Umbau des Abts- und Siechenhauses von Kloster Zinna in Jüterbog
Sanierung, Restaurierung, Modernisierung – im Projekt „Abts- und Siechenhaus Kloster Zinna“ in Jüterbog wurden viele verschiedene Anliegen durch unterschiedliche Maßnahmen zu einer harmonischen, qualitativen Architektur zusammengebracht.
Kloster Zinna ist ein Ortsteil von Jüterbog, einer Kleinstadt im südlichen Brandenburg nahe der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Neben der Kirche der ehemaligen Zisterzienserabtei selbst, sind hier auch das historische Abtshaus und das Siechenhaus erhalten. Diese wurden nun saniert. In dem ehemaligen Abtshaus ist heute das Museum Kloster Zinna untergebracht.
Im früheren Siechenhaus können Besucherinnen und Besucher unter anderem Köstlichkeiten der Klosterbrennerei „Klosterbruder“ kosten. Besonders herausfordernd war an der Sanierung, den unterschiedlichen Anforderungen an den Denkmal-, Wärme- und Brandschutz sowie nicht zuletzt der Barrierefreiheit gerecht zu werden – auch durch die Finanzierung über unterschiedliche Fördertöpfe. Ein wesentlicher Motor der Gesamtsanierung war dabei unter anderem die Förderung für die Restaurierung und den Erhalt der mittelalterlichen Freskenmalerei des Abtshauses.
Die Gebäude
Linker Hand das Siechenhaus mit schlichterem Giebel, rechts daneben das Abtshaus, nach hinten versetzt
Foto: Stefan Müller
Die beiden Gebäude stehen versetzt zueinander, das Siechenhaus, von der Straße aus betrachtet linker Hand, das Abtshaus rechts daneben, aber um die Gebäudelänge des Siechenhauses nach hinten versetzt. Dennoch gibt es eine Überschneidung zwischen der nordöstlichen Ecke des Siechenhauses und der südwestlichen Ecke des Abtshauses. Die neue Haupterschließung erfolgt nun nicht mehr auf der Südseite, sondern auf der dem Kloster zugewandten Westseite über eine großzügige Rampenanlage. Über diesen Haupteingang gelangt man in das Foyer im Abtshaus. Hier sind außerdem im Erdgeschoss der Große Saal, der Kleine Saal sowie ein weiterer Ausstellungsraum zu finden. Im Obergeschoss des Museums befinden sich mit dem Scriptorium, dem Freskensaal, dem Holzbodensaal sowie dem großen Empfangssaal weitere Ausstellungsflächen.
Im Obergeschoss des Siechenhauses gibt es zusätzlich einen 75 m2 großen Raum für Sonderausstellungen, der auch vom Abtshaus aus erschlossen werden kann. Die übrigen Räume des Obergeschosses dienen im Siechenhaus Schulungszwecken und der Museumsverwaltung. Zudem befinden sich hier die Garderoben und Sanitärräume. Im Erd- und Kellergeschoss des Hauses ist schon seit Ende der 1990er Jahre die Destillerie „Zinnaer Klosterbruder“ untergebracht. Die Räume im Obergeschoss standen seitdem leer.
Die Sanierung
2017 hatte es ein Vergabeverfahren mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren der Stadt Jüterbog zur Sanierung der Gebäude gegeben. Dieses konnte die Arge Hertzberg Weber Mauruschat Architekten für sich entscheiden. „Die größte Herausforderung dieser Sanierung war nicht nur, der Barrierefreiheit, der energetischen Ertüchtigung und der Brandschutz-Ertüchtigung gerecht zu werden, sondern auch die begrenzten Mittel aus diesen zwei unterschiedlichen Fördertöpfen so einzusetzen, dass am Ende ein einheitliches Bild entsteht und kein Flickenteppich von Einzelmaßnahmen“, so Architektin Frauke Weber.
Besonders im Abtshaus galt es, den historischen Bestand im Original zu belassen und so wenig wie möglich einzugreifen. Im Empfangs- und im Freskensaal gab es unterschiedliche Malereien an den Wänden und Decken, die gereinigt, gefestigt und gegebenenfalls restauriert werden mussten. Im Siechenhaus hingegen gab es relativ viel geschädigte Bausubstanz. Viele Wände und Einbauten konnten nicht erhalten werden. Dadurch gab es im Obergeschoss des Siechenhauses entsprechend wenig bauliche Vorgaben, an denen sich die Grundrisse orientieren mussten. Daher konnten diese in Trockenbauweise relativ frei umgesetzt werden. Hinter dem Raum für Sonderausstellungen liegen nun nicht nur die Garderobe und die Sanitärräume, sondern auch ein Seminarraum für Schulungen und Workshops, das Büro der Museumsverwaltung sowie Lagerraum und Bibliothek.
