Isotec-Handwerkskompass analysiert Produktivität im Handwerk: Was erfolgreiche Betriebe auszeichnet

Erfolgreiche Handwerksbetriebe arbeiten nicht nur produktiver, sie investieren auch deutlich stärker in gute Arbeitsbedingungen, moderne Führung und Mitarbeiterbindung. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Isotec-Handwerkskompass 2026, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Consult) im Auftrag von Isotec erarbeitet hat. Der Hauptsitz des auf Feuchtigkeitssanierung spezialisierten Unternehmens liegt in Bergisch Gladbach (NRW).

Die Studie liefert zugleich Antworten auf eine der größten Herausforderungen der Branche: den zunehmenden Fachkräftemangel im Handwerk. Sie untersucht den Zusammenhang zwischen Produktivität, Arbeitsplatzattraktivität und Vergütung. Grundlage sind volkswirtschaftliche Analysen sowie eine Befragung von 602 Handwerkern, darunter 294 Beschäftigte aus dem Bauhaupt- und Ausbaugewerbe.

Warum das Handwerk für Deutschland unverzichtbar ist

Mit mehr als einer Million Betrieben, rund 5,6 Millionen Beschäftigten und über 342.000 Auszubildenden zählt das Handwerk zu den wichtigsten Wirtschafts- und Ausbildungszweigen Deutschlands. Die Branche erwirtschaftet jährlich rund 771 Milliarden Euro Umsatz und trägt rund 7,6 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung bei. Gleichzeitig kommt dem Handwerk eine Schlüsselrolle bei den großen Transformationsaufgaben der kommenden Jahre zu: von der Energiewende über die energetische Gebäudesanierung bis hin zur Modernisierung und Digitalisierung von Gebäuden und Infrastruktur.

Die Produktivitätsspirale im Handwerk

Die Produktivitätsspirale zeigt verschiedene Aspekte: Die Sicht des Handwerksbetriebs auf die eigene Wirtschaftlichkeit, die generelle Sicht aufs Handwerk und auf das Gehalt
Grafik: Isotec

Die Produktivitätsspirale zeigt verschiedene Aspekte: Die Sicht des Handwerksbetriebs auf die eigene Wirtschaftlichkeit, die generelle Sicht aufs Handwerk und auf das Gehalt
Grafik: Isotec
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die sogenannte Produktivitätsspirale. Sie beschreibt das Zusammenspiel von Gehalt, Arbeitsplatzattraktivität und Produktivität. Die zentrale Erkenntnis der Studie: Gute Arbeitsbedingungen, hohe Mitarbeiterzufriedenheit und wirtschaftlicher Erfolg verstärken sich gegenseitig. Attraktive Arbeitsplätze fördern Motivation, Leistungsbereitschaft und Mitarbeiterbindung. Dies steigert die Produktivität, die wiederum wirtschaftliche Spielräume für bessere Vergütung, Weiterbildung, Digitalisierung und moderne Arbeitsbedingungen schafft. „Unsere Analyse zeigt: Produktivität im Handwerk entsteht dort, wo faire Vergütung, attraktive Arbeitsbedingungen und gute betriebliche Strukturen zusammenkommen“, sagt Dr. Hilmar Klink von IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

„Der Handwerkskompass macht deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg und attraktive Arbeitsplätze untrennbar miteinander verbunden sind“, sagt Horst Becker, Gründer und Geschäftsführer von Isotec sowie Initiator des Isotec-Handwerkskompasses. „Betriebe, die in ihre Mitarbeiter investieren, Wertschätzung leben und moderne Rahmenbedingungen schaffen, stärken nicht nur ihre Attraktivität als Arbeitgeber, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit.“

Besonders ausgeprägt ist der Zusammenhang zwischen Gehaltszufriedenheit und Arbeitsplatzattraktivität: Steigt die Zufriedenheit mit dem Gehalt um zehn Prozent, verbessert sich die wahrgenommene Attraktivität des Arbeitsplatzes durchschnittlich um 5,6 Prozent. Gleichzeitig geht eine um zehn Prozent höhere Arbeitsplatzattraktivität mit einer um 3,6 Prozent höheren Produktivität einher.

