Kreativität auf dem Bau: Sandra ist Handwerkerin und Influencerin

„Das Handwerk hat mich von klein auf interessiert“, sagt Sandra. Die Ostwestfälin schätzt an ihrem Beruf besonders die Herausforderungen, die sich aus der Kombination von Kreativität und handwerklichen Fähigkeiten ergeben. Das Interview mit ihr zum internationalen Frauentag führte Rita Jacobs.

Sandra, warum hast Du Dich entschlossen, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen?

Aufgewachsen bin ich in einem Dorf in Ostwestfalen. Mein Vater und mein älterer Bruder waren Handwerker. Ihre Arbeit hat mich von klein auf fasziniert. So oft wie möglich war ich in der Werkstatt und habe ihnen zugesehen. Beide haben mir vieles erklärt und beigebracht und so meine Liebe zum Handwerk geweckt. Sie haben mich unterstützt, so dass ich meine handwerklichen Fähigkeiten immer weiter verbessern konnte. Heute denke ich, könnte ich ein komplettes Haus ganz alleine bauen.

Wie war die Reaktion aus dem Umfeld auf Deine Berufswahl?

Als ich vor zehn Jahren meine Ausbildung begonnen habe, war das Image des Handwerks schlecht. Frauen waren damals eine absolute Seltenheit auf der Baustelle. Die Reaktionen fielen dann auch sehr unterschiedlich aus. „Geh doch lieber studieren oder in die Industrie. Das ist doch nichts für eine Frau,“ habe ich damals oft gehört.

Wie ist es heute? Hat sich die Situation für Frauen im Handwerk seitdem geändert?

Die Fassade ihrer Werkstatt gestaltet Sandra mit Fassadenpaneelen
Foto: James Hardie Europe

Die Fassade ihrer Werkstatt gestaltet Sandra mit Fassadenpaneelen
Foto: James Hardie Europe
Es war mein Ziel, nicht nur eine gute Handwerkerin zu werden, sondern auch das Image des Handwerks zu verbessern und einen Beitrag für die Gleichberechtigung der Frauen dort leisten. Rückblickend muss ich sagen, dass sich tatsächlich einiges bewegt hat. Wir präsentieren unsere Arbeiten auf Social Media und stellen dabei die Vielseitigkeit der handwerklichen Berufe und die wirklich guten Verdienstmöglichkeiten vor. Da ich mittlerweile auch als klassisches Model unterwegs bin, erreiche ich die jungen Leute in den sozialen Medien sehr gut.

Gibt es etwas, das Du speziell für Mädchen machst?

Um Vorurteilen so früh wie möglich vorzubeugen, fängt man am besten bei den Kindern an. Sie sind noch unvoreingenommen. Ich bin Mitautorin eines Kinderbuches, das sich vor allem an Mädchen richtet. Darin versuchen wir den Kiddies zu vermitteln, wie schön das Handwerk ist.

War das Betriebsklima am Arbeitsplatz von Anfang an fair oder hattest Du das Gefühl, dass Du mehr leisten musst als Deine männlichen Kollegen, um anerkannt zu werden?

Frauen können auf dem Bau genauso gut anpacken wie Männer. Davon ist die Influencerin Sandra überzeugt
Foto: James Hardie Europe

Frauen können auf dem Bau genauso gut anpacken wie Männer. Davon ist die Influencerin Sandra überzeugt
Foto: James Hardie Europe
Gelernt habe ich in einem kleinen Betrieb. Mein Chef und ein Geselle. Beide haben mich von Anfang an respektiert und mich sehr gut ausgebildet. In der Berufsschule dagegen war es nicht so einfach. Ich war das einzige Mädchen in der Klasse. Man merkte an vielen Details, dass Frauen normalerweise keinen handwerklichen Beruf ergreifen. Beim Sportunterricht gab es zum Beispiel keine Umkleidekabinen für Frauen. Deshalb musste ich mich in der Besenkammer umziehen. Auch wenn ich in den sozialen Medien meinen Arbeitsalltag zeige, gibt immer noch Männer, die sich abschätzig äußern. Insgesamt aber ich muss sagen, dass die Akzeptanz im Laufe der Jahre viel größer geworden ist. Es sind inzwischen viele Menschen, die Frauen im Handwerk hundertprozentig akzeptieren. In meinem Betrieb arbeiten alle männlichen Kollegen gerne mit mir zusammen.

Das Handwerk gilt nach wie als „männlich“. Hast du das Gefühl, dass es bestimmte Fähigkeiten gibt, die Frauen besser beherrschen als männlichen Kollegen und somit das Team um Zusatzqualifikationen bereichert wird?

Generell denke ich, ist das Geschlecht nicht wichtig. Wenn man über handwerkliches Geschick verfügt und gerne arbeitet, dann macht jeder seine Arbeit gut. Aber natürlich gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer können besser größere Gewichte heben. Dagegen kann ich mit meinen schmaleren Händen viele andere Arbeiten einfacher ausführen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass jedes Handwerksunternehmen auch Frauen beschäftigen sollte. Das ist einfach sehr gut fürs Betriebsklima.

Frauen im Handwerk wird zugeschrieben, dass Sie kreativer an die Arbeit herangehen als ihre männlichen Kollegen. Mehr Wert auf individuelle und ästhetische Gestaltung legen? Kannst Du das für Dich bestätigen?

Nebenbei arbeitet Sandra auch als Model
Foto: James Hardie Europe

Nebenbei arbeitet Sandra auch als Model
Foto: James Hardie Europe
Ich persönlich bin ein sehr kreativer Mensch. Aber ich bin sicher, dass es auch Männer gibt, die über diese Eigenschaft verfügen. Da möchte ich wirklich keinen Unterschied zwischen Männer und Frauen machen. Im Jahr 2023 sollte eigentlich jedem klar sein, dass ein Handwerk nur von guten und fähigen Leuten ausgeübt werden kann. Und da gibt es jede Menge Frauen und Männer.

Du arbeitest gerne mit modernen Fassadenbekleidungen aus Faserzement. Welche Vorteile haben sie im Vergleich zu anderen traditionellen Fassadenbaustoffen ?

Mir ist aufgefallen, dass bei vielen Häusern der Außenputz bereits nach wenigen Jahren verblasst oder verschmutzt ist und neu gestrichen werden muss. Holzfassaden wirken sehr schön warm, aber auch die muss man ständig neu streichen, damit das Holz der Witterung standhält. Genau deshalb habe ich mich für Faserzement entschieden. Die Hardie VL Plank Fassadenpaneele beispielsweise haben eine schöne Holzoptik und strahlen diese Wärme aus. Aber im Gegensatz zu Holz- oder Putzfassaden verlieren sie nicht an Strahlkraft.

Autorin

Rita Jacobs führt ein PR-Büro mit Schwerpunkt Bau und Architektur in Düsseldorf.

 

 

 


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