Faserzementtafeln für das Aalto-Hochhaus in Bremen

1961 hinterließ der berühmte finnische Architekt Alvar Aalto seine unverwechselbare Handschrift der Hansestadt Bremen. Mit dem Wohnhochhaus im damals entstehenden Stadtteil „Die Neue Vahr“ errichtete Aalto eine Ikone der Moderne und des Siedlungsbaus, dazu noch ein Sinnbild der Funktionalität und des puristischen skandinavischen Designs.

Das 21 Stockwerke umfassende Scheibenhaus nimmt deutliche Anleihen an die organische Architektur Aaltos. Dieser fächerte die Wohneinheiten mit jeweils unterschiedlichen Grundrissen in Ost-West-Ausrichtung auf. Die zur breiteren, sonnenzugewandten Westfassade ausgerichteten Wohnbereiche bilden dort entsprechend eine vertikal facettierte Fassadenfläche aus.

Das 21 Stockwerke umfassende Scheibenhaus nimmt deutliche Anleihen an die organische Architektur Aaltos 
Foto: Dennis Neuschaefer-Rube

Das 21 Stockwerke umfassende Scheibenhaus nimmt deutliche Anleihen an die organische Architektur Aaltos 
Foto: Dennis Neuschaefer-Rube
Auf dieser Seite verfügt jede der 189 Wohnungen über eine eigene Loggia, die über Holzprofile getrennt an die großzügigen Fensterflächen anschließen. Dazu bestimmt heller Betonstein das Fassadenbild, während an der Ostseite mit ihren Erschließungsfluren und Wirtschaftsbalkonen sowie an den schmalen, als geschlossene Gebäudeecken ausgebildeten Nord- und Südfassaden Faserzementplatten das Haus bekleideten.

Stabile Befestigung mit Agraffen

Diverse Sanierungsmaßnahmen wurden im Lauf der Jahrzehnte nötig, nicht alle entsprachen jedoch einem zeitgemäßen, langlebigen Qualitätsstandard. Der seit Mitte der 1990er-Jahre zuerkannte Denkmalschutzstatus entlarvte so manche Arbeit als inadäquat.

Im Jahr 2021 wurde daher neben einer Dach- auch eine umfassende und denkmalgerechte Fassadensanierung in Auftrag gegeben. Nach mehreren Bemusterungen fiel die Wahl der Planer und Denkmalexperten auf die Fassadentafeln „Equitone“ [natura], die durch eine Stülpschalung und durch eine rückseitige, nicht sichtbare und besonders stabile Befestigung mit Agraffen die historische Anmutung originalgetreu rekonstruiert.

Mit der Sanierung der Gebäudehülle ging auch eine sehr gute energetische Ertüchtigung einher
Foto: Karuan Karim

Mit der Sanierung der Gebäudehülle ging auch eine sehr gute energetische Ertüchtigung einher
Foto: Karuan Karim
Die in enger Abstimmung mit dem Etex-Technikteam entstandene Individuallösung findet sich an den geschlossenen Fassadenflächen im Osten, Norden und Süden des Gebäudes wieder, während an der Westseite die Betonoberflächen lediglich konservatorisch behandelt und in der Farbigkeit dem Original entsprechend aufgefrischt wurden. Preiswürdig – urteilt die Jury des Bremer Denkmalpflegepreis 2022 und honorierte die denkmalgerechte Fassadensanierung mit einer Auszeichnung. (bhw/ela)

www.equitone.de


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