Barrierefreiheit im Erdgeschoss
Über eine großzügige Rampenanlage wird das Museum nun von der Westseite barrierefrei erschlossen
Foto: Stefan Müller
Von besonderer Bedeutung war bei der Sanierung die Barrierefreiheit. Lange wurde darüber diskutiert, wie auch die oberen Geschosse barrierefrei erschlossen werden können. Die technisch einzig sinnvolle Möglichkeit wäre hierfür ein Außenbauwerk gewesen, dem das Landesdenkmalamt schlussendlich nicht zustimmen konnte. Die Obergeschossräume des Museums werden daher für Besucher, die diese nicht erreichen können, auf einem Bildschirm im Erdgeschoss präsentiert. Aber allein schon die Erschließung des Erdgeschosses für Rollstuhlfahrende machte einige Maßnahmen notwendig. So gibt es heute neben dem Rampenbauwerk an der Westseite auch eine weitere Rampe auf der Ostseite zum Klosterhof sowie einen Hublift innerhalb des Gebäudes zwischen Foyer und Großem Saal.
„Unter dem Hublift befindet sich eine Kappe des Kellergewölbes. In diese durften wir aber keinen Anker setzen oder andere Verbindungsmittel zur Befestigung des Liftes einbringen“, erzählt Tragwerksplaner Peter Schoch vom Planungsbüro 2B. Daher wurde über der Gewölbekappe eine Platte betoniert, um in dieser Verbindungsmittel für den Hublift einbringen zu können. „Die Kunst lag darin, dass die Platte einerseits nicht zu schwer sein durfte, da das Gewölbe einseitig belastet wurde und asymmetrische Belastungen ungünstig sind für Gewölbe. Auf der anderen Seite musste die Betonplatte schwer genug sein, um das nötige Gegengewicht aufzubringen, wenn der Lift ausgefahren wird.“
Mit dem Hubbogentisch können die Stufen zum großen Saal im Erdgeschoss des Abtshauses auch mit dem Rollstuhl sicher überwunden werden
Foto: Stefan Müller
Bei dem Lift handelt es sich um einen Bogenhubtisch der Firma ATC Lift GmbH mit hydraulischem Antrieb. „Für uns bestand die besondere Aufgabe darin, den Hublift an die recht geringe maximale Aufbauhöhe von 15 cm anzupassen, inklusive einer Wanne mit einem 4 cm starken Bodenbelag auf der Liftplattform“, erzählt Toni Augustin, Projektleiter bei der Firma Berndt Mobilitätsprodukte GmbH aus Bautzen. „Insofern musste hier eine Sonderlösung mit einem flachen Hubbodentisch gefunden werden.“
Zudem war der Platz vor der Treppe begrenzt. Die Sonderlösung besteht nun in einer Teleskop-Ausführung, durch die die Aufbauhöhe exakt an die Grubentiefe angepasst werden konnte. Gleichzeitig wird gewährleistet, dass die Plattform weit genug ausgefahren werden kann, um an die obere Ebene anzuschließen. Dabei sitzt der Hublift auf einer Fußplatte, die mit sechs Schrauben auf der Betonplatte fixiert ist. So kann der Lift am oberen Ende weit genug, über seinen Kipppunkt hinaus, sicher ausgefahren werden. „Selbstverständlich muss sowohl der Anschluss am oberen Punkt ohne Fuge oder Schwelle funktionieren als auch die bodenbündige Absenkung am unteren Ende“, so Bautechniker Augustin. Damit der Rollstuhl gesichert ist, fährt während der Hubbewegung eine umlaufende, etwa 10 cm hohe Seitenabsicherung (Abrollsicherung) aus – nur eines der diversen Sicherheitsmerkmale des Liftes.
Freskenmalerei des 15. Jahrhunderts
Ein weiteres großes Thema und wesentlicher Motor des Projektes war die Restaurierung der Wandmalereien im Abtshaus. Sie stammen vermutlich aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, sind aber im Laufe der Jahrhunderte mehrfach übertüncht worden. Erst Ende der 1950er beziehungsweise Anfang der 1960er Jahre waren die Darstellungen wiederentdeckt und freigelegt worden.
Die Freskenmalereien im Abtshaus wurden in erster Linie gereinigt und gesichert. Die Maßgabe war, möglichst wenig in das Original einzugreifen
Foto: Sara Buchheim
„Im Grunde waren die Restaurierungsmaßnahmen der 1960er Jahre sehr fortschrittlich im Umgang mit den freigelegten Malereien“, betont Sara Buchheim, die maßgeblich für die jetzigen Restaurierungsarbeiten zuständig war. „Es wurde wenig retuschiert oder malerisch ergänzt, obwohl die Malereien teilweise stark reduziert und schwer ablesbar waren. Aus archivarischen Unterlagen geht sogar hervor, dass überlegt wurde, eine Kopie der Malerei im großen Saal anzufertigen, die dann als Lesehilfe dienen sollte. Auch unsere Maßgabe war, möglichst nicht in das Original einzugreifen und so wenig Neues wie möglich hinzuzufügen.“
Und das, was hinzugefügt wurde, sollte gut von dem historischen Bestand zu unterscheiden sein. Restauratorische Voruntersuchungen verwiesen auf komplexe Raumgestaltungen, von denen die heute sichtbaren Wandmalereien nur ein Teil sind. Für die Neupräsentation der Malereifragmente war es wichtig, dass sie sich klar von der Neufassung abgrenzen und in Form definierter Befundfenster Einblicke in die Vergangenheit geben.
