerten die Ausbauarbeiten im Dachgeschoss, in deren Rahmen auch die starken Setzungserscheinungen des Gebäudes zu berücksichtigen waren. „Aufgrund ihres hohen Alters und ihrer Lage direkt am Rhein hatte sich die Villa erheblich und außerdem sehr ungleichmäßig gesetzt. Das bereits konstruktionsbedingt geneigte Dachgeschoss geriet damit zusätzlich in Schieflage“, erklärt Maximilian Friedrich, neben Michael Koch Geschäftsführer der G+K Ausbau und Sanierung GmbH. „Unsere Aufgabe war es deshalb auch, dafür zu sorgen, dass die Unterkanten der Mansarde bis zum Fußboden auf einer Linie laufen.“
Konkave Mansardflächen
Auch nach der Renovierung dominieren die konkaven Mansardflächen die um den Kern mit Flur, Kaffeeküche und WC angeordneten Räume, die durch die Dachgauben und Dachflächenfester hell und lichtdurchflutet sind
Foto: Foto Behrendt
Das besondere Merkmal des Dachgeschosses sind seine konkaven Mansardflächen, welche die um den Kern aus Flur, Kaffeeküche und WC angeordneten Räume dominieren. „Durch Schalung, Nagelbahn und Schiefereindeckung ist der Aufbau der Mansardflächen nach außen nicht diffusionsoffen. Für diese Flächen haben wir als Dampfbremse die variable Klimamembran ‚VarioKM Duplex UV‘ von Isover eingesetzt.“ Die Klimamembran ist mit einem variablen sd-Wert von 0,3 bis 5 m geeignet für die Sanierung von Dächern. Sie ist mit einem speziellen Vlies verstärkt, was den Einbau erleichtert.
Anarbeitung an die Dach- und Mansardflächen
Eine der sich anschließenden zentralen Aufgaben bestand in der Anarbeitung der erforderlichen Trennwände an die gebogenen Mansardflächen. „Diese Anarbeitung erforderte handwerkliches Können und viel Präzision. Begonnen haben wir mit der Ausbildung des gleitenden Anschlusses der oberen Dachflächen. Der Abschluss der Wände wurde also nicht starr angeschlossen, sondern frei beweglich, damit zum Beispiel Wind- und Schneelasten aufgenommen werden können und Rissbildung vermieden wird.“
Darüber hinaus musste der Anschluss an die Rundungen der Mansardflächen angepasst werden. Dazu wurden die Wände als doppelt beplankte Metall-Einfachständerwände aus „Rigips Bauplatten RB 12“ und „Rigips Feuerschutzplatten RF 20“ ausgeführt. Bei letzterer handelt es sich um eine kartonummantelte Gipsplatte mit einem faserarmierten Gipskern und einer geschlossenen Oberfläche. Die Platte ist gut geeignet für Wand- und Deckensysteme mit Brandschutzanforderungen und verfügt darüber hinaus über gute Schallschutzeigenschaften.
„Brandwand“ mit Feuerwiderstand EI 60
Im Treppenhaus steht die „Brandwand“ auf einer Massivwand, im Dachgeschosses – zum zuverlässigen Schutz des Holzbodens – auf Streifen aus „Rigips Glasroc F (Ridurit)“
Foto: G+K Ausbau und Sanierung, Neuwied
Zur Abgrenzung des Fluchttreppenhauses realisierte das Team um Maximilian Friedrich eine hochfeuerhemmende Wand (EI60-M) in Bauart einer Brandwand. „Dabei liegt die Stütze nicht wie ursprünglich geplant in der Wand, sondern im benachbarten Raum. Ausgeführt haben wir die spezielle Wand als Doppelständerwand, dreifach beplankt mit ‚Rigips Die Dicke‘ und ‚Rigips Feuerschutzplatte RF‘“, so Maximilian Friedrich. Um einen gleichwertigen Anschluss zu erhalten, haben die Ausbauprofis die Dachflächen bereits vor dem Bau der „Brandwand“ in „F 60“ bekleidet.
