Elektronisches Schließsystem für die Frauenkirche Dresden

Bei der Modernisierung historischer Gebäude sind Lösungen gefragt, die Technik und Bestand berücksichtigen. In der Dresdner Frauenkirche wurde die Zutrittskontrolle deshalb ohne Eingriff in die Bausubstanz erneuert. Das elektronische Schließsystem lässt sich flexibel nutzen.

Die Frauenkirche in Dresden vereint als architektonisches Meisterwerk historische Baukunst mit moderner Ingenieursleistung
Foto: Adobe Stock, Nr. 205979636

Die Frauenkirche in Dresden vereint als architektonisches Meisterwerk historische Baukunst mit moderner Ingenieursleistung
Foto: Adobe Stock, Nr. 205979636
Sie ist ein architektonisches Meisterwerk, Symbol der Versöhnung und Wahrzeichen Dresdens: die Frauenkirche. Seit 2005 erstrahlt sie wieder in neuer, alter Schönheit – ein Bauwerk, in dem historische Substanz mit modernen Materialien und Lösungen eine einzigartige Verbindung eingeht. Dieses Prinzip findet sich nun auch in der Sicherheitstechnik. Im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten entschied sich die Stiftung Frauenkirche Dresden für eine Modernisierung der Sicherheitstechnik durch die elektronische Schließlösung „eCliq“ der Marke „Ikon“ von Assa Abloy.

Architektonische Pionierleistung

Als Ratszimmermeister George Bähr 1722 den Auftrag erhielt, auf dem Areal des Neumarkts eine neue Kirche für die damals 60 000 Einwohner der Stadt zu bauen, ahnte niemand, welch geschichtsträchtiges Bauwerk entstehen würde. Der komplett aus Sandstein errichtete Kuppelbau, getragen von acht Pfeilern und den vier markanten Ecktürmen, war seiner Zeit weit voraus. Mit ihrer stabilen Konstruktion trotzte die architektonische Pionierleistung selbst dem Beschuss durch die Kanonen Friedrichs II. im Siebenjährigen Krieg. Erst die Folgen der verheerenden Bombennacht im Februar 1945 brachten den Sakralbau zum Einsturz, der bis Anfang der 1990er Jahre Ruine bleiben sollte.

Unsichtbare Ingenieurskunst für verbesserte Statik

Bei dem zwischen 1993 und 2005 realisierten Wiederaufbau wurden historische Baumethoden mit moderner Ingenieurskunst und Technik kombiniert. Rund 45 Prozent des originalen Steinmaterials konnten wiederverwendet werden und wurden passgenau mit neuem Sandstein verbunden – ein bauliches Puzzlespiel von beeindruckender Komplexität. Um eine verbesserte Lastverteilung für den 91 m hohen und 12 000 Tonnen schweren Kuppelbau zu erreichen, optimierten die Baumeister den Kraftfluss der Kuppel durch höhere Mauerwerksqualität, einen polygonalen Zugring zur Aufnahme der Horizontalkräfte sowie einen gemauerten Druckring am Fuß der Hauptkuppel. Da diese Maßnahmen von außen nicht sichtbar sind, bleibt die authentische historische Erscheinung des Gebäudes vollständig erhalten.

Batterien im Schlüssel

Das dezente Design der elektronischen Schließlösung „eCliq“ fügt sich harmonisch in das historische Erscheinungsbild von Beschlägen und Türen ein
Foto: Assa Abloy Sicherheitstechnik

Das dezente Design der elektronischen Schließlösung „eCliq“ fügt sich harmonisch in das historische Erscheinungsbild von Beschlägen und Türen ein
Foto: Assa Abloy Sicherheitstechnik
„Diese harmonische Verbindung von Alt und Neu ist genau der Ansatz, für den das elektronische Schließsystem entwickelt wurde“, erklärt Albrecht Felgner, Geschäftsführer der Felgner Sicherheitstechnik. „Da die Stiftung größten Wert auf eine Lösung legte, die sowohl den hohen Sicherheitsanforderungen als auch dem denkmalgeschützten Charakter der Frauenkirche gerecht wird, rieten wir zu diesem Produkt“, ergänzt der Sicherheitsexperte, der die Stiftung Frauenkirche Dresden bereits seit über 30 Jahren betreut.

Der Einbau erfolgte schnell und ohne Eingriff in die Bausubstanz. Anders als bei konventionellen elektronischen Zutrittssystemen funktioniert die Stromversorgung der Zylinder bei „eCliq“ über Batterien im Schlüssel. Die Installation ließ sich daher auch ohne aufwendige Kabelverlegung ausführen.

Zusätzliche Staub- und Regenschutzkappen bieten einen hohen Schutz der elektronischen Zylinder gegen Witterungseinflüsse
Foto: Assa Abloy Sicherheitstechnik

Zusätzliche Staub- und Regenschutzkappen bieten einen hohen Schutz der elektronischen Zylinder gegen Witterungseinflüsse
Foto: Assa Abloy Sicherheitstechnik
„Da die Zylinder ohne Knauf funktionieren, fügen sie sich optisch bestmöglich in das historische Bild unserer Frauenkirche ein“, freut sich Dipl.-Ing. Thomas Gottschlich, leitender Architekt der Kirchbauverwaltung der Stiftung Frauenkirche Dresden.

Flexibler Schutz für viele Zugangsanforderungen

Mit jährlich rund zwei Millionen Besuchern ist die Frauenkirche nicht nur ein touristischer Hotspot, sondern auch ein lebendiger Ort des Glaubens und der Kultur. Pfarrer, Kirchenmusikerinnen, Küster, sonstige Stiftungsmitarbeitende, Ehrenamtliche, Handwerker, Reinigungskräfte – sie alle benötigen unterschiedliche Zugangsberechtigungen zu den verschiedenen Bereichen des Gebäudes. Die „eCliq“-Lösung ermöglicht eine unkomplizierte und zugleich präzise Programmierung der Zugangsrechte nach Zeit und Ort. Verliert jemand einen Schlüssel, kann dieser einfach gesperrt werden, ohne dass die gesamte Anlage ausgetauscht werden muss – ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei einem so stark frequentierten Gebäude. „So sind wir nun technisch auf dem aktuellen Stand und unser Dresdner Wahrzeichen wird sehr gut geschützt, ohne dass Besucherinnen und Besucher  überhaupt wahrnehmen, dass hier modernste Sicherheitstechnik im Einsatz ist“, betont Thomas Gottschlich.

Autor

Markus Busch ist Werbe- und PR-Manager sowie Communication Manager bei der Assa Abloy Sicherheitstechnik GmbH in Albstadt.

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