Testfahrt mit dem Transporter Fiat Talento

Mit dem „Talento“ bietet Fiat einen neuen Transporter im Segment zwischen ein und drei Tonnen und hat damit die Lücke zwischen „Doblo“ und „Ducato“ geschlossen. Der italienische Hersteller verspricht sich von dem Fahrzeug Wachstum und Neukunden. Wir überprüften bei einer Testfahrt die Talente des Neuen.

Das klassische Transporter-Segment der Nutzfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 1 bis rund 3 Tonnen macht etwa 40 Prozent des Gesamtmarktes für leichte Nutzfahrzeuge aus. In diesen Markt will Fiat jetzt mit dem im Juni vergangenen Jahres präsentierten „Talento“ stoßen.

Denn der bisher in dieser Klasse angebotene Vorgänger „Scudo“ traf mit seinem relativ kurzen Laderaum nicht die Marktanforderungen des Handwerks. Anders der „Talento“: Mit einer Laderaumlänge von 2,54 m bei kurzem Radstand und 40 cm mehr bei langem Radstand bietet er viel Platz. Schon bei kurzem Radstand passen drei Euro-Paletten in den Wagen. Fiat schließt damit die Lücke zwischen dem „Doblo“ und dem „Ducato“. Die Italiener haben dabei allerdings auf eine Eigenentwicklung verzichtet; wie der Opel „Vivaro“ und der Nissan „NV300“ ist auch der „Talento“ ein Ableger des Renault „Trafic“.

Unterwegs mit 600 Kilogramm

Bei unserer Testfahrt macht der Talento jedenfalls einen sehr ausgereiften und durchdachten Eindruck. Wir fahren einen „Talento“-Kastenwagen mit kurzem Radstand. Angetrieben wird er von einem 1,6 Liter „EcoJet TwinTurbo“ Motor mit 92 kW – insgesamt stehen drei weitere 1,6-Liter-Turbodiesel in den Leistungsstufen 70, 88 und 107 kW zur Auswahl. Doch unser Antrieb ist durchaus ausreichend: Er beschleunigt den Transporter mit guter Dynamik im Stadtverkehr wie auch auf der Autobahn. Allerdings merkt man auf der Teststrecke am Rand des Taunus bei Steigungen doch, dass unser Fahrzeug eine Testladung von rund 600 kg befördert. Die maximale Nutzlast der von uns gefahrenen Version beträgt bis zu 1142 kg. Wer also in hügeligen Gegenden unterwegs ist, öfter schwere Ladung transportiert oder einen Anhänger zieht, sollte den 107 kW Motor wählen.

Komfortables, ruhiges Fahren

Sehr angenehm fallen bei dem neuen Mitglied der Fiat-Transporter-Familie die geringen Fahrgeräusche auf: Vom Motor hört man wenig, auch wenn es bergauf geht oder man ordentlich beschleunigt. Auch Abrollgeräusche und der Fahrtwind stören nicht. Die Fahrerkabine des „Talento“ bietet eine großzügige Innenraumbreite, große Fenster vermitteln ein offenes Raumgefühl. Die Anordnung von Lenkrad und Bedienelementen sorgt dafür, dass auch längere Fahrten entspannter und sicherer vor sich gehen. Schick wirkt die Innenraumausstattung unseres Wagens durch die Kombination von Elementen in „Living-Braun“ mit schwarz-braunem Armaturenbrett und schwarzer Hochglanzverkleidung. Praktisch ist auch das „mobile Büro“, das einen klappbaren Beifahrerdoppelsitz mit Ablagefläche, ein Klemmbrett, sowie ein Staufach unter dem Sitz umfasst. Ein nettes Detail ist der „ViewPlus“-Spiegel auf der Sonnenblende des Beifahrers: Er reduziert den toten Winkel und verbessert die seitliche Sicht.

Ordentlich Laderaum auch mit kurzem Radstand

Das Ladevolumen unseres Testwagens beträgt 5,2 m3. Eine Stahltrennwand schottet den Laderaum von der Fahrerkabine ab. Öffnet man die so genannte „CargoPlus“-Klappe in der Trennwand, können lange Gegenstände bis unter den Beifahrersitz durchgeschoben werden. Damit lassen sich bis zu 3,75 m lange Bauteile transportieren. Allerdings ist die Klappe recht klein, eine Leiter würde nicht passen. Grundsätzlich ist der Zugang zum Laderaum dank der ausgeprägten Rechteckform und der bis zu einem Winkel von 255 Grad öffnenden Hecktüren komfortabel. Die Ladekante ist nur 552 mm hoch, die seitliche Schiebetür bis zu 1030 mm breit. Unser Testwagen ist zudem noch mit einer optionalen zweiten Schiebetür ausgestattet.

Sinnvolle Assistenzsysteme

Serienmäßig an Bord sind unter anderem Bremsen-ABS komplett mit elektronischer Bremskraftverteilung und Notbremsassistent sowie eine elektronische Fahrstabilitätskontrolle inklusive Berganfahr-Hilfe und Traktionskontrolle. Wer oft mit Anhänger unterwegs ist, sollte zusätzlich das Anhängerstabilisierungssystem ordern. Es bringt im Notfall Zugfahrzeug und Anhänger gleichzeitig durch Modulation der Motorleistung und gezieltes Abbremsen einzelner Räder unter Kontrolle. Unser Testwagen verfügt zudem über eine Rückfahrkamera, die ihr Bild auf einen Monitor im Rückspiegel überträgt. Alles in allem hat Fiat mit dem Talento einen Transporter im Portfolio, mit dem das Unternehmen tatsächlich die Chance hat, neue Kunden zu gewinnen. Das Fahrzeug macht in der Summe einen guten Eindruck, ist komfortabel und bietet hohen Nutzwert. Der Basispreis unseres Testwagens mit der SX-Ausstattung (Optik-Paket, Bluetooth, Mobil-Office-Beifahrerdoppelsitzbank) liegt bei 27 230 Euro (zzgl. MwSt.).

Autor

Dipl.-Ing. Olaf Meier studierte Maschinenbau und arbeitet als freier Fachjournalist. Er lebt in Mönchengladbach und schreibt unter anderem als Autor für die Zeitschrift bauhandwerk.

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