Mineralisch gedämmt
WDVS mit Mineralwolle: Verarbeitung und Praxisbeispiele aus BerlinMineralische WDVS werden sowohl im Neubau als auch in der Sanierung genutzt. Zwei Berliner Projekte zeigen, wie sich unterschiedliche Anforderungen mit einem mineralischen System von Keimfarben umsetzen lassen. Die Verarbeitungsschritte geben einen Einblick in den Aufbau des WDVS auf der Baustelle.
Die mineralischen Dämmsysteme von Keim kommen seit Jahrzehnten in unterschiedlichen klimatischen Regionen sowohl im Neubau als auch in der Sanierung zum Einsatz. Sie umfassen ökologische, überwiegend mineralische Dämmstoffe, dick- und dünnschichtige Systeme sowie Lösungen für verschiedene Untergründe.
Sie sind auf unterschiedliche bauphysikalische Anforderungen ausgelegt und ermöglichen energieeffiziente Lösungen mit mineralischen Putz- und Anstrichsystemen. Ein wesentlicher Faktor für die Langlebigkeit eines Dämmsystems ist die Qualität der Oberfläche. Sie schützt die darunterliegende Dämmschicht dauerhaft vor Witterungseinflüssen wie Schlagregen, UV-Strahlung sowie Temperaturschwankungen und trägt so maßgeblich zur Funktionssicherheit des Systems bei.
Die Silikatfarben von Keim bilden hochmineralische, nicht filmbildende Oberflächen mit antistatischer Wirkung und kommen dank ihrer natürlichen Alkalität ohne biozide Filmschutzmittel aus. Die Fassadenfarben sind Cradle-to-Cradle-zertifiziert in Silber und tragen zudem das C2C-Material-Health-Certificate in Gold. Für ausgewählte Fassadenbeschichtungen gewährt Keim eine 20-jährige Farbtongarantie.
Zwei Berliner Objekte zeigen, wie mineralische Dämmsysteme ideal auf die jeweiligen Anforderungen im Neubau und in der Sanierung abgestimmt werden können.
Das „Glint“: Baugeschichte und
Nachhaltigkeit vereint
An der Glinkastraße in Berlin-Mitte wurde ein denkmalgeschütztes Gebäudeensemble aufwendig saniert. Die vier Gründerzeithäuser aus den Jahren 1873 bis 1886 waren im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, zu DDR-Zeiten nur notdürftig instandgesetzt worden und standen nach der Wiedervereinigung lange leer. Dem Architekturbüro von Bothmer gelang es, die historische Substanz des „Glint“ behutsam in die Gegenwart zu überführen. Der neoklassizistische Charakter der Altbauten blieb erhalten, ergänzt durch einen Neubau und verbunden über einen zentralen Innenhof zu einem stimmigen Ensemble.
Teil des Sanierungskonzepts war auch die energetische Ertüchtigung des Gebäudeensembles mit dem biozidfreien, mineralischen Keim-Dämmsystem. Das mit dem Blauen Engel ausgezeichnete System arbeitet ohne biozide Filmschutzmittel und reduziert Algen- und Pilzbefall auf bauphysikalischer Basis. Fester Bestandteil dieses Systems ist „Aquaroyal-Color“ als Schlussbeschichtung. Anders als herkömmliche Fassadenfarben ist die Beschichtung nicht wasserabweisend, sondern gezielt so formuliert, dass anfallende Feuchtigkeit aufgenommen, teilweise in den Deckputz abgeleitet und dort zwischengespeichert werden kann. Entsprechend schnell erfolgt auch die Rücktrocknung, so dass Algen oder Pilze keine Wachstumsgrundlage haben. Für die Verbindung aus historischer Architektur und nachhaltiger Bauweise erhielt das „Glint“ das DGNB-Vorzertifikat in Gold.
Inklusiv wohnen an der Prinzregentenstrasse
Barrierefreie Wohnungen sind in Deutschland Mangelware. Auf den großen und steigenden Bedarf reagierte die „Aktion Mensch“ und ließ im Herzen von Berlin erstmals ein besonderes Wohnhaus neu errichten: barrierefrei und inklusiv. Hier wohnen Menschen mit Behinderung, Studenten und Familien mit pflegebedürftigen Kindern unter einem Dach. Der Neubau ist für die „Aktion Mensch“ ein Leuchtturmprojekt, bei dem Nachhaltigkeit eine große Rolle spielte. Es handelt sich um ein in Holzständerbauweise errichtetes Effizienzhaus. Die Berliner Holtmann Malerei Meisterbetrieb GmbH brachte auf 730 m2 das mineralische Wärmedämm-Verbundsystem „Klassik-Plus-MW“ bestehend aus Mineralwolle an der Fassade an. „Für die tragenden Holzwände und die aus Beton bestehende Giebelwand nutzten wir Mineralwolle in 160 mm Dicke“, erläutert Malermeister Karsten Girard. Darauf folgte die „Armierungsmasse-100“. Die Schlussbeschichtung realisierte der Handwerksbetrieb mit „Stucasol“, einem eingefärbten Sol-Silikatputz in Kratzputzstruktur von Keim. Dieser Putz ist hoch wasserabweisend, diffusionsoffen, nicht brennbar und biozidfrei. Der eingefärbte Oberputz wird werkseitig im gewünschten Farbton geliefert und benötigt daher in vielen Anwendungsfällen keinen zusätzlichen Fassadenanstrich.
Verarbeitungsschritte des WDVS „Klassik-Plus-MW“
Sechs Verarbeitungsschritte führen zum perfekt ausgeführten Wärmedämm-Verbundsystem „Klassik-Plus-MW“.
Schritt 1 – Dämmplatten montieren
Die großformatigen Steinwolle-Dämmplatten werden vollflächig auf die Putzfassade gesetzt und angedrückt.
Schritt 2 – Bohrlöcher herstellen
Um die mechanische Verankerung vorzubereiten, werden Löcher durch die Dämmplatten in den tragfähigen Untergrund gebohrt. Die kombinierte Verklebung und Verdübelung sorgt für eine dauerhaft sichere Befestigung des WDVS.
Schritt 3 – Dämmstoffdübel setzen
Anschließend werden die Dämmstoffdübel gesetzt und oberflächenbündig eingebaut.
Schritt 4 – Armierungsgewebe einbetten
Das Glasfaser-Armierungsgewebe wird passgenau auf der vorbereiteten Fassadenfläche positioniert. Die saubere Führung der Gewebebahn bildet die Grundlage für eine gleichmäßige, risssichere und dauerhaft belastbare Armierungsschicht.
Schritt 5 – Armierung fertigstellen
Das Glasfaser-Armierungsgewebe wird passgenau eingebettet, sorgfältig überlappt und die Oberfläche anschließend plan abgezogen.
Schritt 6 – Oberputz auftragen
Der pastöse, eingefärbte Oberputz wird auf die armierte Fassadenfläche aufgetragen und strukturiert. Er bildet die witterungsbeständige und optisch gestaltende Schlussbeschichtung des WDVS.
AutorinCarmen Franke ist im Marketing der Firma Keimfarben in Diedorf tätig.
