Recruiting und Social Media: Schülerfirma BrandLab hilft Handwerksbetrieben
Die Schülerfirma BrandLab bietet Handwerksbetrieben Unterstützung bei der Suche nach Nachwuchskräften an. Über Social-Media-Postings und eine gute Website sollen sich die Firmen authentisch präsentieren. Am Evangelisch Stiftischen Gymnasium (ESG) in Gütersloh gehören Start-up-Gründungen zum Unterrichtskonzept.
Videos drehen, Social-Media-Posts schreiben, Website pflegen: Die Schüler-Firma BrandLab aus Gütersloh hilft Handwerksbetrieben bei der Fachkräftesuche. „Viele Firmen sind online nicht sichtbar. Wir wissen, auf welchen Plattformen die jungen Leute sind, weil wir ja selbst zur Zielgruppe gehören“, sagt Schüler Jan Christian Ostertag. Das sei ein wichtiger Pluspunkt beim Recruiting.
Sie machen bei BrandLab mit: Antonius Alexis Edgar Meyer zu Schwabedissen, Maarten Wörmer, Jannis Hoeppke (hintere Reihe von links) sowie Bendt Lepel, Rozerin Bicen, Nisha Assyria Günduz, Jan Christian Ostertag und Ben Müller-Nordmann (vordere Reihe von links).
Foto: BrandLab
BrandLab hat sich vor rund einem Jahr am Evangelisch Stiftischen Gymnasium (ESG) Gütersloh gegründet. Dort gehört es zum Unterrichtskonzept, dass die Schüler im Fach „Wirtschaft, Medien und Kultur“ (WMK) Start-ups gründen. „2016 ist dieses Modell aus dem früheren Werkunterricht heraus entstanden. Die Jugendlichen lernen, Ideen zu entwickeln, einen Business-Plan aufzustellen und dann auch in die Kundenaquise zu gehen“, erklärt Lehrer Johannes Leiskau, der die Start-up-Gründungen gemeinsam mit Lehrerin Tanja Milse betreut. Die acht Schülerinnen und Schüler, die bei BrandLab mitmachen, seien sehr ambitioniert und hätten auch schon erste Aufträge bekommen, freut sich ihr Lehrer. Zunächst ging ein Elternschreiben herum, das einige Kunden-Kontakte brachte. Aber die Jugendlichen greifen auch selbst zum Telefon, um sich bei Handwerkerinnen und Handwerkern bekannt zu machen.
Individuelle Social-Media-Strategie entwickeln
Jan Christian Ostertag, Ben Müller-Nordmann, Antonius Alexis Edgar Meyer zu Schwabedissen, Maarten Wörmer, Jannis Hoeppke, Bendt Lepel, Rozerin Bicen und Nisha Assyria Günduz bilden ein Team. Ihr Angebot ist sehr umfassend. „Wir nehmen mit den Firmen Kontakt auf, lernen sie kennen und sprechen Social-Media-Strategien mit ihnen ab. Wir posten auf Instagram, Tik Tok und schauen auch sonst, wo sich die Zielgruppe des Betriebes tummelt“, erläutert Jan Christian Ostertag. Facebook sei mittlerweile eher was für Ältere, von daher konzentriert sich die Schülerfirma auf andere Plattformen.
Bei ihrem Besuch vor Ort drehen die Schüler kurze Videos, um den Arbeitsalltag einzufangen. „Es soll alles authentisch sein. Daher sollten sich die Handwerker auch ruhig in Berufskleidung filmen lassen. Denn künftige Azubis wollen wissen, wie die Jobwelt aussieht“, sagt Ben Müller-Nordmann. Je mehr die Firmeninhaber über sich und ihr Team berichten, desto besser gelinge das Posting.
Auch die Firmen-Website schauen sich die Jugendlichen an und nehmen Verbesserungen vor. Hier zähle ebenfalls die Authentizität. Teamfotos, genaue Tätigkeits-Beschreibungen und eine klare Struktur seien das A und O. Die Website-Erstellung übernimmt BrandLab ebenso Wunsch.
„Höhle der Stifter“ lieferte wichtiges Feedback
Recruiting über Social Media wird immer wichtiger, da sich junge Leute eher durch Online-Posting ansprechen lassen
Foto: Cottonbro Studio / Pexels
Ein Fensterbau-Betrieb, ein Restaurant und ein Motorradhandel gehören schon zum Kundenkreis. BrandLab freut sich auf weitere Aufträge, die nicht nur aus OWL kommen sollen. Entfernungen nehmen die Jugendlichen gerne in Kauf und organisieren sich entsprechend. Das nötige technische Equipment aus Kamera, Mikro, Handy und Co. kann die Schülerfirma von der Film-AG ausleihen. Weiteres Wissen haben sich die Mitstreiter selbst beigebracht und auch im Gymnasium Hilfestellung bekommen. Für die Start-ups gibt es eine Veranstaltung, die sich „Höhle der Stifter“ nennt. „Es kommen verschiedene Experten zu uns und die Schüler können ihre Ideen vorstellen und bekommen Feedback“, schildert Johannes Leiskau. Es sei wichtig, dass auch Personen von Außen eine Einschätzung geben. Denn die Start-up-Gründungen sollen so realistisch wie möglich sein und keine bloße Planskizze.
Und wie lange existiert eine Schüler-Firma am ESG? „Manche Start-ups enden, wenn die Schüler Abi machen. Denn dann ist die Zeit einfach zu knapp, um sich weiterhin um die Firma zu kümmern. Aber es gibt auch Gründer, die nach ihrer Schulzeit dranbleiben“, so der Lehrer. Bei BrandLab kann sich Johannes Leiskau durchaus vorstellen, dass die Idee weiterwächst. Denn die Jugendlichen seien erfolgreich gestartet und sehr ehrgeizig. „Aber auch wenn ein Start-up an den Nagel gehängt wird, haben unsere Jugendlichen wichtige Erfahrungen gemacht. Und die können sie in ihr späteres Berufsleben mitnehmen.“
Weitere Infos auf: brandlab-media.de
Die Schüler haben auch einen Instagram-Account unter www.instagram.com/brandlab.media.gt/ und sind per Mail zu erreichen:
AutorinMichaela Podschun ist Redakteurin der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.