Wodurch sich erfolgreiche Handwerksbetriebe unterscheiden

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen wirtschaftlich erfolgreichen und weniger erfolgreichen Unternehmen. Erfolgreiche Handwerksbetriebe investieren häufiger in moderne Führung, Weiterbildung, Digitalisierung und klar strukturierte Prozesse. Zudem setzen sie stärker auf transparente Kommunikation, moderne Arbeitsmittel, leistungsbezogene Vergütungssysteme sowie Zusatzleistungen wie Bonuszahlungen, betriebliche Altersvorsorge, zusätzliche Urlaubstage oder flexible Arbeitszeitmodelle. Auch standardisierte Abläufe und digitale Werkzeuge kommen dort häufiger zum Einsatz.

Wirtschaftlicher Erfolg und Mitarbeiterzufriedenheit hängen eng zusammen. Beschäftigte in erfolgreichen Handwerksunternehmen bewerten Arbeitsabläufe, Organisation und Effizienz deutlich positiver als Mitarbeiter weniger erfolgreicher Betriebe.

Was Handwerker verdienen

Auch Qualifikation und Einkommen beeinflussen die Wahrnehmung der eigenen Tätigkeit: Meister bewerten die Produktivität ihres Betriebs im Durchschnitt um 16 Prozentpunkte höher als Gesellen. Beschäftigte mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von mehr als 4.000 Euro schätzen die Attraktivität des Handwerks ebenfalls häufiger positiv ein als Beschäftigte mit einem Einkommen unter 4.000 Euro.

Die Grafik zeigt die Attraktivität des Handwerks im Vergleich zur Industrie
Grafik: Isotec

Die Grafik zeigt die Attraktivität des Handwerks im Vergleich zur Industrie
Grafik: Isotec
Die Studie relativiert das verbreitete Bild eines generellen Gehaltsnachteils des Handwerks gegenüber der Industrie. Viele Unterschiede hängen eng mit der Unternehmensgröße zusammen. Im Vergleich zu ähnlich großen Betrieben liegen die Einkommen im Bauhandwerk deutlich näher an denen der Industrie, als häufig angenommen wird. Gegenüber mittleren Industrieunternehmen bestehen weiterhin Einkommensunterschiede. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese Lücke durch höhere Produktivität, moderne Betriebsstrukturen und attraktive Arbeitsplätze schrittweise verringert werden kann.

Wertschätzung wird zum Wettbewerbsfaktor

Besonders positiv bewerten die befragten Handwerker die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit, abwechslungsreiche Tätigkeiten und den direkten Kundenkontakt. Verbesserungsbedarf sehen viele dagegen bei flexibleren Arbeitszeiten, Karriereperspektiven und moderner technischer Ausstattung. Die Studie macht deutlich: Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und moderne Arbeitsbedingungen zählen heute zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren im Kampf um Fachkräfte.

Produktivität im Handwerk gezielt steigern

Neben Isotec-Gründer Horst Becker ist auch sein Sohn Tino Teil der Geschäftsführung. Horst Becker stellte den Handwerkskompass 2026 vor, der die Attraktivität und Produktivität des Handwerks zeigt
Foto: Isotec

Neben Isotec-Gründer Horst Becker ist auch sein Sohn Tino Teil der Geschäftsführung. Horst Becker stellte den Handwerkskompass 2026 vor, der die Attraktivität und Produktivität des Handwerks zeigt
Foto: Isotec
Der Handwerkskompass 2026 verbindet die Analyse mit konkreten Handlungsempfehlungen für die betriebliche Praxis. Die größten Potenziale liegen in modernen Vergütungsstrukturen, der konsequenten Digitalisierung von Abläufen, klaren Prozessen, attraktiven Arbeitsbedingungen sowie in Weiterbildung und Mitarbeiterentwicklung. „Das Handwerk verfügt über enorme Stärken und Potenziale, die häufig unterschätzt werden“, betont Isotec-Geschäftsführer Horst Becker. „Der Handwerkskompass belegt, dass wirtschaftlicher Erfolg und attraktive Arbeitsplätze kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig stärken. Die Zukunft des Handwerks entscheidet sich nicht allein auf der Baustelle, sondern auch in den Betrieben selbst.“