So hatte es beispielsweise vor der Restaurierung der Heiligenbilder keine klare Abgrenzung gegeben zwischen den Heiligenfiguren und dem umgebenden Wandanstrich. Heute sind die Heiligen jeweils in einem rechteckigen Rahmen gefasst und setzen sich somit von dem umgebenden Wandanstrich ab.
Im Rahmen eines DBU-Forschungsprojektes konnten innerhalb der aktuellen Restaurierungskampagne Multispektralaufnahmen der Wandmalereien angefertigt werden. Dabei war es möglich die Darstellungen durch die Kombination unterschiedlicher Wellenlängen besser zu visualisieren oder sogar nicht sichtbare Details kenntlich zu machen. Diese Aufnahmen können heute den Museumsbesucherinnen und -besuchern an die Hand gegeben werden, um die Malereien besser zu verstehen.
„Wir haben die vorhandenen Bilder in erster Linie gereinigt und gesichert, aber auch weitere Befunde freilegen können“, erzählt Restauratorin Buchheim weiter. „Ein Großteil unserer Arbeit bestand außerdem in Bestandssicherungsmaßnahmen, beispielsweise an den Gewölben, sowie in der Baubegleitung anderer Gewerke, um die Eingriffe in die historische Bausubstanz zu kontrollieren.“
Dezente Haustechnik
Die unverkleideten Konvektoren stehen am Ende vor der Wand. Der noch blau verpackte Anprallschutz schützt die Fenster ohne Sicherheitsglas
Foto: Arge Hertzberg Weber Mauruschat
Die Vorgabe für die Haustechnik bestand beispielsweise darin, die Wände – bis auf wenige Ausnahmen – frei von jeglicher Installation zu halten und die neue Technik behutsam in die vorhandene historische Struktur einzubinden. So sind Leitungen nur in wenigen vordefinierten Bereichen verlegt und durch vorhandene Durchbrüche in den Wänden geführt worden. Wie beschrieben hatte der Erhalt der Bausubstanz in möglichst unveränderter Form insbesondere bei der Sanierung des Abtshauses absolute Priorität, was unter anderem bedeutete, dass großflächige Dämmungen nicht möglich waren. Stattdessen setzte man hier auf die Reduzierung des Primärenergiebedarfs durch neue Gebäudetechnik. Eine Gastherme versorgt nun Boden- und Wandkonvektoren im Abtshaus sowie die Heizkörper im Siechenhaus. Die Konvektoren des Abtshauses sind dabei geschickt und ansprechend in holzverkleidete Sitzbänke integriert. Sie fallen so nicht als technische Einbauten ins Auge und halten sich insgesamt durch eine angepasste Farbgestaltung der Verkleidung optisch zurück.
Gute Zusammenarbeit
Alle am Bau Beteiligten betonen die gute Zusammenarbeit sowohl bei der Planung als auch bei der Ausführung. Und so heißt es auch in der Projektbeschreibung der Arge: „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts war die enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. In Workshops und Abstimmungsrunden wurden Vertreter der Stadt Jüterbog, des Museums, der Denkmalschutzbehörden, der Bauaufsicht und Fachplaner frühzeitig in den Entscheidungsprozess eingebunden. […] So wurde sichergestellt, dass sowohl denkmalpflegerische als auch technische Anforderungen erfüllt werden, ohne Kompromisse bei der gestalterischen Qualität einzugehen.“ Ohne die 80-prozentige Förderung über die Städtebauförderung wäre die Sanierung des Denkmals nicht möglich gewesen und ohne die Kulturförderung auch nicht die aufwendige Freskensanierung.
AutorinDipl.-Ing. Nina Greve studierte Architektur in Braunschweig und Kassel. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Lübeck (www.abteilung12.de) und ist unter anderem für die Zeitschriften DBZ, bauhandwerk und dach+holzbau tätig.
Baubeteiligte (Auswahl)
Auftraggeber Stadt Jüterbog
Architektur Arge Hertzberg Weber Mauruschat, Potsdam, mit N. Barthélémy und M. Kungl
Tragwerksplanung 2B Planungsgesellschaft mbH, Berlin, 2bplan.de
Restaurierung der Wandmalereien Netzwerk
Bau und Forschung, Anika Basemann, Jüterbog, Anna-Sara Buchheim, Luckenwalde,
netzwerk-bauundforschung.com
Einbau des Hublifts Berndt Mobilitätsprodukte, Bautzen, www.bemobil.de
Rampenanlagen (außen) Kaplick Scharmann, Jüterbog
BNB Beton und Naturstein Babelsberg, Potsdam, bnb-potsdam.de