Im Treppenhaus steht die hochfeuerhemmende Wand auf einer Massivwand und im Dachgeschosses – zum zuverlässigen Schutz des Holzbodens – auf Streifen aus „Rigips Glasroc F (Ridurit)“. Diese besonders leistungsfähige und vliesarmierte Brandschutzplatte nach DIN EN 15 283-1 Typ GM-FH2 zeichnet sich durch eine verringerte Wasseraufnahmefähigkeit und einen verbesserten Gefügezusammenhalt bei hohen Temperaturen aus. Die Platte ist auch nach langer Brandeinwirkung noch formstabil und rissfrei.
Hohe Anforderungen an die Oberflächengüte
Dank vier großer und acht kleiner Dachgauben und Dachflächenfenster sind die Räume im Dachgeschoss der Villa hell und lichtdurchflutet. Für die Ausbauspezialisten ergaben sich daraus hohe Anforderungen an die Oberflächengüte, die scharfkantige Ausbildung aller Versprünge, die Gaubenbekleidungen sowie die Einbindung der die Mansardflächen schleifend schneidenden Stützbalken mit Kopfbändern.
Um Streiflicht und sichtbare Unebenheiten zu vermeiden, setzte das Team um Geschäftsführer Maximilian Friedrich den gebrauchsfertigen Feinspachtel „Rigips ProMix Finish“ ein. Damit wurden Oberflächen in Q4-Qualität erzielt. „Um diese geforderte Qualitätsstufe zu erreichen, war für uns der ‚ProMix Finish‘ von Rigips die erste Wahl. Er ist sehr geschmeidig und lässt sich leicht verarbeiten, er hat sehr gute Glätt- und Hafteigenschaften und ermöglicht darüber hinaus einen sauberen und optimalen Übergang ,auf Null‘. Auch ein Aufrollen oder Aufbrennen im Randbereich ist nicht zu befürchten. Außerdem ist der Spachtel lösungsmittelfrei, schnell lufttrocknend und besonders leicht zu schleifen“, sagt Maximilian Friedrich.
Wölbung in verschiedene Richtungen
Die Auskleidung der großen, geschwungenen Dachgauben sei handwerklich besonders knifflig und zeitaufwendig gewesen. „Die Gauben sind in sich geschwungen und gehen über in die ebenfalls geschwungenen Mansardflächen. Damit hatten wir es also mit Wölbungen sowohl in X- als auch in Y-Richtung zu tun. Und genau der Übergang vom einen zum anderen gewölbten Bauteil war sehr anspruchsvoll in der Ausführung. Wobei Herstellung und Anarbeitung der Leibung der kleineren Gauben an die Rundung der Mansardflächen kaum weniger aufwendig waren.“
Die Auskleidung der großen, geschwungenen Dachgauben war handwerklich besonders knifflig und zeitaufwendig
Foto: G+K Ausbau und Sanierung, Neuwied
Zur Auskleidung der Gauben setzte das Ausbauteam die „Rigips Bauplatte RB 9,5 mm“ ein. „Der große Vorteil für uns war, dass diese Platte besonders flexibel ist. Sie hat sich den geschwungenen Formen von Gaube und Mansarde perfekt angepasst – genau wie der flexible Kantenschutz ‚Rigips Levelline‘, den wir im Übergang von der Gaube zur Dachfläche eingesetzt haben.“
Ausbau mit Liebe zum Detail
Der Ausbau sei „von großer Liebe zum Detail geprägt“, erkannte die Jury der 14. Rigips Trophy, die mit ihrem klaren Votum die G+K Ausbau und Sanierung GmbH mit dem Sonderpreis Trockenbau auszeichnete. Die Jury würdigte die herausragende Oberflächengüte der Decken und Wände in den angesichts von Dachgauben und Dachflächenfenstern lichtdurchfluteten Räumen des Dachgeschosses.
AutorFrank Ditten ist Rigips Gebietsleiter bei der Saint-Gobain Rigips GmbH in Düsseldorf.
Baubeteiligte (Auswahl)
Bauherr 3B Beteiligungs GmbH, Andernach, 3b-ac.com
Architekten Berdi Architekten, Koblenz, www.berdi-architekten.de
Trockenbauarbeiten G+K Ausbau u. Sanierung, Neuwied, www.guk-neuwied.de
Trockenbauplatten Saint-Gobain Rigips, Düsseldorf, www.rigips.de