Horst Becker skizziert vier Handlungsempfehlungen für Produktivitätssteigerungen:

1.„New Deal“ mit dem Team: „Mit den Mitarbeitenden würde ich die Zielsetzung festlegen, die lautet: Ertragskraft stärken! Denn wenn die Produktivität zulegt, dann können auch höhere Löhne gezahlt werden“, betont er.

2. Den Begriff „Produktivität“ definieren: Ist das der Umsatz eines Mitarbeiters? Der Umsatz des gesamten Teams? Pro Woche oder Monat? „Am Anfang reicht es, die Zahlen in eine Tabelle einzutragen. Wichtig ist, den Begriff messbar zu machen.  

3. Strukturen legen, Organisation: Hier lauten die zentralen Fragen: Wer ist zuständig für den Kunden? Wer ist verantwortlich für die Planung im Vorfeld? Wer hat später die Baustellen-Verantwortung ? „Jeder Handwerksbetrieb sollte herausfinden, wo eventuell Informationen fehlen und wo der Workflow gestört ist“, sagt Horst Becker. Es sei hilfreich, die Verantwortlichkeiten aufzuteilen.

4. Investition in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:  Neben der technischen Ausstattung sei die Spezialisierung sehr wichtig. „Es muss spezielle Kompetenzen im Team geben. Und das erlangt man nur durch Qualifikation“, betont der Isotec-Geschäftsführer.

5. Karriereperspektiven schaffen: Aus seiner Sicht macht es Sinn, die Leistung jedes Einzelnen mit entsprechenden Gehältern zu honorieren.  (bhw/ela)

Die vollständige Studie mit Grafiken, zentralen Kennzahlen und Handlungsempfehlungen steht ab sofort zum kostenlosen Download bereit unter www.isotec-handwerkskompass.de

 

 

x

Thematisch passende Artikel:

Studie: So attraktiv ist das Handwerk

Die Studie wurde vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW consult) erarbeitet und zeigt, wo das Handwerk aktuell stark ist, wie aufgeschlossen Jugendliche ihm gegenüberstehen – und sich dennoch...

mehr

Nachfolge im Handwerk: Welche Betriebe beim Verkauf besonders gefragt sind

Dabei kommt ein Verkauf in der Regel nur für die etwa 20 Prozent der Betriebe, die einem Jahresumsatz von mindestens zwei Millionen Euro aufweisen, infrage. Zusammengenommen erwirtschaften diese aber...

mehr

Studie von Bitkom und ZDH: So digital ist das Handwerk

Dachdecker lassen Drohnen fliegen, Wohnhäuser entstehen aus dem 3D-Drucker, große Werkstätten behalten den Überblick über Ausrüstung und Maschinen mit Hilfe von Trackingsystemen: Die...

mehr
Ausgabe 09/2009

Marketing  Teil 4: Werben und Verkaufen im Bauhandwerk

Für Teile des Bauhandwerks resultiert aus der vermehrten Investition in die eigenen vier Wände ein regelrechter Boom. Kunden werden noch dazwischen geschoben, um bloß keinen Auftrag zu verlieren....

mehr

So tickt Ihr Betrieb: Bundesweite Studie für Chefs und Mitarbeiter im Handwerk

Die Arbeitswelt im Handwerk steht vor einem kulturellen Wendepunkt: Während Faktoren wie Fachkräftemangel, Generationenwechsel, Digitalisierung, KI und Robotik und steigende Lohnkosten den...

mehr